Herbizidkosten senken, resistente Unkräuter bekämpfen und Stickstoff gezielt ausbringen: Moderne Reihenhackgeräte bieten Ackerbaubetrieben mehrere Möglichkeiten, die Bestandsführung bei Mais, Soja und Sonnenblumen wirtschaftlicher zu gestalten. Mit Kamerasteuerung, Bandspritzeinrichtungen und zusätzlicher Düngetechnik lassen sich mehrere Arbeitsgänge kombinieren. Entscheidend sind die richtige Einsatzstrategie und geeignete Bodenbedingungen.

Mechanische Unkrautbekämpfung: Wann lohnt sich das Hacken?
Reihenhackgeräte entfernen Unkräuter zwischen den Kulturpflanzenreihen, indem sie diese abschneiden oder entwurzeln. Besonders wirksam ist das Verfahren bei jungen Unkräutern, bevor sich ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt hat.
In Mais, Soja und Sonnenblumen können je nach Unkrautdruck und Vegetationsverlauf zwei bis drei Hackdurchgänge sinnvoll sein. Dabei kommt es vor allem auf die Einsatzbedingungen an:
- Unkrautstadium: Kleine Unkräuter lassen sich leichter und zuverlässiger bekämpfen. Bereits stark verwurzelte Pflanzen erfordern eine intensivere Bearbeitung.
- Bodenfeuchtigkeit: Auf abgetrockneten, gut befahrbaren Böden arbeiten die Hackwerkzeuge zuverlässiger. Bei zu feuchtem Boden können Unkräuter wieder anwachsen.
- Witterung nach dem Hacken: Trockenes Wetter begünstigt das Vertrocknen freigelegter Unkrautwurzeln.
- Entwicklungsstadium der Kultur: Die Bearbeitung muss an Pflanzenhöhe, Wurzelentwicklung und Reihenabstand angepasst werden.
Gerade bei herbizidresistenten Unkräutern bietet die mechanische Bearbeitung einen Vorteil. Die Wirkung hängt nicht von der Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen ab.
Allerdings erreicht die klassische Reihenhacke hauptsächlich die Zwischenreihen. Unkräuter unmittelbar neben oder innerhalb der Pflanzenreihen bleiben ohne zusätzliche Maßnahmen häufig stehen.
Bandspritzung: Herbizide nur dort einsetzen, wo sie nötig sind
Die Kombination aus Hacktechnik und Bandspritzung ermöglicht es, mechanische und chemische Unkrautbekämpfung in einer Überfahrt durchzuführen.
Während die Hackwerkzeuge die Zwischenreihen bearbeiten, bringen spezielle Düsen das Herbizid in einem schmalen Streifen entlang der Kulturpflanzen aus. Die gesamte Fläche muss dadurch nicht mehr chemisch behandelt werden.
Wie groß das Einsparpotenzial ist, hängt vor allem von der behandelten Bandbreite und dem Reihenabstand ab.
Versuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Maisanbau ergaben ein Einsparpotenzial von rund 60 Prozent beim Herbizideinsatz gegenüber einer flächigen Behandlung. Die Kombination aus zwei Hackdurchgängen und Bandspritzung erzielte dabei vergleichbare Bekämpfungsergebnisse wie die herkömmliche Herbizidanwendung.
Untersuchungen der Universität Hohenheim bestätigen die Wirksamkeit kombinierter Verfahren. In den Versuchen erreichte das kamerageführte Hacken mit Bandspritzung durchschnittlich 91 Prozent Unkrautbekämpfungserfolg. Bei der flächigen Herbizidbehandlung waren es 92 Prozent.
Für die Praxis bedeutet das: Ein großer Teil der chemischen Behandlung lässt sich durch mechanische Arbeit ersetzen. Die tatsächlich mögliche Einsparung muss jedoch an Kultur, Unkrautbesatz und zugelassene Anwendung angepasst werden.
Kamerasteuerung: Näher an die Pflanzenreihe heranhacken
Bei herkömmlichen Reihenhackgeräten musste ein ausreichend großer Sicherheitsabstand zu den Kulturpflanzen eingehalten werden. Andernfalls konnten Hackschare Wurzeln beschädigen oder Pflanzen ausreißen.
Moderne Maschinen nutzen Kameras, optische Sensoren und hydraulische Verschieberahmen, um die Werkzeuge automatisch entlang der Pflanzenreihen zu führen. Je nach System kann auch RTK-GPS zur Spurführung eingesetzt werden.
Damit lassen sich die Hackwerkzeuge genauer positionieren und die unbearbeiteten Streifen entlang der Kulturpflanzen verkleinern.
In Untersuchungen der Universität Hohenheim mit Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben lagen die Pflanzenverluste bei den untersuchten sensorgesteuerten Verfahren bei höchstens 1,2 Prozent.
