Im Zuge der Energiewende öffnen immer mehr Bundesländer ihre Wälder für Windenergieprojekte. Besonders in Bayern wird der Ausbau von Windkraftanlagen intensiv vorangetrieben. Ein Fachgespräch in Herrsching beleuchtete kürzlich die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf Waldbesitzer und Flächeneigentümer.
Steigerung der Windenergieleistung bis 2030
Um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, plant die Bundesregierung, die Leistung der landgestützten Windkraftanlagen bis 2030 auf 115 Gigawatt zu erhöhen. Dies erfordert laut dem Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG), dass bundesweit durchschnittlich 2 % der Flächen für die Windenergienutzung bereitgestellt werden. Da in Ländern mit hohem Waldanteil geeignete Standorte im Offenland oft fehlen, werden immer mehr Forstflächen für den Bau von Windrädern herangezogen. Dies berichtet die Fachagentur Wind & Solar in ihrem Dossier.
Baden-Württemberg und Hessen als Vorreiter
In waldreichen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Hessen befinden sich bereits über 60 % der Anlagen auf Forstflächen. In Regionen mit einem Waldanteil zwischen 25 % und 35 % ist der Ausbau hingegen noch begrenzt, während er in waldarmen Gebieten wie Schleswig-Holstein oder den Stadtstaaten Hamburg und Bremen gar nicht stattfindet. Insgesamt wurden Ende 2024 etwa 2.533 Windräder, die eine Gesamtleistung von 7,4 Gigawatt erzeugen können, auf Forstflächen betrieben, was knapp 12 % der gesamten installierten Windleistung in Deutschland ausmacht.
Bayern setzt auf beschleunigten Ausbau
Bayern betreibt derzeit 1.157 Windenergieanlagen, die zusammen eine Nennleistung von etwa 2,7 Gigawatt erreichen. Bis 2030 sollen hier weitere 1.000 Anlagen errichtet werden. Die Bayerische Staatsregierung sieht im Staatswald Potenzial für rund 500 neue Anlagen, von denen bereits 250 Projekte gestartet sind. Um den Ausbau zu fördern, werden Genehmigungsprozesse vereinfacht und beschleunigt sowie spezielle Projekte wie das „Windkümmerer“-Projekt unterstützt.
Kritik und Chancen im Bayerischen Wald
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger traf sich Ende 2025 mit der Bürgerinitiative Gegenwind Bayerischer Wald, um über die Bedenken bezüglich neuer Windkraftanlagen zu diskutieren. Besonders in bisher unberührten Gebieten sind die Einwände groß, während andere Regionen weiter ausbauen wollen. Der Minister betont, dass neben den Sorgen auch die Chancen der Windkraftnutzung gesehen werden sollten: Eine Anlage kann Strom für rund 10.000 Bürger liefern und zur Energieautarkie beitragen.
Pachteinnahmen als Anreiz für Waldbesitzer
Pachteinnahmen aus Windkraftprojekten bieten finanzielle Vorteile für Waldbesitzer und Kommunen: Teilweise übersteigen diese die Einnahmen aus traditioneller Waldbewirtschaftung deutlich und ermöglichen Investitionen in Personal und Pflanzungen. Eine vielversprechende Möglichkeit ist das Pooling von Flächen: Mehrere Eigentümer bündeln ihre Gebiete zur optimierten Nutzung durch Windkraftanlagen, wobei Pachteinnahmen gleichmäßig verteilt werden.
C.A.R.M.E.N.-Fachgespräch: Wissenstransfer und Netzwerken
Zahlreiche private Waldbesitzer fragen sich jedoch: Welche Auswirkungen hat die Errichtung einer Windenergieanlage auf meinen Wald? Das C.A.R.M.E.N.-Fachgespräch „Windkraft im Wald“ am 4. Februar 2026 soll Antworten liefern. Themen sind unter anderem naturverträgliche Gestaltung von Standorten sowie Integration ins Stromnetz.
Anwesend sind Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft sowie Experten von Universitäten und Verbänden, um Chancen und Herausforderungen zu diskutieren. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten sowie Besitzer von Waldflächen, mit dem Ziel Informationen bereitzustellen und Vernetzung zu fördern.
