Nach der Getreideernte stellt sich auf vielen Ackerbaubetrieben die Frage, wie die Stoppeln bearbeitet werden sollen, ohne wertvolle Bodenfeuchtigkeit zu verlieren. Strohstriegel, Messerwalzen und ultraflache Grubber bewegen deutlich weniger Boden als herkömmliche Bearbeitungsgeräte. Doch bei ausgeprägter Trockenheit kann es sinnvoller sein, den Acker zunächst unbearbeitet zu lassen. Welche Technik geeignet ist, hängt von der Bodenfeuchte, den Ernterückständen und der geplanten Folgekultur ab.
Warum die Stoppelbearbeitung Bodenfeuchtigkeit kostet
Der erste Arbeitsgang nach der Getreideernte soll mehrere Aufgaben erfüllen. Ausfallgetreide und Unkrautsamen sollen zum Keimen angeregt, Ernterückstände verteilt und die Strohrotte eingeleitet werden. Gleichzeitig gilt es, die Feuchtigkeit im Boden möglichst zu erhalten.
Durch die Bodenbearbeitung wird die obere Bodenschicht gelockert und das Kapillarsystem unterbrochen. Dadurch kann der Wasseraufstieg aus tieferen Bodenschichten zur Oberfläche verringert werden. Dieser Effekt wird bei der ultraflachen Bodenbearbeitung gezielt genutzt.
Allerdings hat das Verfahren auch eine Kehrseite: Wird der Boden zu intensiv bewegt, gelangt feuchtes Material an die Oberfläche und trocknet unter Sonneneinstrahlung und Wind aus. Gleichzeitig kann ein großer Teil der schützenden Strohauflage eingearbeitet werden.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt deshalb, den Boden beim ersten Bearbeitungsgang nur wenige Zentimeter tief, aber möglichst gleichmäßig zu bearbeiten. Die Ernterückstände sollen überwiegend an der Oberfläche verbleiben und dort die Verdunstung sowie die Bodenerosion begrenzen.
Wann sollte die Stoppelbearbeitung erfolgen?
Die häufig empfohlene sofortige Stoppelbearbeitung nach der Ernte ist bei Trockenheit nicht immer die beste Vorgehensweise.
Bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit und moderaten Temperaturen kann eine frühe, flache Bearbeitung sinnvoll sein. Sie verbessert den Bodenkontakt der Ausfallsamen und schafft Bedingungen für deren Keimung.
Anders sieht es bei anhaltender Hitze und ausgetrockneten Oberböden aus. Die Landberatung Schaumburg weist darauf hin, dass die Bodenbearbeitung unter solchen Bedingungen zusätzliche Wasserverluste verursachen kann. Auf unbearbeiteten Flächen mit gehäckselter Strohauflage blieb in vergangenen Trockenperioden teilweise mehr Feuchtigkeit erhalten.
Auch die baden-württembergische Pflanzenschutzberatung empfiehlt bei trockenen Verhältnissen eine möglichst wassersparende, oberflächennahe Bearbeitung. Tiefe Eingriffe, bei denen trockene, harte Kluten an die Oberfläche gelangen, sollten vermieden werden.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Vorgehensweisen:
- Ausreichende Bodenfeuchte: Eine flache Bearbeitung kann die Keimung von Ausfallgetreide fördern. Je nach Verfahren kommen Arbeitstiefen von etwa 3 bis 8 cm infrage.
- Trockener Oberboden, darunter noch Feuchtigkeit: Ultraflache Geräte können die obere Bodenschicht bearbeiten, ohne größere Mengen feuchter Erde nach oben zu holen.
- Extreme Trockenheit und Hitze: Die unbearbeitete Stoppel mit Strohauflage kann zunächst günstiger sein. Eine Bearbeitung nach Niederschlägen ist dann häufig zweckmäßiger.
Der Zeitpunkt hängt auch davon ab, wann die nächste Kultur gesät werden soll. Bei unmittelbar bevorstehender Raps- oder Zwischenfruchtaussaat bleibt oft weniger Spielraum als vor einer erst im Frühjahr folgenden Kultur.
Strohstriegel: Wenig Bodeneingriff bei hoher Flächenleistung
Der Strohstriegel gehört zu den Geräten mit besonders geringer Bodenbewegung. Seine Federzinken verteilen Stroh und Spreu, kämmen Ernterückstände auseinander und bearbeiten die Bodenoberfläche leicht.
