Moderne Windräder erreichen häufig eine Gesamthöhe von 200 bis 250 Metern. Besonders große Windenergieanlagen an Land überschreiten inzwischen 280 Meter. Wie weit die technische Entwicklung reicht, zeigt ein Höhenwindrad in Brandenburg: Die Anlage erreichte im September 2026 eine Höhe von 365 Metern und gilt damit als höchstes Windrad der Welt.
Die tatsächliche Höhe hängt vom Anlagentyp, dem Rotordurchmesser und den Windverhältnissen am Standort ab. Entscheidend ist außerdem, welche Höhe gemeint ist: die Turmhöhe, die Nabenhöhe oder die Gesamthöhe einschließlich der Rotorblätter.
Wie hoch sind Windräder in Deutschland?
Die im Jahr 2025 neu errichteten Windenergieanlagen an Land waren durchschnittlich 222 Meter hoch. Das geht aus der Jahresstatistik der Deutschen WindGuard hervor. Die mittlere Nabenhöhe betrug 146 Meter, der durchschnittliche Rotordurchmesser 151 Meter.
Deutlich niedriger fällt der Durchschnitt aus, wenn auch ältere Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Ende 2025 erreichten die insgesamt in Deutschland betriebenen Windenergieanlagen an Land eine mittlere Gesamthöhe von 147 Metern. Der Unterschied verdeutlicht, wie stark die Anlagenabmessungen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gewachsen sind.
Die folgende Tabelle zeigt typische Größenordnungen und ausgewählte Rekordwerte.
| Art der Windenergieanlage | Gesamthöhe |
|---|---|
| Kleinwindkraftanlagen | Wenige Meter bis unter 50 m |
| Ältere große Windräder | Häufig etwa 100–180 m |
| Durchschnitt aller Onshore-Bestandsanlagen Ende 2025 | 147 m |
| Durchschnitt neuer Onshore-Anlagen 2025 | 222 m |
| Durchschnitt neuer Offshore-Anlagen 2025 | Rund 249 m |
| Besonders hohe Serien-Windenergieanlage, Winnberg 2026 | 285 m |
| Höhenwindrad Schipkau, September 2026 | 365 m |
Die Durchschnittswerte beziehen sich auf Deutschland. Bei der Offshore-Gesamthöhe handelt es sich um einen aus den mittleren Nabenhöhen und Rotordurchmessern errechneten Näherungswert. Die Beispiele mit 285 und 365 Metern sind Einzelanlagen und keine repräsentativen Durchschnittswerte.
Wie wird die Höhe eines Windrads gemessen?
Bei Windenergieanlagen werden drei wesentliche Abmessungen unterschieden: Nabenhöhe, Rotordurchmesser und Gesamthöhe.
Nabenhöhe: Höhe bis zur Rotorachse
Die Nabenhöhe bezeichnet den vertikalen Abstand zwischen dem Bezugsniveau am Boden und dem Mittelpunkt der Rotornabe. Dort sind die Rotorblätter befestigt. Hinter der Nabe befindet sich die Gondel, in der wesentliche technische Komponenten untergebracht sind.
Die Nabenhöhe entspricht ungefähr der Höhe des Turms. Streng genommen sind beide Maße jedoch nicht identisch, weil sich die Rotorachse konstruktionsbedingt oberhalb des Turmabschlusses befinden kann.
Bei modernen Windenergieanlagen an Land liegen die Nabenhöhen häufig zwischen etwa 140 und 180 Metern. Einzelne Konstruktionen erreichen bereits knapp 200 Meter oder deutlich mehr.
Rotordurchmesser: Fläche, die die Rotorblätter überstreichen
Der Rotordurchmesser bezeichnet den Durchmesser des Kreises, den die rotierenden Rotorblätter beschreiben. Er entspricht annähernd der doppelten Rotorblattlänge, wobei die genaue Blattgeometrie und die Rotornabe zu berücksichtigen sind.
Eine Windkraftanlage mit einem Rotordurchmesser von 170 Metern besitzt einen Rotorradius von 85 Metern.
Der Rotordurchmesser beeinflusst die Höhe der Anlage unmittelbar. Gleichzeitig bestimmt er die Größe der vom Rotor überstrichenen Fläche und damit wesentlich, wie viel Windenergie die Anlage aufnehmen kann.
Gesamthöhe: Bis zur höchsten Rotorblattspitze
Die Gesamthöhe, auch Spitzenhöhe genannt, wird vom maßgeblichen Boden- beziehungsweise Standortniveau bis zur höchsten Position einer Rotorblattspitze gemessen.
