Der Beginn der Laktation stellt einen entscheidenden Abschnitt im Leben einer Milchkuh dar, der sorgfältige Aufmerksamkeit erfordert. Für landwirtschaftliche Betriebe ist es essenziell, die Gesundheit der Kühe zu diesem Zeitpunkt durch spezifische Maßnahmen zu sichern. Ein stabiler Stoffwechsel während der Trockenstehzeit, erreicht durch gezielte Fütterung, bildet laut Dr. Annette Harbers, Tierärztin aus Xanten, die Basis für eine erfolgreiche Laktationsphase.
Intensive Überwachung in der ersten Woche
In den ersten Tagen nach der Geburt sind regelmäßige Gesundheitskontrollen entscheidend. Dr. Harbers empfiehlt, unmittelbar nach dem Kalben auf das Trinkverhalten der Kühe zu achten. Ein sofortiger Zugang zu einem Kalbedrink oder lauwarmem Wasser hilft nicht nur beim Füllen des Pansens, sondern fördert auch den Appetit und erleichtert den Abgang der Nachgeburt. Wenn eine Kuh innerhalb der ersten Stunde nach dem Kalben keine Flüssigkeit aufnimmt, sollte dies als Warnsignal verstanden werden.
Maßnahmen gegen Milchfieber
Um das Risiko von Milchfieber zu mindern, setzt Landwirt Lars Tremöhlen aus Kamp-Lintfort auf Vitamin D3-Zusätze ab der dritten Laktation. Ältere Tiere erhalten zudem Calcium-Boli oder bei Bedarf Calcium intravenös oder subkutan. Diese präventiven Maßnahmen haben sich auf seinem Betrieb bewährt und tragen zur Stabilität der frischlaktierenden Kühe bei.
Nachgeburt und Temperaturüberwachung
Spätestens zwölf Stunden nach der Geburt sollte die Nachgeburt abgegangen sein. Während leichte Blutungen normal sind, könnten unangenehm riechender Ausfluss oder eitrige Flocken auf eine Infektion hinweisen. In solchen Fällen kann eine systemische Antibiotikabehandlung in Absprache mit einem Hoftierarzt sinnvoll sein.
Laut Dr. Harbers ist die tägliche Überprüfung der Körpertemperatur in dieser Phase ein unverzichtbares Instrument zur Gesundheitskontrolle. Temperaturen außerhalb des Normbereichs von 38 bis 39 °C können ein Anzeichen für Erkrankungen sein.
Energiebalance und Ketoseprävention
Die Sicherstellung einer möglichst geringen negativen Energiebilanz ist für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Milchvieh entscheidend. Sensoren zur Messung des Wiederkauens bieten hier wertvolle Echtzeitinformationen über das Fressverhalten der Tiere. Frischlaktierende Kühe sollten direkt nach dem Kalben ihre Futterration angeglichen bekommen, um den Energiebedarf zu decken.
Im Kampf gegen Ketose empfiehlt Harbers die Gabe von 250 ml Propylenglykol pro Tag und Tier als zusätzlichen Energieschub. Sollte eine Kuh dennoch Symptome zeigen oder Tests erhöhte Werte signalisieren, sind weitere Maßnahmen wie eine Glucose-Infusion angeraten.
Optimierung des Haltungsmanagements
Zudem spielt die Stallhaltung eine bedeutende Rolle: Ein separater Strohstall mit ausreichendem Platzangebot für jede Kuh und guter Einstreu kann Infektionen vorbeugen und das Wohlbefinden fördern. Tremöhlen plant den Ausbau eines weiteren Strohbereichs, um auch bei erhöhtem Aufkommen von Geburten ausreichend Raum bieten zu können.
Betriebe sollten darauf achten, Frischmelker von kranken Tieren fernzuhalten, um Infektionsrisiken zu minimieren. Protokolle und klare Anweisungen für Mitarbeiter unterstützen dabei, die Gesundheit der Herde effizient zu überwachen und aufrechtzuerhalten.
