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Beef on Dairy boomt: Neue Zuchtwerte steigern Kälbererlöse

Die gezielte Kreuzung von Milch- und Fleischrindern gewinnt in Deutschland rasant an Bedeutung. Das sogenannte Beef on Dairy (BoD)-Konzept entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein moderner Rinderzucht, da es sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch das Tierwohl auf Milchviehbetrieben verbessert.

Im Fokus steht dabei ein klarer Ansatz: Milchkühe – meist Holstein – werden gezielt mit Fleischrassenbullen angepaart, um Kälber mit besseren Mast- und Vermarktungseigenschaften zu erzeugen. Entscheidend für den Erfolg sind dabei passende Zuchtwerte und Indizes, die beide Seiten – Milch- und Fleischleistung – berücksichtigen.

Neue Zuchtwerte bringen Struktur in die BoD-Strategie

Mit der wachsenden Bedeutung von Beef on Dairy Deutschland steigt auch der Bedarf an geeigneten Bewertungsinstrumenten. Neben internationalen Ansätzen wie dem Nordic Beef on Dairy Index (NBDI) gewinnen nationale Lösungen an Gewicht.

Die Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung (vit) haben spezielle BoD-Zuchtwerte entwickelt, die gezielt auf die Anforderungen deutscher Betriebe zugeschnitten sind. Diese helfen laut Fachleuten dabei, sowohl den Geburtsverlauf als auch die Erlöse aus der Kälbervermarktung zu optimieren.

Der NBDI, ursprünglich aus Skandinavien, wird ebenfalls in Deutschland genutzt. Er umfasst eine breite Datenbasis von über 700 Fleischrinderbullen und bewertet deren Eignung für den Einsatz in Milchviehherden.

Zwei zentrale Faktoren entscheiden über den Zuchterfolg

Die neuen Bewertungsansätze basieren im Kern auf zwei entscheidenden Komponenten. Zum einen spielt der Kalbeverlauf eine zentrale Rolle. Leichte Geburten und eine kurze Trächtigkeitsdauer sind insbesondere bei Färsen entscheidend, um Tiergesundheit und Fruchtbarkeit zu sichern.

Zum anderen steht der Fleischwert im Fokus. Hier werden Merkmale wie Schlachtgewicht, Bemuskelung und Fettabdeckung bewertet, die für die Mastbetriebe und den späteren Erlös ausschlaggebend sind.

Die Herausforderung besteht darin, beide Bereiche optimal auszubalancieren. Genau hier setzen moderne Indizes an, indem sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Bullenwahl liefern.

Rassenwahl beeinflusst Wirtschaftlichkeit deutlich

In der praktischen Umsetzung zeigen sich klare Unterschiede zwischen den eingesetzten Fleischrassen. Untersuchungen unter anderem von Zuchtorganisationen und Leistungsprüfern belegen, dass bestimmte Rassen besonders gut für den BoD-Einsatz geeignet sind.

Angus-Bullen werden häufig bei Färsen eingesetzt, da sie für ihre Leichtkalbigkeit bekannt sind. Weiß-Blaue Belgier liefern hingegen eine sehr hohe Bemuskelung und erzielen damit attraktive Preise am Markt, erfordern jedoch eine sorgfältige Selektion.

Auch Kreuzungen mit Fleckvieh zeigen positive Effekte, etwa bei der Reduzierung von Totgeburten. Ergänzend kommen Rassen wie Charolais zum Einsatz, die ebenfalls gute Mastleistungen liefern.

Höhere Erlöse und bessere Tiergesundheit

Die wirtschaftlichen Vorteile von Beef on Dairy Deutschland sind deutlich erkennbar. Kreuzungskälber erzielen in der Regel höhere Preise als reinrassige Holstein-Kälber, da sie bessere Mast- und Schlachteigenschaften aufweisen.

Gleichzeitig profitieren die Milchviehbetriebe von einer verbesserten Arbeitswirtschaft. Durch den gezielten Einsatz von gesextem Sperma bei den besten Kühen und Fleischrassen bei den übrigen Tieren lässt sich die Nachzucht effizient steuern.

Auch aus Sicht des Tierwohls ergeben sich Vorteile: Leichtere Kalbungen reduzieren Belastungen für die Kühe und können sich positiv auf die Nutzungsdauer auswirken.

Balance zwischen Milch und Fleisch bleibt entscheidend

Trotz aller Vorteile bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Landwirte müssen den Spagat zwischen hoher Milchleistung der Kühe und guter Mastleistung der Kälber meistern. Genau hier liegt die Bedeutung moderner Zuchtwerte und Indizes.

Sie ermöglichen es, fundierte Entscheidungen zu treffen und sowohl genetischen Fortschritt als auch wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Mit der zunehmenden Professionalisierung dürfte Beef on Dairy in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen.