Die derzeit niedrigen Temperaturen in Deutschland, die häufig um den Gefrierpunkt oder darunter liegen, stellen Landwirte vor Herausforderungen. Besonders betroffen ist der Ackerbau, da Frostschäden an Pflanzen auftreten können. Diese Schäden sind nicht immer nur negativ zu bewerten.
Frostschäden und ihre möglichen positiven Effekte
Frost kann zu sichtbaren Schäden an den Pflanzen führen, beispielsweise durch das Absterben von Blättern. Dominik Neumeier, ein Pflanzenbauberater bei N.U. Agrar, weist darauf hin, dass dies bei Raps sogar vorteilhaft sein kann. Abgestorbene Blätter könnten den Befall mit der Pilzkrankheit Phoma reduzieren. Allerdings besteht die Gefahr von Botrytis-Befall im Frühjahr, wenn die Witterung nass-kalt bleibt.
Unterschiede zwischen Auswinterung und Frostschäden
Auswinterung tritt auf, wenn Vegetationsknospen oder Wurzelspitzen erfrieren, weil sich Eiskristalle in den Zellen bilden. Dies führt zu einer mechanischen Zerstörung der Zellstrukturen. Wenn das Gewebe jedoch trocken ist und langsam abkühlt, kann Eis sich nur in den Zellwänden bilden, was den Zellen Wasser entzieht und sie austrocknen lässt. Unter bestimmten Bedingungen können diese Zellen überleben.
Gefahr des „Auffrierens“ von Wurzeln
Laut Neumeier erfrieren Wurzeln seltener als vermutet. Häufiger führt Eisbildung dazu, dass der Boden angehoben wird und die Wurzeln abreißen. Dieses „Auffrieren“ betrifft besonders schwach verwurzelte Bestände und wird durch häufige Temperaturschwankungen begünstigt.
Frosttrocknis: Wenn Pflanzen im Winter vertrocknen
Langanhaltender Frost entzieht selbst frostresistenten Pflanzen wie Roggen das Wasser. Da gefrorene Böden kein Wasser liefern können, aber Sonne und Wind Wasser aus den Pflanzen ziehen, vertrocknen sie schließlich im Boden – ein Prozess bekannt als Frosttrocknis.
Empfindlichkeit von Getreide im Dreiblattstadium
Getreidepflanzen im Dreiblattstadium sind besonders anfällig für Frostschäden. In dieser Entwicklungsphase gehen die Reserven aus dem Saatkorn zur Neige und die Pflanze muss über ihre Wurzeln Nährstoffe aufnehmen können. Ein gefrorener Boden verhindert dies und kann zum Absterben der Pflanze führen.
Schnee: Schutz oder Gefahr für Pflanzen?
Obwohl Schnee eine schützende Schicht gegen Frost bildet, kann er auch Schaden verursachen. Durch die geringe Lichtmenge unter der Schneedecke wachsen Pflanzen weiter und könnten ersticken wegen fehlenden Gasaustauschs.
Pilzkrankheiten unter Schneedecken
Laut Neumeier gibt es ein erhöhtes Risiko für Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel oder Typhula unter dichten Schneedecken. Früh gesäte Bestände sind besonders gefährdet, da der Schutz durch Beizen abnimmt und Infektionen schon im Dezember auftraten.
Die aktuelle Wetterlage stellt Landwirte vor erhebliche Herausforderungen. Während einige Wetterphänomene zu einer Reduzierung von Schaderregern führen können, birgt gerade wechselhaftes Winterwetter Risiken für Ackerbaukulturen.
