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Gasnetz: Kritik am Green Paper der Regierung

Das Bundeswirtschaftsministerium hat mit seinem „Green Paper“ zur Transformation des deutschen Gasverteilnetzes vorgeschlagen, dieses teilweise stillzulegen oder auf Wasserstoff umzurüsten. Diese Pläne stoßen jedoch auf erhebliche Kritik, insbesondere seitens des Fachverbands Biogas und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW).

Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie, äußert Bedenken, dass das Green Paper die Bedeutung von Biomethan und die bestehenden Gasverteilnetze unterschätzt. Sie kritisiert, dass die Chancen einer Umstellung von fossilem auf erneuerbares Methan kaum Beachtung finden und befürchtet, dass dies die Biogasproduktion ausbremst. Ihrer Meinung nach sind die geplanten Anpassungen bei den Biomethan-Volumina nicht ausreichend, um den Fortbestand von rund 10.000 Biogasanlagen zu sichern.

Das Green Paper sieht eine weitgehende Stilllegung des Gasverteilnetzes sowie eine stellenweise Umwidmung des Netzes von Methan auf Wasserstoff vor, ohne dabei die Vorteile der flexiblen Kraft-Wärme-Kopplung und die Bedeutung der bestehenden Infrastruktur für die Energiewende zu berücksichtigen. Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, betont, dass für die saisonale Energiespeicherung und die Befeuerung von Gaskraftwerken und flexiblen KWK-Anlagen erneuerbares Methan besser geeignet sei als Wasserstoff.

Auch der DVGW kritisiert die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums. Prof. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, fordert eine politische Neubewertung der Rolle der Gasverteilnetze für die Energiewende. Laut Linke sollten die Diskussionen nicht um die Stilllegung, sondern um die Weiterentwicklung zur Klimaneutralität der Gasinfrastruktur zentriert sein. Er weist darauf hin, dass das Gasverteilnetz, ähnlich wie das geplante Wasserstoff-Kernnetz, eine Grundvoraussetzung sei, um Wasserstoff überhaupt nutzen zu können.

Die DBI-Gruppe hat im Auftrag des DVGW eine Studie durchgeführt, die zeigt, dass das Gasverteilnetz auch bei einem ausgebauten H2-Kernnetz eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung der Energieversorgung spielen wird. Viele Kraftwerkstandorte, besonders kleinere Kraftwerksblöcke und BHKW, sind über einen Kilometer vom Fernleitungsnetz sowie vom geplanten H2-Kernnetz entfernt und werden weiterhin über Gasverteilnetze versorgt.

Die Stellungnahme des Fachverbandes Biogas und weitere Dokumente zum Green Paper sind auf der Homepage des Verbandes nachzulesen. Der Fachverband Biogas und der DVGW plädieren für eine differenzierte Betrachtung und eine umsichtige Planung der zukünftigen Energieinfrastruktur in Deutschland.

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