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EU und Australien schließen zollfreies Freihandelsabkommen ab

Das neu abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien verspricht Vorteile für beide Seiten, darunter zollfreie Importe von Rind-, Schaf- und Ziegenfleisch, Zucker und Milchprodukten. Im Gegenzug erhält die EU besseren Zugang zu wichtigen australischen Rohstoffen wie Aluminium, Mangan und Lithium. Die Verhandlungen für dieses Abkommen dauerten knapp acht Jahre, deutlich weniger als beim Mercosur-Abkommen, das über 25 Jahre in Anspruch nahm.

Zollfreie Kontingente für landwirtschaftliche Produkte

Australische Exporteure profitieren von zollfreien Kontingenten für wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse. Bei Rindfleisch beispielsweise dürfen jährlich 30.600 Tonnen eingeführt werden, wobei 16.830 Tonnen komplett zollfrei sind. Weitere 13.770 Tonnen unterliegen einem reduzierten Zollsatz von 7,5 %. Diese Mengen werden über zehn Jahre hinweg schrittweise eingeführt und stellen etwa 0,5 % des EU-Inlandsverbrauchs dar.

Für Schaf- und Ziegenfleisch sind zollfreie Importmengen von 25.000 Tonnen vorgesehen, was rund 4 % des europäischen Verbrauchs entspricht. Auch hier erfolgt eine stufenweise Einführung über sieben Jahre. Wichtig ist dabei die Herkunft aus Weidehaltung, um den EU-Standards gerecht zu werden.

Anforderungen an Zucker- und Milchimporte

Ein Importkontingent von 35.000 Tonnen Rohrzucker wird ebenfalls zollfrei sein, jedoch durch ein Nachhaltigkeitssystem zertifiziert, das den hohen EU-Standards gerecht wird. Bei Milchprodukten erlaubt die EU-Kommission zollfreie Einfuhren von 8.000 Tonnen Magermilchpulver, 5.000 Tonnen Butter und 2.000 Tonnen Molkenproteinkonzentraten.

Bessere Exportmöglichkeiten für die EU

Australien öffnet seine Märkte ebenfalls weiter: So gibt es sofortige Kontingente für 500.000 Tonnen EU-Weizen und Gerste, die sich in den nächsten zehn Jahren auf bis zu eine Million Tonnen erhöhen können. Zudem verschwinden Zölle auf Raps innerhalb von fünf Jahren, während das Kontingent von anfangs 300.000 auf schließlich 800.000 Tonnen wächst.

Die Europäische Kommission schätzt Einsparungen bei Zöllen auf rund 85 Millionen Euro, wovon allein 20 Millionen Euro auf Käse und 16 Millionen Euro auf Wein entfallen könnten. Der Exportwert der EU nach Australien könnte im kommenden Jahrzehnt um ein Drittel steigen, mit besonders hohen Zuwächsen in der Milchwirtschaft.

Sicherheitsmechanismen zum Schutz der Märkte

Trotz der weitreichenden Zollfreiheit gibt es Schutzklauseln: Sollte ein Produkt mehr als 5 % Überimport erfahren oder Preisstürze unter den EU-Durchschnitt auftreten, können Zollvorteile bis zu zwei Jahre ausgesetzt werden. Die Einhaltung dieser Regelungen wird halbjährlich überprüft.

Nächste Schritte zur Umsetzung des Abkommens

Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, müssen noch einige Hürden überwunden werden: Die ausgehandelten Texte sollen bald veröffentlicht werden und bedürfen der Zustimmung des EU-Rates sowie des Europäischen Parlaments.

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