Anzeige
 

EU: 92 Pflanzenschutzwirkstoffe in sieben Jahren weggefallen

Europäischen Landwirten stehen immer weniger Pflanzenschutzwirkstoffe zur Verfügung.

Innerhalb der vergangenen sieben Jahre verloren sie den Zugang zu 92 Wirkstoffen, während im selben Zeitraum lediglich ein neuer synthetischer Wirkstoff auf den Markt kam. Das geht aus einer von Bayer in Auftrag gegebenen Untersuchung hervor, die auch deutliche Unterschiede bei der Entwicklung der Pflanzenproduktion zwischen der EU und anderen Agrarregionen aufzeigt.

Anfang der 2000er-Jahre waren in der Europäischen Union noch mehr als 1.000 Pflanzenschutzwirkstoffe zugelassen. Inzwischen ist ihre Zahl auf rund 420 gesunken. Die Studienautoren sehen insbesondere langwierige Genehmigungsverfahren und zunehmende administrative Anforderungen als Hindernisse für die Einführung neuer Technologien.

Die Untersuchung verbindet eine wirtschaftliche Analyse von Oxford Economics mit einer Befragung von mehr als 8.000 Verbrauchern. Zusätzlich wurden rund 90 Landwirte aus acht europäischen Märkten zu ihren Erfahrungen befragt.

Pflanzenproduktion in der EU wächst deutlich langsamer

Neben dem eingeschränkten Zugang zu Pflanzenschutzmitteln verweist die Studie auf die schwache Entwicklung der europäischen Pflanzenproduktion. Zwischen 2011 und 2023 stieg diese in der EU durchschnittlich um lediglich 0,1 Prozent pro Jahr.

Andere große Agrarproduzenten verzeichneten im selben Zeitraum deutlich höhere Wachstumsraten. In den USA nahm die Pflanzenproduktion jährlich um durchschnittlich 1 Prozent zu, in Brasilien sogar um 3,3 Prozent. Weltweit lag das durchschnittliche Wachstum bei 2 Prozent.

Nach Einschätzung von Oxford Economics kann ein schnellerer Zugang zu modernen Agrartechnologien dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft zu verbessern. Ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Rückgang zugelassener Pflanzenschutzwirkstoffe und dem geringeren Produktionswachstum wird durch diese Zahlen allerdings nicht nachgewiesen.

Großbritannien lässt neue Pflanzenschutzwirkstoffe schneller zu

Unterschiede zeigen sich auch bei der Zulassung neuer Pflanzenschutzmittel. Seit 2022 hat Großbritannien vier vollständig neue Wirkstoffe genehmigt, die in der Europäischen Union bislang entweder keine Zulassung erhalten haben oder sich noch im Genehmigungsverfahren befinden.

Darüber hinaus sind in Großbritannien weiterhin 15 Pflanzenschutzwirkstoffe zugelassen, deren Genehmigungen in der EU seit dem Brexit ausgelaufen sind oder entzogen wurden.

Die Studienautoren sprechen sich deshalb für verlässlichere und verhältnismäßigere Zulassungsverfahren aus. Neue Wirkstoffe und Technologien sollen schneller in der landwirtschaftlichen Praxis verfügbar werden, ohne bestehende Sicherheitsstandards aufzugeben.

Bayer fordert besseren Zugang zu neuen Agrartechnologien

Frank Terhorst, Leiter Strategie und Nachhaltigkeit der Agrarsparte von Bayer, sieht in der beschleunigten Einführung neuer Technologien eine Voraussetzung dafür, dass die europäische Landwirtschaft international wettbewerbsfähig bleibt. Europa verfüge über die notwendigen wissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Voraussetzungen, müsse Innovationen jedoch schneller für die Betriebe nutzbar machen.

Zu den von der Untersuchung genannten Technologien gehören moderne Pflanzenschutzmittel, neue Züchtungsverfahren, Präzisionslandwirtschaft, Automatisierung und künstliche Intelligenz.

Die Forderungen stammen aus einer von Bayer finanzierten Untersuchung. Der Konzern ist selbst ein bedeutender Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln und hat damit ein wirtschaftliches Interesse an den regulatorischen Rahmenbedingungen. Die Studie plädiert für einen schnelleren Zugang zu neuen Verfahren bei gleichzeitiger Beibehaltung hoher Sicherheitsanforderungen.