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Kanada könnte mehr Weizen in Schwarzmeer-Märkte exportieren

Kanada könnte in dieser Saison zusätzliche Weizenlieferungen in Länder übernehmen, die bislang vor allem Getreide aus der Schwarzmeerregion beziehen. Wegen kriegsbedingter Probleme in der Schifffahrt suchen einige Importeure nach alternativen Lieferanten. Allerdings passt der hohe Proteingehalt des kanadischen Weizens nicht immer zu den Anforderungen dieser Käufer. Gleichzeitig fällt die Qualität der diesjährigen Ernte besser aus als nach den starken Regenfällen während der Ernte zunächst befürchtet.

Darauf weist Neil Townsend, leitender Marktanalyst bei FarmLink Marketing Solutions, gegenüber dem kanadischen Agrarmagazin The Western Producer hin. Seiner Einschätzung nach dürfte Kanada einen Teil der traditionellen Absatzmärkte für Schwarzmeerweizen beliefern können.

Kanadischer Weizen enthält durchschnittlich 14 Prozent Protein

Die aktuellen Untersuchungsergebnisse der Canadian Grain Commission (CGC) bestätigen hohe Proteingehalte bei kanadischem Weizen. Nach dem Stand vom 6. Oktober 2026 erreichte die Sommerweizenklasse Canada Western Red Spring (CWRS) durchschnittlich 14 Prozent Rohprotein. Bei Hartweizen der Klasse Canada Western Amber Durum (CWAD) waren es 13,4 Prozent.

Gerade der hohe Proteingehalt könnte die Vermarktung jedoch erschweren. Viele traditionelle Käufer von Schwarzmeerweizen benötigen Getreide mit niedrigeren Proteinwerten und sind nicht bereit, für höhere Qualitäten entsprechende Aufpreise zu zahlen.

Townsend hält den internationalen Absatzmarkt für Weizen mit mindestens 14 Prozent Protein für vergleichsweise begrenzt. Seiner Einschätzung nach ließen sich beispielsweise 24 Millionen Tonnen einer solchen Qualität nicht ohne Weiteres verkaufen.

Der Marktanalyst kritisiert zudem, dass dem Proteingehalt im Getreidehandel häufig zu große Bedeutung beigemessen werde. Für viele Abnehmer sei bereits ein Wert von mehr als 12,5 Prozent ausreichend. Kanadische Exporteure lieferten ihren Kunden teilweise Weizen mit höheren Proteingehalten, als vertraglich vereinbart wurde, ohne dafür zusätzlich bezahlt zu werden.

Regenfälle haben Weizenqualität weniger geschädigt als befürchtet

Während der kanadischen Weizenernte hatten länger anhaltende Regenfälle Sorgen über erhebliche Qualitätsverluste ausgelöst. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch ein günstigeres Bild.

Von 526 untersuchten Proben der Sommerweizenklasse CWRS erreichten zum 6. Oktober rund 77 Prozent die beiden höchsten kanadischen Qualitätsklassen. Beim Hartweizen CWAD wurden 255 Proben ausgewertet. Davon erfüllten 68,2 Prozent die Anforderungen der beiden obersten Klassen.

Die Canadian Grain Commission weist allerdings darauf hin, dass die bisherigen Ergebnisse noch keine abschließende Beurteilung der gesamten Ernte erlauben. Weitere Proben müssen untersucht werden.

Auch Townsend geht davon aus, dass die tatsächlichen Qualitätsschäden geringer ausfallen könnten als zunächst erwartet. Moderne Weizensorten seien widerstandsfähiger gegenüber ungünstigen Witterungsbedingungen geworden.

Unterschiedliche Weizenqualitäten können Export erleichtern

Nicht jeder Importeur benötigt Weizen der höchsten Qualitätsklassen. Gerade bei Hartweizen gibt es auch Käufer für Ware der kanadischen Klassen 3, 4 und 5.

Ein gewisser Anteil niedriger eingestufter Partien könnte den kanadischen Exporteuren deshalb helfen, unterschiedliche Kundenanforderungen zu erfüllen. Das gilt besonders für Märkte, auf denen der Preis eine größere Rolle spielt als besonders hohe Proteinwerte.

Problematisch wird es nach Einschätzung von Townsend erst, wenn die Qualitätsunterschiede innerhalb der Ernte zu groß ausfallen. Dann könnte es schwieriger werden, ausreichend große und einheitliche Schiffsladungen zusammenzustellen.

Für Getreidehändler und Exporteure würde das zusätzlichen Aufwand bei Lagerung, Sortierung und Transport bedeuten. Verzögerungen in der Logistik wären gerade in dieser Saison ungünstig, da Townsend aufgrund der Probleme im Schwarzmeerhandel mit einer besonders hohen internationalen Nachfrage nach kanadischem Weizen rechnet.

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