Die Zinken greifen abhängig von Einstellung und Bodenverhältnissen nur geringfügig in den Boden ein. Eine vollständige Lockerung oder ganzflächige Durchtrennung des Bodens findet dabei normalerweise nicht statt.
Der Vorteil liegt in der geringen Bearbeitungsintensität. Die Strohauflage bleibt weitgehend erhalten und schützt den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig können ausgefallene Getreidekörner und Unkrautsamen besseren Kontakt zur Bodenoberfläche erhalten.
Auf Flächen mit ungleichmäßiger Strohverteilung lässt sich das Material zusätzlich verteilen. Voraussetzung ist, dass der Mähdrescher bereits bei der Ernte eine möglichst gleichmäßige Verteilung von Häckselstroh und Spreu erreicht hat.
Grenzen bestehen bei der mechanischen Unkrautbekämpfung. Da der Striegel den Boden nicht vollständig durchschneidet, kann er aufgelaufene Pflanzen nicht so zuverlässig beseitigen wie ein entsprechend ausgerüsteter Flachgrubber.
Messerwalze: Stoppeln zerkleinern, Boden schonen
Messerwalzen bearbeiten vor allem die Pflanzenreste auf der Bodenoberfläche. Die Messer schneiden, quetschen oder knicken Stoppeln und andere Ernterückstände, während der Boden selbst weitgehend ungestört bleibt.
Das Verfahren eignet sich besonders für die Zerkleinerung längerer oder widerstandsfähiger Pflanzenreste. Auch Rapsstoppeln lassen sich damit bearbeiten, ohne die ausgefallenen Körner sofort in tiefere Bodenschichten einzuarbeiten.
Für den Wasserschutz ist der geringe Bodeneingriff günstig. Die Ernterückstände bleiben überwiegend an der Oberfläche und können weiterhin als Mulchauflage wirken.
Eine Messerwalze ersetzt allerdings keine ganzflächig schneidende Bodenbearbeitung. Bereits etablierte Unkräuter und Ausfallgetreide werden nicht zuverlässig beseitigt. Auch die Förderung der Strohrotte durch Einmischung in den Boden ist begrenzt.
In der Praxis können Messerwalzen mit Striegeln kombiniert werden, um Pflanzenreste zu zerkleinern und anschließend gleichmäßiger zu verteilen.
Ultraflache Grubber bearbeiten nur wenige Zentimeter
Spezielle Flachgrubber und Großfederzinkeneggen ermöglichen eine sehr oberflächennahe Bodenbearbeitung. Mit geeigneten Scharen sind Arbeitstiefen von etwa 2 bis 5 cm möglich.
Im Unterschied zum Strohstriegel können Flachgrubber den Boden über die gesamte Arbeitsbreite schneiden. Dafür kommen beispielsweise Gänsefuß- oder Flügelschare infrage.
Bei richtiger Einstellung entsteht eine dünne, gelockerte Bodenschicht. Darunter bleibt das Bodengefüge weitgehend erhalten. Die flache Lockerung soll den kapillaren Wasseraufstieg begrenzen, während möglichst viele Ernterückstände an der Oberfläche verbleiben.
Die geringe Arbeitstiefe reduziert zudem den Zugkraftbedarf gegenüber einer tieferen Bearbeitung. Allerdings muss das Gerät auch bei wechselnden Bodenverhältnissen gleichmäßig flach arbeiten.
Besonders auf sehr harten, ausgetrockneten Böden ist das nicht selbstverständlich. Schare können ungleichmäßig eindringen oder den Boden stellenweise tiefer aufbrechen als vorgesehen.
Die tatsächliche Arbeitstiefe sollte deshalb regelmäßig kontrolliert werden. Die Einstellung am Gerät allein reicht nicht aus, um das Bearbeitungsergebnis zu beurteilen.
Kurzscheibenegge und Grubber: Mehr Bodenbewegung
Kurzscheibeneggen gehören auf vielen Betrieben zur Standardtechnik für den ersten Stoppelsturz. Sie schneiden Ernterückstände und mischen diese mit der oberen Bodenschicht.
Bei entsprechender Einstellung können sie ebenfalls flach arbeiten. Konventionelle Kurzscheibeneggen erreichen jedoch nicht immer die gleichmäßige ultraflache Bearbeitung spezieller Flachgeräte.
