Die europäischen Erdgaspreise haben am Montag einen neuen Höchststand seit November 2022 erreicht und liegen nun bei über 96 €/MWh. Dieser Anstieg wird durch den Konflikt im Nahen Osten getrieben, der erhebliche Unsicherheiten für die Gasversorgung Europas verursacht. Hinzu kommt, dass Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus dem Persischen Golf – vor Beginn der Auseinandersetzungen ein bedeutender Anteil des weltweiten Angebots – um rund 80 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind.
Sorgen um Gasversorgung steigen
Der aktuelle Füllstand der europäischen Gasspeicher gibt ebenfalls Anlass zur Besorgnis. Mit einem Stand von nur 74,62 % am 25. Oktober liegen sie unter dem historischen Durchschnitt für diese Jahreszeit. Besonders in Deutschland sind die Speicher mit nur 61,1 % gefüllt, was Fragen zur Versorgungssicherheit aufwirft. Trotz dieser Zahlen bezeichnet die Bundesnetzagentur die Versorgungslage als stabil und beobachtet die Situation kontinuierlich. Es wird erwartet, dass die Speicherstände zum Ende des Winters niedrig bleiben.
Laut der Behörde sind die derzeit geringen Einspeicherungsmengen auf Absicherungsstrategien der Handelsunternehmen zurückzuführen und nicht als kritisch einzustufen. Die Bundesnetzagentur stellte klar, dass das Erreichen bestimmter Füllziele bis November nicht zwingend notwendig sei, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Anstieg der Verbraucherpreise
Die Preissituation für Verbraucher spitzt sich ebenfalls zu. Bei Neukunden haben sich die Gaspreise seit Jahresbeginn um 6 Cent, was einem Anstieg von 75 % entspricht, erhöht und liegen nun bei 14 Cent je KWh. Diese Entwicklung führt zu wachsender Besorgnis bei Haushalten mit Gasheizung, da einige EU-Länder bereits damit beginnen, ihre Gasreserven aufgrund sinkender Temperaturen anzuzapfen.
Trotz der schwierigen Bedingungen stuft die Bundesnetzagentur das Risiko weiterer Versorgungsengpässe als überschaubar ein. Im Zeitraum vom 14. bis 20. Oktober wurden nach ihren Angaben insgesamt 19,1 Terawattstunden an Gas nach Deutschland importiert, wobei LNG-Terminals eine durchschnittliche Auslastung von 37,2 % verzeichneten.
Zukunftsprognosen und gesetzliche Rahmenbedingungen
Einen wesentlichen Teil der Verantwortung für die Wintervorsorge tragen laut der Bundesnetzagentur die Gashandelsunternehmen selbst. Diese müssen auch rechtlichen Anforderungen gerecht werden, wie sie im Energiewirtschaftsgesetz festgelegt sind. Der Entzug gebuchter Speicherkapazität ist hierbei eine mögliche rechtliche Folge.
Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass Marktakteure ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Dennoch bleibt Europa aufgrund niedriger Speicherfüllstände anfällig für weitere Versorgungsunterbrechungen und plötzliche Preisschwankungen, insbesondere bei einem Anstieg der Heiznachfrage im Winter.
