Die Preise für Erdgas in Europa haben am Freitag einen neuen Höchststand erreicht und überstiegen die Marke von 66 Euro pro Megawattstunde. Diese Entwicklung markiert den höchsten Stand seit Januar 2023 und spiegelt einen Anstieg von über 130 % seit Jahresbeginn wider. Verbraucher, insbesondere Neukunden, müssen sich auf höhere Kosten einstellen, da die Preise laut Verivox-Daten auf 10,1 Cent je Kilowattstunde gestiegen sind, was einen Anstieg von 2 Cent oder 25 % im Vergleich zu den Zeiten vor dem Irankonflikt bedeutet.
Ursachen des Preisanstiegs
Die jüngste Preisrallye wird unter anderem durch geopolitische Spannungen zwischen den USA und dem Iran angetrieben. Diese Konflikte beeinträchtigen die Aussichten für Flüssigerdgaslieferungen (LNG) aus der Golfregion. Besonders die Blockade der Straße von Hormus hat Auswirkungen auf die Lieferungen aus Katar, was zu einem intensiveren Wettbewerb mit asiatischen Käufern führt. Zudem reduziert eine Hitzewelle in Europa die Möglichkeiten zur Gaseinspeicherung, da der Bedarf an Kühlung die Nachfrage erhöht.
Besorgniserregender Füllstand der Gasspeicher
Der Füllstand der europäischen Gasspeicher liegt derzeit bei nur 62 %, dem niedrigsten Niveau für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2009. Dies stellt eine Herausforderung dar, da es nur begrenzte Zeit gibt, die Vorräte vor Beginn der Heizperiode aufzufüllen. Dennoch betont Eva Hrncirova, Sprecherin der Europäischen Kommission, dass keine unmittelbare Gefahr für die Erdgasversorgung in der EU besteht.
Herausforderungen durch klimatische Bedingungen
Die aktuelle Hitzewelle treibt nicht nur die Stromnachfrage in die Höhe, sondern wirkt sich auch negativ auf die Stromerzeugung aus Wasserkraft und Kernenergie aus. Dies zwingt Gaskraftwerke dazu, den Strombedarf zu decken – ein ungünstiger Zeitpunkt angesichts des Bedarfs an Gasreserven für den Winter.
Langfristige Perspektiven und Maßnahmen
Laut Gas Infrastructure Europe waren die europäischen Gasspeicher im Vorjahr noch zu 74 % gefüllt. Die Europäische Kommission sieht jedoch keine unmittelbare Versorgungsgefahr und geht davon aus, dass durch zusätzliche LNG-Importkapazitäten ausreichend Flexibilität besteht. Eine Taskforce stellte im Juli fest, dass ein Speicherziel von rund 80 % bis Ende des Sommers als ausreichend angesehen wurde, um den Winterbedarf zu decken.
Trotz dieser optimistischen Einschätzungen bleiben hohe Gaspreise eine Herausforderung für Unternehmen, die zögern, Gas zur Einlagerung zu kaufen. Die Europäische Union erwägt daher regulatorische Anpassungen, um flexibel auf Marktbedingungen reagieren zu können und so das gesetzliche Speicherziel dennoch zu erreichen.
