Die Landwirte in Deutschland haben in diesem Jahr eine erfreuliche Ernte eingebracht. Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) fiel die Bilanz trotz schwieriger Wetterlagen insgesamt positiv aus. Allerdings sorgt das weltweit hohe Aufkommen für sinkende Preise auf den Märkten.
Am 3. September stellte Bundesagrarminister Alois Rainer den aktuellen Bericht vor. Demnach liegt die diesjährige Getreideernte deutlich über dem Vorjahr und sogar leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Auch die Qualität wird als stabil bewertet, wenngleich es regionale Unterschiede durch die Witterung gibt. Die Vorräte sind gut gefüllt, sodass die Versorgungssicherheit nach Einschätzung des Ministeriums gewährleistet bleibt.
Für Getreide ohne Körnermais erwartet das BMLEH eine Erntemenge von rund 40,2 Millionen Tonnen. Damit übertrifft die Ernte das Niveau des Vorjahres spürbar. Die reichliche Verfügbarkeit drückt jedoch die Preise, da auch in anderen Teilen Europas und weltweit sehr gute Erträge erzielt wurden.
Die Folgen zeigen sich bereits auf dem Markt. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) erhielten Landwirte in der 33. Kalenderwoche 171,8 Euro je Tonne Brotweizen. Ein Jahr zuvor waren es noch 191,4 Euro. Damit sanken die Erlöse innerhalb von zwölf Monaten um rund zehn Prozent. Auch international setzt sich der Trend fort: Der FAO-Getreidepreisindex erreichte im Juli den niedrigsten Stand seit fünf Jahren.
Beim Winterweizen, der wichtigsten Getreideart in Deutschland, rechnet das Ministerium mit einer Erntemenge von etwa 22,5 Millionen Tonnen. Das bedeutet einen deutlichen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Auch bei Raps und Soja werden überdurchschnittliche Ergebnisse gemeldet. Besonders beim Sojaanbau hebt Rainer die Fortschritte hervor, wobei Bayern als führendes Anbaugebiet gilt. Verlässliche Zahlen zu den Erträgen stehen hier jedoch noch aus.
Neben den aktuellen Marktdaten kündigte der Minister an, die staatliche Notfallreserve auszubauen. Künftig sollen zusätzlich zu Getreide, Reis und Hülsenfrüchten weitere Produkte aufgenommen werden, die ohne aufwendige Zubereitung verzehrt werden können. Damit möchte die Regierung die Versorgung im Ernst- oder Krisenfall besser absichern. Für den Ausbau der Reserve sind Mittel in Höhe von 80 bis 90 Millionen Euro vorgesehen.
Rainer betonte, dass die Preisbildung auf den Märkten erfolgt und staatliche Eingriffe nicht möglich sind. Gleichwohl will er die Landwirtschaft so weit wie möglich unterstützen, um die Belastungen für die Betriebe abzufedern.
