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Schweinepreise stürzen ab: Existenzbedrohung für BW-Landwirte

Die Schweinehaltung in Baden-Württemberg steht vor enormen Herausforderungen, da die Preise für Schlachtschweine Anfang des Jahres drastisch gesunken sind. Mit einem aktuellen Preis von nur 1,45 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht können die Landwirte ihre Kosten nicht mehr decken.

Schweinehalter unter Druck

Hans-Benno Wichert, Vizepräsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg und selbst Schweinehalter, äußert starke Kritik an den nordwestdeutschen Schlachtunternehmen. Seiner Meinung nach sei die Preissenkung um 15 Cent direkt zu Jahresbeginn ein schwerer Schlag für die Landwirte. Diese Preisrücknahmen würden bewusst in Kauf nehmen, dass viele Tierhalter ihre Betriebe aufgeben müssen, was langfristig die heimische Nutztierhaltung zerstöre.

Besonders hart trifft es auch die Ferkelerzeuger im Land. Sie müssen nun einen Preisrückgang von 5,50 Euro pro Ferkel verkraften. Laut Wichert sei dies ein enormer Einschnitt für eine ohnehin schon angespannte Situation.

Mangelnde Planungssicherheit erschwert Investitionen

Ein weiteres Problem, das Wichert anspricht, ist die fehlende Verlässlichkeit in der Branche. Obwohl die Betriebe konstant hohe Qualität liefern und geforderte Haltungsformen einhalten, fehlt es an planbarer Entlohnung. Diese Preisschwankungen und mangelnde politische Planungssicherheit machen Investitionen in mehr Tierwohl nahezu unmöglich. Besonders betroffen sind dabei die Ferkelerzeuger, deren finanzielle Verluste zunehmend existenzbedrohlich werden.

Strukturwandel und seine Folgen

Der Strukturwandel schreitet mit rasanter Geschwindigkeit voran: Im Vergleich zu 2010 gibt es heute über 60 % weniger schweinehaltende Betriebe in Baden-Württemberg. Die Zahl der Zuchtsauenbetriebe ist ebenfalls stark gesunken und liegt erstmals unter 100.000 Tieren. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch im Bundesland ist auf nur noch 54 % gesunken.

Laut Wichert bedeutet das nicht nur den Verlust regionaler Produkte für Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern auch eine Einschränkung der Transparenz und der Möglichkeit, bewusst heimische Lebensmittel zu wählen.

Appell an die Verantwortlichen

Der Landesbauernverband fordert sowohl Schlachtunternehmen als auch den Lebensmitteleinzelhandel auf, ihrer Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette gerecht zu werden. Die gegenwärtige Praxis der Preisdrückerei gefährde nicht nur bäuerliche Familienbetriebe, sondern stelle auch langfristig die Versorgungssicherheit im Land infrage.

Um diesen negativen Trend zu stoppen und eine nachhaltige Zukunft für die Schweinehaltung in Baden-Württemberg sicherzustellen, sind grundlegende Veränderungen erforderlich. Dies könnte durch eine faire Preisgestaltung und durch politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte erreicht werden.