Die Entscheidung von Aldi Süd, ab Januar 2026 Frischfleisch der Haltungsform 1 (HF-1) aus seinem Eigenmarkensortiment zu entfernen, stellt Landwirte vor große Herausforderungen. Diese Ankündigung erfolgt in einem Umfeld, in dem der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zunehmend die Agrarpolitik beeinflusst, während staatliche Förderprogramme ins Stocken geraten.
Strategiewechsel im Lebensmitteleinzelhandel
Für viele landwirtschaftliche Betriebe bedeutet die Entscheidung von Aldi Süd eine signifikante Veränderung der Absatzmöglichkeiten. Der Discounter plant, seine Fleischangebote auf Haltungsform 2 und höher umzustellen und hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 nur noch Fleisch aus Haltungsform 3 oder höher anzubieten. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf die Marktstrukturen haben, insbesondere da derzeit fast die Hälfte der Mastschweine in Deutschland in HF-1 gehalten wird.
Die Ankündigung erfolgt zeitgleich mit dem Ende des Bundesförderprogramms zum Umbau der Tierhaltung. Diese politische Entscheidung hat bei vielen Landwirten für Unmut gesorgt, da sie sich dadurch alleingelassen fühlen und nun vermehrt auf den LEH als möglichen Unterstützer blicken müssen.
Marktrealität vs. Verbraucherwunsch
Obwohl Aldi Süd mit einer Vorreiterrolle im Tierwohlsortiment wirbt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen ein differenziertes Bild. Der LEH nutzt monetäre Umsätze als Indikatoren für den Erfolg ihrer Initiativen, ohne konkrete Verkaufszahlen zu nennen. Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen weist darauf hin, dass diese Angaben oft nicht den tatsächlichen Marktbedingungen entsprechen.
Laut einer Analyse von Edeka Minden-Hannover kauften Kunden im letzten Jahr zu 97% Schweinefleisch aus HF-1 und 2. Dies verdeutlicht, dass der Preis weiterhin ein entscheidender Faktor für Verbraucher ist, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Gefahren der Quersubventionierung
Um den Verkauf tierwohlgerechter Produkte zu fördern, nutzen Handelsketten Quersubventionierungen durch Gewinne aus HF-1 und HF-2 Produkten. Dies kann kurzfristig helfen, Verbraucher zu sensibilisieren und Erzeugern Umstellungsanreize bieten. Langfristig birgt es jedoch das Risiko von Marktverzerrungen, wenn keine klaren Exit-Strategien vorhanden sind.
Daher sollten Landwirte bei Investitionen vorsichtig agieren und nicht allein auf mediale Versprechen setzen. Eine transparente Kommunikation über die Kosten der Tierwohlproduktion ist ebenfalls notwendig, um das Vertrauen der Verbraucher nicht zu verlieren.
