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Russland will Getreide über das besetzte Abchasien exportieren

Russische Getreidehändler prüfen einen neuen Exportweg über die von Russland besetzte georgische Region Abchasien. Der kleine Schwarzmeerhafen Otschamtschira soll künftig für Containerlieferungen von Weizen und anderen Agrarprodukten in die Türkei genutzt werden. Hintergrund sind die anhaltenden Störungen in den russischen Schwarzmeerhäfen, die den Getreideexport des Landes erheblich einschränken. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Das Logistikunternehmen Modern Way bietet russischen Exporteuren an, Getreide in Containern über Otschamtschira zum türkischen Hafen Gebze zu transportieren. Mehrere russische Händler und Getreidemakler beschäftigen sich bereits mit dem Angebot. Ob und in welchem Umfang sie den neuen Transportweg nutzen werden, ist bislang offen.

Erste Getreidelieferungen ab Ende November geplant

Der Containerhafen Otschamtschira wurde erst 2025 mit finanzieller Unterstützung Russlands fertiggestellt. Nun soll die Anlage auch für den Getreideexport eingesetzt werden.

Nach Angaben eines Vertreters von Modern Way könnte der Versand in die Türkei beginnen, sobald der Hafen über eine funktionsfähige Qualitätskontrolle für Getreide verfügt. Die entsprechende Einrichtung soll bis Ende November 2026 betriebsbereit sein.

Allerdings verfügt Otschamtschira nur über begrenzte Umschlagkapazitäten. Hinzu kommen die höheren Transportkosten für Containerware. Ein handelsüblicher 20-Fuß-Container kann etwa 23 Tonnen Getreide aufnehmen. Große Massengutfrachter transportieren dagegen teilweise mehr als 100.000 Tonnen pro Fahrt.

Für vergleichbare Transportmengen wären somit Tausende Container erforderlich. Der kleine Hafen dürfte deshalb vor allem für kleinere Lieferpartien infrage kommen.

Schwarzmeerhäfen fehlen als wichtigste Exportroute

Bis zu den jüngsten Störungen wurden laut Bloomberg rund 90 Prozent der russischen Getreideexporte über Schwarzmeerhäfen abgewickelt. Angriffe auf Hafenanlagen und die damit verbundenen Einschränkungen des Schiffsverkehrs haben Russland gezwungen, nach anderen Transportmöglichkeiten zu suchen.

Getreide wird inzwischen verstärkt über Ostseehäfen und den Hafen Murmansk ausgeführt. Daneben nutzt Russland Eisenbahnverbindungen in den Fernen Osten, um Agrarprodukte auf alternative Absatzmärkte zu bringen.

Diese Transportwege können die bisherigen Exportmengen über das Schwarze Meer jedoch nicht ersetzen. Besonders die begrenzten Umschlagkapazitäten und die höheren Logistikkosten erschweren eine größere Verlagerung der Lieferungen.

Staatliche Zuschüsse machen Containertransporte rentabler

Dass russische Exporteure trotz der höheren Kosten zunehmend Containertransporte prüfen, hat auch wirtschaftliche Gründe. Nach Angaben von Arkadi Slotschewski, dem Vorsitzenden des Russischen Getreideverbandes, haben staatliche Subventionen für den Eisenbahntransport die Wettbewerbsfähigkeit dieser Lieferform verbessert.

Hinzu kommen die gesunkenen Weizenpreise auf dem russischen Binnenmarkt. Sie schaffen zusätzlichen finanziellen Spielraum für teurere Transportverfahren.

Eine dauerhafte Alternative zum klassischen Getreideexport mit großen Massengutfrachtern sieht Slotschewski darin allerdings nicht. Dafür seien die Kosten der Containerlogistik zu hoch.

Der geplante Export über Abchasien ist damit ein weiterer Versuch, die Abhängigkeit von den bisherigen russischen Schwarzmeerhäfen zu verringern. Ob der Transportweg tatsächlich genutzt wird, dürfte sich frühestens nach der für Ende November vorgesehenen Inbetriebnahme der Qualitätskontrolle zeigen.

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