Die Agrarwirtschaft in Deutschland steht vor einer entscheidenden Herausforderung: das potenzielle Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Während die exportorientierte Ernährungsindustrie große Hoffnungen in das Abkommen setzt, regt sich unter den Landwirten Widerstand.
Hoffnung auf neue Märkte für die Ernährungsindustrie
Die deutsche Ernährungswirtschaft sieht im Mercosur-Deal eine Chance zur Stärkung ihrer Exporte. Dies wird besonders deutlich angesichts der aktuellen Zahlen: Erstmals überschritten die Agrarexporte die Schwelle von 100 Milliarden Euro. Laut Olivier Kölsch von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) könnte ein Scheitern des Abkommens erhebliche Risiken mit sich bringen. Die Branche sieht hierin den einzigen Lichtblick angesichts eines stagnierenden Inlandsumsatzes, der bis 2026 erwartet wird.
Befürchtungen in der Geflügelhaltung
Doch nicht alle Stimmen in der Agrarbranche sind optimistisch. Wolfgang Schleicher vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) äußerte Bedenken über die Konkurrenzfähigkeit europäischer Geflügelhalter gegenüber Brasilien. Die geplanten Einfuhrquoten könnten den Importdruck erhöhen und die Existenz vieler Betriebe gefährden.
Kritik an ungleichen Standards
Auch Simone Fuchs vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS) warnt vor den Konsequenzen zusätzlicher Importe aus den Mercosur-Staaten. Die EU-Landwirte stehen vor Herausforderungen, da sie strenge Tierhaltungsauflagen erfüllen müssen, während ihre Mitbewerber aus dem Ausland diesen Standards oft nicht unterliegen.
Unterstützung für Exportstrategie der Bundesregierung
Trotz interner Differenzen herrscht Einigkeit über die neue Agrarexportstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Jan-Bernd Stärk von der German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) begrüßt diese Initiative als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Angesichts eines wachsenden Handelsbilanzdefizits fordert Paul Berghuis, stellvertretender GEFA-Sprecher, Unterstützung bei der Öffnung neuer Märkte und der Beseitigung ungerechtfertigter Handelsbeschränkungen, insbesondere in Bezug auf die jüngsten Strafzölle Chinas auf Fleisch- und Molkereiprodukte.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich das Mercosur-Abkommen entwickeln wird und welche Lösungen gefunden werden können, um sowohl Exportchancen zu nutzen als auch heimische Landwirte zu schützen.