Insbesondere bei größeren Arbeitstiefen wird mehr Boden bewegt und ein größerer Anteil der Strohauflage eingearbeitet. Das kann die Strohrotte fördern, aber auch den Verdunstungsschutz verringern.
Ähnliches gilt für herkömmliche Grubber. Sie sind sinnvoll, wenn Ernterückstände stärker eingemischt, Unkräuter ganzflächig abgeschnitten oder Verdichtungen gezielt bearbeitet werden sollen.
Bei ausgeprägter Sommertrockenheit ist eine intensive Bearbeitung jedoch mit dem Risiko verbunden, zusätzliche Feuchtigkeit zu verlieren. Eine tiefere Lockerung sollte deshalb nicht allein aus Gewohnheit erfolgen, sondern einen konkreten pflanzenbaulichen Zweck erfüllen.
Welche Technik eignet sich bei Trockenheit?
| Gerät | Bodeneingriff | Eignung bei Trockenheit |
|---|---|---|
| Strohstriegel | Sehr gering, oberflächliches Kratzen | Gut zur Strohverteilung und für geringen Bodeneingriff |
| Messerwalze | Kaum Bodenbewegung | Gut zur Zerkleinerung von Stoppeln bei erhaltener Mulchauflage |
| Ultraflacher Grubber | Etwa 2–5 cm | Geeignet für flache, möglichst ganzflächige Bearbeitung |
| Kurzscheibenegge | Flach bis mittel, geräteabhängig | Geeignet bei notwendiger Stroheinmischung, mit zunehmender Tiefe höhere Wasserverluste möglich |
| Herkömmlicher Grubber | Flach bis tief, je nach Scharen | Für intensivere Bearbeitungsziele, bei Trockenheit zurückhaltend einsetzen |
| Keine Bearbeitung | Kein Bodeneingriff | Bei extremer Trockenheit und vorhandener Strohauflage häufig eine sinnvolle Alternative |
Die angegebenen Arbeitstiefen sind typische Einsatzbereiche und keine festen technischen Grenzen. Die Wirkung hängt von Gerät, Einstellung, Bodenart und Feuchtigkeit ab.
Flachere Bearbeitung kann Diesel sparen
Neben dem Wasserhaushalt beeinflusst die Bearbeitungstiefe auch den Kraftstoffverbrauch.
Bei einer Arbeitstiefe von 3 cm wird deutlich weniger Boden bewegt als bei 10 oder 15 cm. Dadurch sinkt grundsätzlich der Leistungsbedarf für die Bodenlockerung. Wie groß die tatsächliche Dieseleinsparung ausfällt, hängt von Bodenwiderstand, Fahrgeschwindigkeit, Maschinengewicht und Arbeitsbreite ab.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt für ultraflache Bodenbearbeitungsverfahren Kraftstoffverbräuche von etwa 3 bis 4 Litern je Hektar. Diese Werte stammen aus dem Zusammenhang einer Maschinenvorführung und sind nicht auf jedes Gerät oder jeden Standort übertragbar.
Breite Strohstriegel und andere oberflächennah arbeitende Maschinen können zusätzlich hohe Flächenleistungen erreichen. Wird dadurch ein intensiverer Arbeitsgang ersetzt, lassen sich Arbeitszeit und Maschinenkosten reduzieren.
Ein wirtschaftlicher Vergleich muss allerdings sämtliche erforderlichen Überfahrten berücksichtigen. Ein zunächst eingesparter Bearbeitungsgang bringt wenig, wenn später mehrere zusätzliche Arbeitsgänge notwendig werden.
Stoppelbearbeitung und Ackerfuchsschwanz: Nicht jede Bearbeitung ist sinnvoll
Bei der Entscheidung über den ersten Stoppelsturz spielt auch der Besatz mit Problemgräsern eine wichtige Rolle.
Insbesondere Ackerfuchsschwanz und Weidelgras erfordern ein angepasstes Nacherntemanagement. Frisch ausgefallene Samen sollen möglichst an der Oberfläche verbleiben und dort keimen, bevor die jungen Pflanzen beseitigt werden.
Werden diese Samen durch eine frühe Bodenbearbeitung tiefer eingemischt, kann ihre Keimung verzögert werden. Dadurch bleibt ein Teil des Samenpotenzials für spätere Jahre erhalten.
