Biogasanlagen in Deutschland stehen aktuell vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Eine aktuelle Untersuchung der BB Göttingen GmbH hat 30 Anlagen aus verschiedenen Regionen Deutschlands unter die Lupe genommen und dabei einige besorgniserregende Trends festgestellt. Nach einer Phase relativer Stabilität sind viele Betreiber im Jahr 2023/2024 erstmals in die Verlustzone gerutscht.
Steigende Substratkosten belasten Betreiber
Für die meisten Biogasanlagen stellen die Kosten für Substrate den größten Ausgabenposten dar. Diese sind in den letzten Jahren merklich gestiegen – von etwa 8 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) vor dem Ukraine-Konflikt auf aktuell über 10 ct/kWh. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das, dass sie sich verstärkt mit Möglichkeiten zur Senkung dieser Kosten beschäftigen müssen, um ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern.
Optimierungspotenziale bei der Fahrweise
Viele Anlagenbetreiber haben bereits auf eine sogenannte „flexible Fahrweise“ umgestellt, um ihre Einnahmen zu stabilisieren. Das Konzept sieht vor, dass die Anlagen nicht mehr konstant mit Volllast betrieben werden, sondern ihre Leistung an den aktuellen Strombedarf anpassen. In Zeiten niedriger Nachfrage wird die Produktion gedrosselt, während sie bei hoher Nachfrage hochgefahren wird. Diese Flexibilisierung hat es vielen Anlagen ermöglicht, eine Auslastung nahe der Höchstbemessungsleistung zu erreichen.
Einnahmen bleiben stabil – aber Potenziale ungenutzt
Die Erlöse der Biogasanlagen schwanken insgesamt nur leicht, da der größte Teil durch die EEG-Vergütung festgelegt ist. Im Durchschnitt liegen die Einnahmen bei etwa 22,1 ct/kWh inklusive KWK-Bonus und Flexibilitätsprämie. Zusätzliche Erlöse durch flexible Fahrweise sind begrenzt und bringen im Schnitt nur 0,5 ct/kWh ein. Ein Bereich mit Potenzial für höhere Einnahmen ist der Wärmeverkauf; hier sollten Betreiber bestehende Verträge überprüfen und gegebenenfalls nachverhandeln.
Gewinnsituation bleibt angespannt
Trotz der Bemühungen um Effizienzsteigerungen bleibt das wirtschaftliche Ergebnis vieler Biogasanlagen prekär. Die durchschnittlichen Gesamtkosten belaufen sich auf 24,8 ct/kWh, während die Erlöse bei rund 26,4 ct/kWh liegen. Ohne Sondereffekte aus dem Jahr 2023 – bedingt durch hohe Strompreise infolge der Energiekrise – weisen viele Anlagen sogar ein negatives Betriebsergebnis aus.
Möglichkeiten zur Kostensenkung
Die Analyse zeigt deutlich: Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Betreiber ihre Kostenstruktur genau prüfen und Optimierungspotenziale konsequent nutzen. Dies kann durch gezielte Investitionen in kosteneffiziente Technologien geschehen oder durch das Aushandeln besserer Konditionen bei Substratlieferranten.
In diesem Zusammenhang könnte das Biomassepaket 2025 eine Chance bieten: Es sieht eine Erhöhung des Ausschreibungsvolumens sowie einen Anstieg des Flexibilitätszuschlags vor. Dennoch sollten Landwirte vorsichtig abwägen, ob Neuinvestitionen angesichts der unsicheren Marktlage tatsächlich sinnvoll sind.
