Die derzeitige Unsicherheit im Schwarzen Meer, verursacht durch Angriffe auf Handelsschiffe, könnte signifikante Auswirkungen auf die Getreideexporte aus Rumänien und Bulgarien haben. Millionen Tonnen von Weizen warten in diesen Ländern darauf, versandt zu werden. Diese Entwicklungen könnten auch die Preise für deutsche Landwirte beeinflussen, während sich gleichzeitig die Risiken im Handel erhöhen.
Spannungen am Schwarzen Meer bedrohen den Schiffsverkehr
Seit dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine vor über vier Jahren ist das Schwarze Meer ein Konfliktherd. Die jüngsten Angriffe Russlands auf Handelsschiffe haben nun auch andere Anrainerstaaten getroffen. Russland bestreitet jegliche Verantwortung. Trotzdem plant die NATO, Maßnahmen zur Sicherung der Seewege zu diskutieren. Wie stark die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs wird, hängt von der Intensität und Dauer dieser Störungen ab.
Russische Drohnenangriffe eskalieren
Laut Experten sind die jüngsten Angriffe deutlich als russische Aktionen zu erkennen. Anfang Oktober wurde das Schiff Alfa Watan versenkt, wobei zehn Menschen ums Leben kamen. Am 13. Oktober griffen russische Drohnen zwei Handelsschiffe vor Bulgariens Küste an; dabei sank die HS Dignity, während elf Besatzungsmitglieder vermisst werden. Obwohl keines der Schiffe Getreide transportierte, erhöhen solche Vorfälle das Risiko für den gesamten Seehandel signifikant.
Auswirkungen auf den Getreidemarkt
In Bulgarien und Rumänien herrscht nach den mutmaßlich russischen Angriffen Besorgnis. Ilija Prodanow vom Nationalen Verband der Getreideerzeuger betonte am 16. Oktober die Notwendigkeit einer sicheren Schifffahrt im Schwarzen Meer, da fünf Millionen Tonnen Weizen auf den Versand warten. Ohne alternative Transportwege steigen die Kosten erheblich; seit Beginn des Ukrainekriegs haben sich diese laut Verband mehr als verfünffacht.
Steigende Transportkosten und ihre Folgen
Trotz der prekären Lage sind die Getreidepreise bisher stabil geblieben. Dennoch berichtete BIMCO Ende August von einem Rückgang der Verschiffungen um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was insbesondere das Schwarze Meer betrifft. Infolgedessen verringerten sich die Getreideexporte aus dieser Region um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die gestiegenen Risiken könnten dazu führen, dass Exporteure höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben, was für Landwirte in Rumänien und Bulgarien finanzielle Einbußen bedeutet.
Deutsche Landwirte zwischen Gewinn und Verlust
Für deutsche Landwirte bietet die volatile Marktlage verschiedene Szenarien: Ein Landwirt mit 500 Tonnen unverkauftem Weizen könnte bei einem Preisanstieg von 190 auf 200 Euro pro Tonne zusätzlich 5.000 Euro verdienen. Sollte der Preis auf 220 Euro steigen, wären sogar 15.000 Euro mehr möglich. Doch auch Verluste drohen: Fällt der Preis auf 180 Euro pro Tonne, entsteht ein Verlust von ebenfalls 5.000 Euro. Für Großabnehmer wie Mischfutterwerke bedeutet jeder Anstieg um 10 Euro pro Tonne zusätzliche Ausgaben in Höhe von 100.000 Euro.
