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Sonnenblumenöl-Exporte könnten auf Elfjahrestief sinken

Der weltweite Handel mit Sonnenblumenöl dürfte in den ersten vier Monaten der Saison 2026/27 deutlich schwächer ausfallen als zunächst erwartet. Nach einer aktuellen Prognose von Oil World werden zwischen September und Dezember 2026 lediglich 3,96 Millionen Tonnen Sonnenblumenöl exportiert. Das wären rund 500.000 Tonnen weniger als im Vorjahreszeitraum und der niedrigste Wert seit elf Jahren.

Angesichts der ungewöhnlich hohen Sonnenblumenernte wäre ursprünglich ein Exportvolumen von etwa 5,1 Millionen Tonnen möglich gewesen. Die neue Schätzung liegt damit rund 1,1 Millionen Tonnen unter diesem Potenzial. Hauptursache sind laut Oil World die anhaltenden Störungen der Transportwege über das Schwarze Meer, die mindestens bis Dezember andauern könnten.

Ukraine und Russland exportieren 800.000 Tonnen weniger

Besonders stark betroffen sind die beiden wichtigsten Lieferländer. Für Russland erwarten die Marktanalysten von September bis Dezember Ausfuhren von 1,05 Millionen Tonnen Sonnenblumenöl. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es noch 1,48 Millionen Tonnen.

Auch die ukrainischen Lieferungen dürften erheblich zurückgehen. Oil World rechnet mit einem Exportvolumen von 950.000 Tonnen gegenüber 1,37 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Zusammen würden Russland und die Ukraine damit nur noch rund 2 Millionen Tonnen Sonnenblumenöl auf den Weltmarkt bringen. Das entspricht einem Rückgang um etwa 800.000 Tonnen und wäre das geringste gemeinsame Exportvolumen der beiden Länder in den vergangenen elf Jahren.

Die eingeschränkte Schwarzmeerlogistik verhindert somit, dass die größeren Sonnenblumenernten vollständig in steigende Ölexporte umgesetzt werden können.

Argentinien und EU-Länder erhöhen Sonnenblumenölproduktion

Andere Erzeugerländer versuchen, die geringeren Lieferungen aus dem Schwarzmeerraum auszugleichen. Vor allem Argentinien, Bulgarien, Rumänien und die Türkei bauen ihre Verarbeitungskapazitäten beziehungsweise die tatsächlichen Verarbeitungsmengen aus.

Argentinien könnte zwischen September und Dezember 600.000 bis 620.000 Tonnen Sonnenblumenöl exportieren und damit einen neuen Rekord für diesen Zeitraum erreichen. Auch Bulgarien steigert seine Ausfuhren deutlich. In Rumänien nimmt die Verarbeitung von Sonnenblumenkernen ebenfalls zu.

Die Türkei setzt dagegen verstärkt auf die heimische Verarbeitung. Dadurch dürfte das Land weniger Sonnenblumenöl importieren müssen.

Trotz dieser Entwicklungen können die zusätzlichen Mengen den Rückgang der russischen und ukrainischen Lieferungen nach Einschätzung von Oil World nur teilweise ersetzen.

Indien und China könnten mehr Palmöl nachfragen

Das geringere Angebot an Sonnenblumenöl dürfte die Nachfrage nach anderen Pflanzenölen erhöhen. Besonders Palmöl könnte davon profitieren.

Oil World erwartet, dass große Importländer wie Indien und China ihre Einkäufe stärker auf alternative Pflanzenöle verlagern. Auch andere Abnehmerländer könnten ihre Beschaffungsstrategie anpassen, wenn Sonnenblumenöl nicht in den benötigten Mengen verfügbar ist.

Für den internationalen Pflanzenölmarkt bedeutet dies eine Verschiebung der Handelsströme. Während Argentinien und europäische Verarbeiter zusätzliche Absatzmöglichkeiten erhalten, bleibt die weitere Entwicklung der Sonnenblumenölexporte vor allem von der Transportlage im Schwarzmeerraum abhängig.

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