Die aktuelle Marktlage für Stickstoffdünger zeigt in Deutschland wenig Bewegung. Während die internationalen Harnstoffpreise nach unten tendieren, bleiben die Notierungen hierzulande weitgehend unverändert. Grund dafür ist vor allem die jüngste Ausschreibung Indiens, die weltweit zu sinkenden Harnstoffpreisen geführt hat. Gleichzeitig sind die Gaspreise und damit auch die Produktionskosten für europäische Hersteller deutlich gefallen.
Auf den heimischen Märkten ist Kalkammonsalpeter (KAS) seit Mitte August leicht angezogen. Zu Monatsbeginn stiegen die Preise nach einem vorangegangenen Rückgang wieder an. An den Importhäfen und bei Großhändlern liegt der aktuelle Preis bei 357 Euro je Tonne. Damit entspricht er dem Niveau der Vorwoche, liegt knapp zehn Euro unter dem Stand von vor vier Wochen, aber rund 15 Euro über den Mitte August gezahlten Preisen.
Trotz der Entspannung auf den Gasmärkten bleibt die Kaufbereitschaft vieler Betriebe gering. Der Grund liegt in den sehr niedrigen Getreidepreisen, die den Einsatz von Düngemitteln zu den derzeitigen Konditionen wenig attraktiv machen. Viele Landwirte zögern deshalb mit Einkäufen oder Vorbestellungen. Dennoch hat diese zurückhaltende Nachfrage bislang keinen deutlichen Preisrutsch ausgelöst.
Seit mehreren Wochen zeigen sich die Düngerpreise insgesamt erstaunlich stabil. Verantwortlich dafür ist vor allem die eingeschränkte Verfügbarkeit, die einen stärkeren Rückgang verhindert. Besonders die Importzölle auf russische Ware begrenzen das Angebot zusätzlich. Die Hersteller selbst halten ihre Vorräte knapp, was die Marktlage fragil macht.
Bei Harnstoff, KAS, Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) und Ammoniumnitrat haben sich die Preise auf dem europäischen Binnenmarkt zuletzt kaum bewegt. In Deutschland liegt der Spotmarktpreis für Harnstoff bei 540 Euro pro Tonne. Dieser Wert entspricht sowohl den Vorwochen- als auch den Vormonatsnotierungen, liegt aber 15 Euro über dem Stand von Mitte August.
Die Entwicklung des internationalen Harnstoffhandels rückt immer stärker in den Blick. Mit einer weiteren Ausschreibung hat Indien den Druck auf die Preise erneut erhöht. Marktbeobachter gehen davon aus, dass diese Bewegung auch auf die Importpreise in Europa durchschlagen wird.
Bei Flüssigdünger sind die Notierungen leicht gestiegen. Für AHL werden derzeit 356 Euro pro Tonne aufgerufen, fünf Euro mehr als Ende August. Insgesamt blieb die Preisstruktur in den vergangenen Wochen damit weitgehend stabil.
Das Zusammenspiel aus schwachen Getreidepreisen und begrenztem Düngemittelangebot sorgt weiterhin für Unsicherheit im Markt. Auch wenn die Produktionskosten spürbar gesunken sind, verhindert die angespannte Nachfrage, dass sich dies in deutlichen Preisnachlässen widerspiegelt.
