Russische Landwirte stehen vor erheblichen Herausforderungen, da die Getreidepreise im Inland stark gesunken sind. Berichte aus der Region Woronesch zeigen, dass der Preis für Weizen auf etwa 6.000 Rubel je Tonne gefallen ist, was rund 62 Euro entspricht. Dies steht im starken Kontrast zu den Produktionskosten von mindestens 9.300 Rubel (ca. 96,2 Euro) je Tonne. In den südlichen Regionen Rostow und Krasnodar sind die Preise um bis zu 44 Prozent unter den Kostendeckungspunkt gerutscht.
Transportprobleme belasten Exporte
Die Schwierigkeiten beim Export von Getreide resultieren aus Einschränkungen im Seeverkehr auf dem Schwarzen und Asowschen Meer, wodurch sich das Getreide im Inland staut und die Preise weiter sinken. Um den Export zu fördern, hat die russische Regierung die Exportzölle für Länder außerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion vorübergehend aufgehoben, jedoch sehen Branchenvertreter darin keine ausreichende Lösung.
Der Internationale Getreiderat (IGC) hat seine Prognose für russische Weizenexporte im September-Bericht um 3,7 Millionen Tonnen auf 41,5 Millionen Tonnen gesenkt. Für alle Getreidesorten werden nun 48 Millionen Tonnen Ausfuhren erwartet, ein Rückgang gegenüber den vorhergesagten 52,2 Millionen Tonnen.
Staatliche Maßnahmen zur Unterstützung
Moskau plant nicht nur die vorläufige Aussetzung der Exportzölle. Der stellvertretende Premierminister Dmitri Patruschow fordert eine effizientere Nutzung der vorhandenen Transportinfrastruktur. Zusätzlich sollen etwa 103,4 Millionen Euro bereitgestellt werden, um Bahntransporte aus ertragsstarken Regionen zu subventionieren.
Um den Markt weiter zu entlasten, kündigte Landwirtschaftsministerin Oksana Lut staatliche Interventionskäufe von bis zu drei Millionen Tonnen an. Branchenexperten wie Dmitri Rylko und Wladimir Petritschenko fordern jedoch deutlich größere Mengen an staatlichen Käufen und zusätzliche Maßnahmen wie die Umstrukturierung von Krediten und die Erschließung neuer Exportwege.
Forderungen nach weiteren Eingriffen
Laut dem Agrarexperten Alexander Korbut wären wöchentliche Käufe von mindestens 500.000 Tonnen notwendig, um eine spürbare Entlastung des Marktes zu erreichen. Petritschenko sieht einen Bedarf von rund 20 Millionen Tonnen an Interventionskäufen angesichts der bestehenden Transportprobleme und befürchtet, dass bis zu 35 Millionen Tonnen nicht exportiert werden könnten.
Die derzeitigen staatlichen Vorräte belaufen sich auf etwa 3,7 Millionen Tonnen Getreide. Zum Vergleich: Die höchsten Bestände erreichten einst acht Millionen Tonnen in den Jahren 2008/09. Das zeigt das Ausmaß der aktuellen Herausforderungen und die Dringlichkeit weiterer staatlicher Eingriffe in den Getreidemarkt.
