Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die EU-Kommission aufgefordert, die Tierhaltungsstandards in der Putenhaltung zu verbessern. Laut einem aktuellen Bericht aus Parma gibt es erhebliche Mängel, die dringend angegangen werden müssen. Dazu gehören unter anderem Bewegungseinschränkungen, Bewegungsstörungen sowie Weichteilverletzungen und Hautschäden bei den Tieren.
Probleme in der Putenhaltung
Die EFSA betont, dass Mastputen aufgrund ihrer derzeitigen Haltungsbedingungen oft nicht in der Lage sind, ihr natürliches Erkundungs- oder Futtersuchverhalten auszuleben. Zudem sind sie häufig Hitze- oder Kältestress ausgesetzt und haben begrenzte Möglichkeiten zum Nestbau. Auch Überbelegung, Verstümmelungen der Tiere, feuchte Einstreu und unzureichende Umweltanreicherung tragen zur Beeinträchtigung des Wohlbefindens bei.
Spezielle Modelle der EFSA verdeutlichen den Platzbedarf: Für Puten mit einem Gewicht von 7 kg werden mindestens 0,49 m², für solche mit 25 kg 0,82 m² benötigt. Diese Flächen sind notwendig, um den Tieren artgerechte Verhaltensweisen zu ermöglichen. Dies stellt eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den derzeit auf vielen Höfen verfügbaren Platzverhältnissen dar.
Anforderungen an die Betriebe
Die EFSA fordert konkrete Maßnahmen von Fleischproduzenten, Zuchtbetrieben und Schlachthöfen. Ein wichtiger Punkt ist die Bereitstellung von mehr Platz und anregenden Umgebungen für die Tiere, einschließlich erhöhter Plattformen. Zudem sollen frisch geschlüpfte Küken nicht länger als 48 Stunden ohne Futter und Wasser bleiben müssen.
- Vermeidung von Herdenausdünnungen
- Bereitstellung eines Nests pro vier Hennen in Zuchtherden
- Mindestlichtintensität von 10 Lux
- Trockene und bröckelige Einstreu
- Niedriger Ammoniakgehalt unter 10 ppm
- Kohlendioxidgehalt unter 2000 ppm
- Verbesserung der Beingesundheit bei Truthähnen
- Harmonisierung der Überwachungsmethoden für das Wohlergehen der Tiere
Zurückhaltende Reaktion der Kommission
Obwohl die Empfehlungen der EFSA Teil eines umfassenderen Gesetzespakets werden könnten, bleibt die Europäische Kommission hinsichtlich konkreter Schritte zurückhaltend. Bereits seit einiger Zeit wird über neue Vorschläge zur Verbesserung des Tierwohls diskutiert, darunter auch ein mögliches Ende der Käfighaltung.
Noch im vergangenen Sommer war angekündigt worden, dass bis Ende 2026 konkrete Vorschläge präsentiert werden sollten. Doch im aktuellen Arbeitsprogramm der Brüsseler Behörde wurde das Thema nicht weiter angesprochen. Auch EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi äußerte sich beim letzten Agrarrat wenig konkret und nannte keinen Zeitpunkt für die Vorlage neuer Vorschläge.
