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Ukraine will gestohlenes Getreide durch Laboranalysen aufspüren

Die Ukraine, Großbritannien und Lettland wollen die Herkunft von Getreidelieferungen künftig gemeinsam überprüfen. Mit einem am 21. Oktober 2026 unterzeichneten Memorandum vereinbarten die drei Staaten, wissenschaftliche Analyseverfahren einzusetzen, um möglicherweise gestohlenes ukrainisches Getreide auf internationalen Handelswegen aufzuspüren.

Grundlage der Zusammenarbeit ist das sogenannte Grain Verification Scheme (GVS). Das Verfahren soll helfen, Agrarprodukte zu identifizieren, die aus den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten stammen und möglicherweise unter falschen Herkunftsangaben exportiert werden. Darüber informierte das ukrainische Agrarministerium am 22. Oktober.

Isotopenanalyse soll Herkunft von Getreide nachweisen

Bei der Überprüfung werden Getreideproben mithilfe von Isotopen- und chemischen Analysen untersucht. Die Ergebnisse gleichen Fachlabore mit einer Referenzdatenbank ab, in der Messwerte landwirtschaftlicher Erzeugnisse mit gesicherter geografischer Herkunft hinterlegt sind.

Anhand der chemischen Zusammensetzung und der Isotopenverhältnisse soll sich feststellen lassen, aus welcher Region eine untersuchte Lieferung stammt. Die Kontrollen erstrecken sich zunächst auf vier Agrarprodukte:

  • Weizen
  • Mais
  • Gerste
  • Sonnenblumenkerne

Die Untersuchungsergebnisse sollen den zuständigen Behörden wissenschaftlich fundierte Anhaltspunkte für die tatsächliche Herkunft verdächtiger Warenpartien liefern. Damit könnten mögliche Fälle der illegalen Aneignung und Ausfuhr ukrainischer Agrarprodukte besser dokumentiert werden.

Eine auffällige Analyse allein belegt allerdings noch keinen Diebstahl. Die gewonnenen Daten sollen vielmehr als Grundlage für weitere Ermittlungen und abgestimmte Maßnahmen dienen.

Drei Länder koordinieren Getreidekontrollen

Das Memorandum regelt, wie die beteiligten Behörden und Labore zusammenarbeiten. Dazu gehören der Zugang zum GVS-System, der Austausch wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse und die Abstimmung der Analyseverfahren.

Jedes Land soll verantwortliche Ansprechpartner benennen. Regelmäßige technische Beratungen sind ebenfalls vorgesehen. Werden Lieferungen mit zweifelhafter Herkunft entdeckt, wollen die zuständigen Stellen ihre weiteren Schritte gemeinsam koordinieren.

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung vom ukrainischen Agrarminister Taras Vysotskyi, der britischen Staatssekretärin Baroness Hayman of Ullock und Lettlands Landwirtschaftsminister Uldis Augulis.

Die Vereinbarung baut auf Gesprächen zwischen der Ukraine und Lettland auf, die am 25. September 2026 in Riga stattgefunden hatten. Dort waren bereits praktische Schritte für die Einführung des Kontrollsystems besprochen worden.

Russland soll nicht von illegalen Getreideexporten profitieren

Der ukrainische Agrarminister Taras Vysotskyi erklärte, Russland dürfe aus der widerrechtlichen Ausfuhr ukrainischer Agrarerzeugnisse keinen wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Besonders wichtig sei es, zu verhindern, dass Getreide aus besetzten Gebieten mit falschen Herkunftsnachweisen auf den Weltmarkt gelange.

Dafür seien belastbare Untersuchungsergebnisse und ein abgestimmtes Vorgehen internationaler Partner notwendig. Das neue Kontrollsystem könne nach Einschätzung des Ministers dazu beitragen, die tatsächliche Herkunft verdächtiger Lieferungen nachzuweisen und den illegalen Handel gezielter zu bekämpfen.

Mit der Vereinbarung schaffen die drei Staaten einen gemeinsamen Rahmen für den Datenaustausch und die Überprüfung verdächtiger Agrarlieferungen. Konkrete Angaben dazu, wie viele Lieferungen künftig kontrolliert werden sollen, machte das ukrainische Agrarministerium bislang nicht.

Quelle:

– Ukrainisches Agrarministerium, 22. Oktober 2026