Dafür gilt die Formel:
Gesamthöhe = Nabenhöhe + Rotordurchmesser ÷ 2
Ein Beispiel:
| Maß | Höhe |
|---|---|
| Nabenhöhe | 160 m |
| Rotordurchmesser | 170 m |
| Rotorradius | 85 m |
| Gesamthöhe | 245 m |
| Tiefster Punkt der Rotorblattspitze | 75 m |
Die Rotorblätter dieser Anlage bewegen sich somit zwischen ungefähr 75 und 245 Metern über dem Boden.
Die Unterscheidung ist insbesondere bei Genehmigungsverfahren, Abstandsregelungen und der Beurteilung des Landschaftsbildes wichtig. Eine Windenergieanlage mit 160 Metern Nabenhöhe ist nicht 160 Meter, sondern in diesem Beispiel 245 Meter hoch.
Wie hoch sind moderne Windräder an Land?
Windenergieanlagen an Land werden als Onshore-Windenergieanlagen bezeichnet. Ihre Abmessungen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert.
Die Deutsche WindGuard dokumentiert für neu installierte Anlagen folgende Entwicklung:
| Kennzahl | 2015 | 2025 |
|---|---|---|
| Durchschnittliche Nabenhöhe | 122 m | 146 m |
| Durchschnittlicher Rotordurchmesser | 104 m | 151 m |
| Rechnerische Gesamthöhe | 174 m | Rund 222 m |
| Durchschnittliche Generatorleistung | 2,72 MW | 5,46 MW |
Innerhalb von zehn Jahren nahm die durchschnittliche Gesamthöhe neuer Windenergieanlagen damit um ungefähr 48 Meter zu. Noch stärker wuchs der Rotordurchmesser.
Die Entwicklung ist auch bei aktuellen Windkraftanlagen verschiedener Hersteller erkennbar.
Beispiele moderner Windkraftanlagen
Vestas V172-7.2 MW
Der Anlagentyp V172 besitzt einen Rotordurchmesser von 172 Metern. Mit einer Nabenhöhe von 175 Metern ergibt sich eine Gesamthöhe von 261 Metern. Im niedersächsischen Windpark Meppen wurden 2026 neun Anlagen dieser Bauart in Betrieb genommen.
Nordex N175/6.X
Der Rotor dieser Anlage erreicht einen Durchmesser von 175 Metern. Beim Einsatz eines 179 Meter hohen Nabensystems beträgt die Gesamthöhe 266,5 Meter. Eine entsprechende Anlage errichtete Nordex Anfang 2025 in Santow in Mecklenburg-Vorpommern.
Enercon E-160
Bei einer Nabenhöhe von 166 Metern und einem Rotordurchmesser von 160 Metern erreicht eine entsprechend konfigurierte E-160 eine Gesamthöhe von 246 Metern. Der Anlagentyp ist beispielsweise für den Windpark Ulfa in Hessen vorgesehen.
Diese Beispiele zeigen, weshalb eine allgemeine Höhenangabe immer nur eine Orientierung sein kann. Selbst Anlagen desselben Typs können mit unterschiedlichen Türmen und Nabenhöhen ausgestattet werden.
Warum werden Windräder immer höher gebaut?
Die zunehmende Höhe hat technische und wirtschaftliche Gründe. Mit einem höheren Turm und größeren Rotorblättern lässt sich an vielen Standorten mehr Strom erzeugen.
In größeren Höhen weht der Wind stärker
Die Windgeschwindigkeit nimmt über dem Erdboden im Allgemeinen mit zunehmender Höhe zu. In Bodennähe bremsen Bäume, Gebäude und Geländeunebenheiten die Luftströmung.
Dieser Einfluss nimmt mit größerem Abstand zur Erdoberfläche ab. Gleichzeitig ist die Strömung häufig gleichmäßiger, weil die unmittelbaren Auswirkungen bodennaher Hindernisse geringer werden.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass hohe Windenergieanlagen mit längeren Rotorblättern das vorhandene Windangebot besser nutzen können.
Besonders wichtig ist dieser Effekt im Binnenland. Dort sind die Windgeschwindigkeiten häufig niedriger als in Küstenregionen. Höhere Türme können dazu beitragen, wirtschaftlich nutzbare Windgeschwindigkeiten zu erreichen.
Wie stark die Windgeschwindigkeit mit der Höhe steigt, hängt allerdings vom jeweiligen Standort, der Oberflächenrauigkeit und den atmosphärischen Bedingungen ab.
Schon kleine Unterschiede bei der Windgeschwindigkeit sind bedeutend
Die im Wind enthaltene Leistung steigt theoretisch mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit.
Verdoppelt sich die Windgeschwindigkeit, enthält die durchströmende Luft bei ansonsten gleichen Bedingungen die achtfache Leistung.
Für den tatsächlichen Stromertrag einer Windenergieanlage gilt dieser Zusammenhang jedoch nicht uneingeschränkt. Die Anlage kann nur einen Teil der vorhandenen Windenergie nutzen. Außerdem begrenzen die Anlagensteuerung, die Nennleistung und die Windverhältnisse den erzielbaren Stromertrag.