Die Landberatung Schaumburg empfiehlt deshalb bei starkem Ackerfuchsschwanz- oder Weidelgrasbesatz, zunächst auf eine bodenbewegende Bearbeitung zu verzichten. Ein Strohstriegel kann dagegen sinnvoll sein, um Samen aus Stroh und Spreu an die Bodenoberfläche zu bringen.
Erst nach dem Auflaufen erfolgt die weitere Regulierung. Dabei müssen die vorhandene Bodenfeuchtigkeit und der Aussaattermin der Folgekultur berücksichtigt werden.
Bei Rapsstoppeln ist ebenfalls Vorsicht geboten. Ausfallraps kann bereits ohne vorherige Bodenbearbeitung keimen. Eine zu tiefe Einarbeitung unmittelbar nach der Ernte kann dazu führen, dass ausgefallene Körner zunächst nicht auflaufen und später in Folgekulturen Probleme verursachen.
Strohverteilung beginnt bereits bei der Getreideernte
Ein wassersparendes Nacherntemanagement beginnt am Mähdrescher. Werden Stroh und Spreu ungleichmäßig verteilt, entstehen Bereiche mit starker Mulchauflage und andere, auf denen der Boden nahezu ungeschützt bleibt.
Ein richtig eingestellter Strohhäcksler und eine gleichmäßige Spreuverteilung sind deshalb wichtige Voraussetzungen für die anschließende Stoppelbearbeitung.
Die Strohauflage schützt den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung und vermindert die Wirkung des Windes auf die Bodenoberfläche. Außerdem kann sie die Verschlämmung und Erosion bei stärkeren Niederschlägen begrenzen.
Wird das Stroh vollständig abgefahren, fehlen diese Schutzwirkungen zunächst. Dann muss die nachfolgende Bodenbearbeitung besonders sorgfältig auf Feuchtigkeitszustand, Bodenstruktur und Erosionsrisiko abgestimmt werden.
Eine stärkere Einarbeitung von Stroh kann zwar dessen Abbau beschleunigen. Bei Trockenheit sollte dieser Nutzen jedoch gegen mögliche Wasserverluste abgewogen werden.
Wann sich der Verzicht auf den Stoppelsturz lohnt
Auf stark ausgetrockneten Flächen kann die beste wassersparende Maßnahme darin bestehen, zunächst keine Bodenbearbeitung durchzuführen.
Das gilt besonders dann, wenn die vorhandene Strohauflage den Boden ausreichend bedeckt und keine unmittelbar bevorstehende Aussaat eine Bearbeitung erfordert.
Auch eine flache Bearbeitung führt unter solchen Bedingungen nicht zwangsläufig zu einem besseren Auflaufen von Ausfallgetreide und Unkräutern. Fehlt das Wasser für die Keimung, bleibt der gewünschte Effekt aus.
Nach ausreichenden Niederschlägen kann die Bearbeitung unter günstigeren Bedingungen erfolgen. Dabei ist zu prüfen, wie tief der Boden tatsächlich durchfeuchtet wurde. Ein kurzer Regenschauer reicht auf stark ausgetrockneten Standorten möglicherweise nicht aus.
Steht die Aussaat einer Zwischenfrucht oder Winterkultur bevor, müssen Saatbettqualität und Wasservorrat gemeinsam bewertet werden. In geeigneten Anbausystemen kann eine Mulch- oder Direktsaat den Verzicht auf zusätzliche Bodenbearbeitung ermöglichen.
Die Entscheidung für Strohstriegel, Flachgrubber oder Kurzscheibenegge richtet sich deshalb nicht allein nach der verfügbaren Maschine. Ausschlaggebend ist, wie viel Boden bewegt werden muss, um das gewünschte pflanzenbauliche Ergebnis zu erreichen, ohne unnötig Feuchtigkeit zu verlieren.
Quellen
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Ultraflache Bodenbearbeitung schützt Wasservorräte im Boden
- Landberatung Schaumburg: Bei der Stoppelbearbeitung gezielt vorgehen
- ISIP Baden-Württemberg: Tipps zur nachhaltigen Stoppelbearbeitung
- ISIP Baden-Württemberg: Tipps zur Stoppelbearbeitung
- DLG: Die Ressource Boden wassersparend bearbeiten
- Landwirtschaftskammer Oberösterreich: Wassersparende Stoppelbearbeitung
- KWS: Stoppelbearbeitung mit hohen Anforderungen