Die Technik hat allerdings Grenzen. Schwierigkeiten können unter anderem bei lückenhaften Beständen, starkem Unkrautbewuchs oder unregelmäßigen Reihenabständen entstehen. Auch die Arbeitsgeschwindigkeit muss zur Leistungsfähigkeit des Führungssystems passen.
Für eine zuverlässige Arbeitsqualität sind deshalb die richtige Einstellung der Werkzeuge, eine saubere Kalibrierung und regelmäßige Kontrollen während der Arbeit erforderlich.
Stickstoffdüngung: Zwei Arbeitsgänge kombinieren
Entsprechend ausgestattete Reihenhackgeräte können während der Unkrautbekämpfung auch Stickstoffdünger ausbringen. Zusätzliche Düngeeinrichtungen ermöglichen eine gezielte Ablage in den Zwischenreihen, teilweise direkt in den Boden.
Vor allem im Maisanbau kann diese Kombination interessant sein. Mais nimmt während seiner Entwicklung größere Stickstoffmengen auf. Eine bedarfsgerechte Aufteilung der Düngung kann deshalb Vorteile gegenüber einer vollständigen frühen Ausbringung bieten.
Die Kombination von Hacken und Düngen hat mehrere praktische Auswirkungen:
- Die Düngung kann an einen späteren Entwicklungszeitpunkt der Kultur angepasst werden.
- Dünger lässt sich gezielt zwischen den Pflanzenreihen platzieren.
- Bei geeigneter Technik kann die Einarbeitung in den Boden gasförmige Stickstoffverluste verringern.
- Eine separate Überfahrt zur Düngung kann entfallen.
Ob sich dadurch höhere Erträge oder eine bessere Stickstoffausnutzung erzielen lassen, hängt von der Bodenversorgung, der Witterung und der gewählten Düngestrategie ab.
Eine zusätzliche Düngung ist nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn tatsächlich ein entsprechender Nährstoffbedarf besteht.
Wirtschaftlichkeit: Wann rechnet sich die moderne Hacktechnik?
Die Anschaffung eines kamerageführten Reihenhackgeräts mit Bandspritzeinrichtung und Düngetechnik erfordert eine höhere Investition als eine einfache mechanische Hacke. Entscheidend ist deshalb nicht allein die mögliche Herbizideinsparung.
Landwirte sollten bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung mehrere Faktoren berücksichtigen:
| Kosten- und Nutzenfaktor | Bedeutung für den Betrieb |
|---|---|
| Herbizidkosten | Einsparung durch Behandlung schmaler Spritzbänder |
| Maschinenkosten | Anschaffung, Abschreibung, Wartung und technische Ausstattung |
| Arbeitszeit | Zusätzliche Hackdurchgänge und mögliche Kombination mit Spritz- und Düngearbeiten |
| Flächenleistung | Abhängig von Arbeitsbreite, Fahrgeschwindigkeit und Schlagstruktur |
| Unkrautdruck | Höherer Nutzen bei starkem Besatz und herbizidresistenten Arten |
| Düngung | Mögliche Einsparung einer zusätzlichen Überfahrt und gezieltere Nährstoffablage |
| Ertragsrisiko | Mögliche Pflanzenverluste und Schäden durch ungünstige Einsatzbedingungen |
Auf Betrieben mit größeren Reihenkulturflächen lässt sich die Maschine besser auslasten. Bei geringeren Flächenumfängen können überbetrieblicher Maschineneinsatz oder Lohnunternehmen wirtschaftlich sinnvoller sein.
Worauf Landwirte vor dem Kauf achten sollten
Nicht jedes Reihenhackgerät bietet dieselben Möglichkeiten. Vor einer Investition sollten insbesondere die vorhandene Sätechnik und die geplanten Kulturen berücksichtigt werden.
Wichtige Prüfpunkte sind die Kompatibilität mit den betrieblichen Reihenabständen, die Genauigkeit der Kameraführung, die verfügbaren Hackwerkzeuge sowie die Nachrüstbarkeit von Bandspritz- und Düngetechnik.
Auch die Frage, ob alle geplanten Arbeiten tatsächlich in einer Überfahrt möglich sind, sollte vor dem Kauf geklärt werden. Zusätzliche Technik erhöht das Maschinengewicht und kann die Anforderungen an Traktorleistung und Hydraulik verändern.
Der größte wirtschaftliche Nutzen entsteht dort, wo die mechanische Unkrautbekämpfung zuverlässig funktioniert und dadurch ein erheblicher Teil der Herbizidkosten eingespart werden kann. Die zusätzliche Düngung bietet weitere Möglichkeiten, Arbeitsgänge einzusparen. Sie ersetzt jedoch keine bedarfsgerechte Düngeplanung.
Quellen:
- Universität Hohenheim – Studie zur sensorgesteuerten Unkrautbekämpfung, Weed Research 2025
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen – Hacke-Bandspritzung im Mais