Dennoch können bereits vergleichsweise geringe Verbesserungen der Windverhältnisse einen erheblichen Einfluss auf den Jahresertrag haben.
Größere Rotoren nutzen mehr Windenergie
Neben der Höhe spielt die Rotorfläche eine entscheidende Rolle.
Die vom Rotor überstrichene Fläche wächst quadratisch mit dem Radius. Ein größerer Rotordurchmesser bedeutet daher eine überproportional größere Fläche.
Ein Rotor mit 150 Metern Durchmesser überstreicht beispielsweise rund 17.700 Quadratmeter. Bei 175 Metern Durchmesser sind es bereits rund 24.100 Quadratmeter.
Die größere Fläche ermöglicht es, mehr Energie aus dem Wind aufzunehmen. Wie viel zusätzlicher Strom tatsächlich entsteht, hängt von der technischen Auslegung und den Windbedingungen ab.
Höhere Anlagen verursachen auch höhere Kosten
Größere Türme und Rotoren benötigen mehr Material. Hinzu kommen höhere Anforderungen an Statik, Fundamente, Transport und Montage.
Auch die Wartung wird aufwendiger, wenn sich Maschinenhaus und Rotor in größeren Höhen befinden.
Deshalb ist das höchste technisch realisierbare Windrad nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Entscheidend sind die zusätzlichen Stromerträge im Verhältnis zu den Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme beschreibt diesen Zusammenhang in seiner Untersuchung zu den Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien. Gerade an windschwächeren Standorten können größere Nabenhöhen und Rotorflächen wirtschaftliche Vorteile bieten.
Wie hoch sind Windräder auf dem Meer?
Offshore-Windenergieanlagen stehen im Meer, in Deutschland vor allem in der Nordsee und Ostsee. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bauweise, Generatorleistung und Rotorgröße teilweise deutlich von Windkraftanlagen an Land.
Nach der Offshore-Jahresstatistik der Deutschen WindGuard erreichten die 2025 neu in Betrieb genommenen Anlagen durchschnittlich eine Nabenhöhe von 143 Metern und einen Rotordurchmesser von 211 Metern.
Daraus ergibt sich rechnerisch eine Gesamthöhe von ungefähr 249 Metern über dem maßgeblichen Wasserstand.
Ältere Offshore-Windräder sind wesentlich kleiner. Über alle bis Ende 2025 in Betrieb befindlichen Offshore-Anlagen gemittelt betrug die Nabenhöhe 97 Meter und der Rotordurchmesser 138 Meter. Die daraus abgeleitete mittlere Gesamthöhe lag bei rund 166 Metern.
Diese Zahlen zeigen, dass auch auf See zwischen dem gesamten Anlagenbestand und den neuesten Windkraftanlagen unterschieden werden muss.
Offshore-Rotoren erreichen mehr als 230 Meter Durchmesser
Ein Beispiel für die zunehmenden Dimensionen ist die Vestas V236-15.0 MW.
Der Offshore-Anlagentyp besitzt einen Rotordurchmesser von 236 Metern. Die überstrichene Rotorfläche beträgt nach Herstellerangaben 43.742 Quadratmeter. Die Nennleistung liegt bei 15 Megawatt.
Die Nabenhöhe ist bei diesem Anlagentyp standortspezifisch. Bei einer angenommenen Nabenhöhe von 150 Metern ergäbe sich eine Gesamthöhe von 268 Metern.
Anders als bei Anlagen an Land muss bei Offshore-Windrädern außerdem zwischen der Höhe über der Wasseroberfläche und der Gesamtlänge der Konstruktion einschließlich Fundament und Gründung unterschieden werden. Letztere reicht bei fest gegründeten Anlagen bis in den Meeresboden.
Das höchste Windrad der Welt steht in Brandenburg
Eine besondere Konstruktion erreichte am 28. September 2026 in Schipkau in Brandenburg ihre endgültige Höhe.
Der sogenannte GICON-Höhenwindturm ist insgesamt 365 Meter hoch. Seine Rotornabe befindet sich 300 Meter über dem Boden.
Nach Angaben der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND handelt es sich damit um die weltweit höchste Windenergieanlage.
Das Windrad erreicht nahezu die Höhe des Berliner Fernsehturms. Dieser misst 368 Meter und ist damit lediglich drei Meter höher.
Die Anlage unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Windrädern. Anstelle eines klassischen geschlossenen Turms nutzt sie eine Kombination aus einem Stahlgitter-Außenturm und einem teleskopierbaren Innenturm.
Die Konstruktion ermöglicht es, den bereits montierten Rotor mitsamt Maschinenhaus auf eine Nabenhöhe von 300 Metern anzuheben.
