China hat seine Getreideimporte aus Russland in den ersten neun Monaten 2026 deutlich gesteigert. Besonders stark legten die Weizenkäufe zu: Ihr Wert erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf mehr als das Fünffache. Auch bei Gerste und Mais verzeichneten russische Exporteure kräftige Zuwächse.
Nach Angaben der chinesischen Zollverwaltung importierte China von Januar bis September 2026 russischen Weizen im Wert von 19,6 Millionen US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es lediglich 3,8 Millionen US-Dollar. Damit stieg der Importwert auf das 5,2-Fache. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die chinesischen Zollstatistiken.
Trotz des starken Anstiegs bleibt Russland auf dem chinesischen Weizenmarkt ein vergleichsweise kleiner Lieferant. Unter den acht Herkunftsländern belegte Russland weiterhin den fünften Platz.
Kanada und Australien dominieren Chinas Weizenimporte
Größter Weizenlieferant Chinas war in den ersten neun Monaten Kanada mit einem Importwert von 559 Millionen US-Dollar. Dahinter folgten Australien mit 306 Millionen US-Dollar, die USA mit 98,2 Millionen US-Dollar und Argentinien mit 95,3 Millionen US-Dollar.
Die russischen Weizenlieferungen entwickelten sich im Jahresverlauf uneinheitlich. Im September importierte China russischen Weizen für 2 Millionen US-Dollar, nachdem es im September 2025 noch 1,3 Millionen US-Dollar gewesen waren. Gegenüber August 2026, als der Importwert 4,6 Millionen US-Dollar erreichte, gingen die Käufe allerdings deutlich zurück.
Den höchsten Monatswert erzielten russische Exporteure bereits im Januar mit 5,3 Millionen US-Dollar.
Mit den bisherigen Lieferungen hat Russland den Importwert des gesamten Vorjahres bereits übertroffen. Im Gesamtjahr 2025 hatte China russischen Weizen für 13,8 Millionen US-Dollar bezogen. Allerdings lag dieser Wert 2024 mit 87,3 Millionen US-Dollar noch erheblich höher.
Russische Gerstenexporte nach China mehr als verdoppelt
Noch größere Bedeutung hat der chinesische Markt für russische Gerstenexporte. Zwischen Januar und September 2026 importierte China Gerste aus Russland im Wert von 134,5 Millionen US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 62,9 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um rund 114 Prozent.
Auch im September setzte sich das Wachstum fort. Der Importwert erreichte 22,1 Millionen US-Dollar gegenüber 9,8 Millionen US-Dollar im Vorjahresmonat. Im August 2026 hatten die chinesischen Käufe bei 15,7 Millionen US-Dollar gelegen.
Russland behauptete damit den vierten Platz unter den neun Gerstenlieferanten Chinas. Die größten Liefermengen nach Handelswert kamen weiterhin aus Australien und Kanada.
Australien lieferte Gerste im Wert von rund 1,1 Milliarden US-Dollar nach China. Kanada folgte mit 430,2 Millionen US-Dollar. Auf Rang drei lag Argentinien mit 173,2 Millionen US-Dollar.
China importiert auch deutlich mehr russischen Mais
Neben Weizen und Gerste konnte Russland seine Maisexporte nach China ausbauen. Der Importwert stieg in den ersten neun Monaten um rund ein Drittel von 77,4 Millionen auf 103,3 Millionen US-Dollar.
Im September schwächten sich die Käufe allerdings ab. China importierte russischen Mais im Wert von 7,4 Millionen US-Dollar. Im August waren es noch 9,1 Millionen US-Dollar gewesen. Gegenüber September 2025 mit 7,5 Millionen US-Dollar blieb der Wert nahezu unverändert.
Unter den insgesamt 19 Maislieferanten Chinas belegte Russland den dritten Platz. Größter Lieferant war Argentinien mit einem Handelswert von 254,8 Millionen US-Dollar, gefolgt von Brasilien mit 166,7 Millionen US-Dollar.
Russland strebt besseren Zugang zum chinesischen Getreidemarkt an
Der Zugang russischer Getreideexporteure zum chinesischen Markt unterliegt weiterhin Beschränkungen. Russland darf derzeit Sommerweizen und Sommergerste nach China liefern. Für Winterweizen und Wintergerste bestehen noch keine entsprechenden Exportzulassungen.
Russland bemüht sich deshalb um eine Öffnung des chinesischen Marktes für diese Getreidearten. Nach Einschätzung russischer Branchenexperten besitzen gerade Winterweizen und Wintergerste ein erhebliches Exportpotenzial.
Die aktuellen Handelszahlen zeigen allerdings zunächst nur die Entwicklung der Importwerte in US-Dollar. Wie stark sich die tatsächlich eingeführten Getreidemengen verändert haben, lässt sich daraus allein nicht ableiten.