Damit sollen Windströmungen genutzt werden, die oberhalb der üblichen Rotorhöhen moderner Windkraftanlagen liegen.
Die Anlage erreichte Ende September 2026 ihre bauliche Endhöhe. Ihre Inbetriebnahme war für November 2026 vorgesehen. Prognosen über besonders hohe Stromerträge sind deshalb noch nicht mit gemessenen Betriebsergebnissen gleichzusetzen.
Höchstes seriengefertigtes Windrad erreicht 285 Meter
Ein weiterer Höhenrekord wurde 2026 in Bayern erreicht.
Auf dem Winnberg bei Sengenthal errichteten Max Bögl und Vestas eine Windenergieanlage mit einer Nabenhöhe von 199 Metern und einem Rotordurchmesser von 172 Metern.
Die daraus resultierende Gesamthöhe beträgt 285 Meter.
Laut Max Bögl handelt es sich um einen Rekord für seriengefertigte Onshore-Windkraftanlagen. Das Unternehmen meldete die Fertigstellung der Konstruktion am 8. September 2026.
Die Unterscheidung zwischen Serienanlagen und speziellen Versuchskonstruktionen ist bei Höhenrekorden wichtig. Der GICON-Höhenwindturm in Schipkau ist ein Pilotprojekt, während die Anlage bei Sengenthal auf einem seriengefertigten Turmsystem basiert.
Wie hoch sind Windräder im Vergleich zu bekannten Bauwerken?
Die Dimensionen moderner Windkraftanlagen werden im Vergleich mit bekannten Gebäuden anschaulicher.
| Bauwerk oder Windrad | Höhe |
|---|---|
| Kölner Dom | Rund 157 m |
| Durchschnittliche neue Onshore-Windenergieanlage 2025 | 222 m |
| Vestas V172 mit 175 m Nabenhöhe | 261 m |
| Serien-Windenergieanlage Winnberg 2026 | 285 m |
| Eiffelturm einschließlich Antenne | 330 m |
| GICON-Höhenwindturm Schipkau | 365 m |
| Berliner Fernsehturm | 368 m |
Ein modernes Windrad mit 250 Metern Gesamthöhe überragt somit den Kölner Dom deutlich.
Bei der Wahrnehmung spielt allerdings auch die Entfernung eine Rolle. Durch die frei stehende Konstruktion und die rotierenden Rotorblätter können Windenergieanlagen im Landschaftsbild besonders auffallen.
Wie hoch hängen die Rotorblätter über dem Boden?
Die tiefste Position der Rotorblattspitze ergibt sich aus der Nabenhöhe abzüglich des Rotorradius.
Untere Rotorhöhe = Nabenhöhe − Rotordurchmesser ÷ 2
Bei einer Windenergieanlage mit 170 Metern Nabenhöhe und 180 Metern Rotordurchmesser befindet sich die unterste Rotorblattspitze rechnerisch 80 Meter über dem Boden.
Der Abstand zwischen Rotorblatt und Boden wird häufig als untere Rotorhöhe oder lichte Höhe bezeichnet.
Dieser Wert ist aus mehreren Gründen relevant:
Er bestimmt unter anderem, in welcher Höhe sich die Rotorblätter über landwirtschaftlichen Nutzflächen und Hindernissen bewegen. Bei Windenergieanlagen im Wald ist außerdem entscheidend, wie viel Abstand zwischen der unteren Rotorblattspitze und den Baumkronen verbleibt.
Auch für die Bewertung möglicher Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse spielt die räumliche Lage des Rotors eine Rolle. Dabei sind die Flugaktivitäten der jeweiligen Arten und die örtlichen Bedingungen zu berücksichtigen.
Ein größerer Rotordurchmesser führt bei unveränderter Nabenhöhe zu einer geringeren unteren Rotorhöhe. Deshalb werden große Rotoren häufig mit entsprechend hohen Türmen kombiniert.
Gibt es eine maximale Höhe für Windräder?
In Deutschland gibt es keine einheitliche bundesweite Obergrenze, nach der sämtliche Windenergieanlagen beispielsweise höchstens 250 Meter hoch sein dürfen.
Wie hoch eine Windkraftanlage gebaut werden kann, hängt von verschiedenen technischen und rechtlichen Bedingungen ab.
Zu den maßgeblichen Aspekten gehören die Bauleit- und Regionalplanung, die Standsicherheit, die Luftfahrtsicherheit sowie Anforderungen des Immissions- und Naturschutzrechts.
Genehmigung von Windenergieanlagen
Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 50 Metern benötigen grundsätzlich eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz in Verbindung mit der 4. BImSchV.
Im Genehmigungsverfahren werden unter anderem Schallemissionen, Schattenwurf, Auswirkungen auf geschützte Arten sowie bau- und planungsrechtliche Anforderungen berücksichtigt.
Eine größere Anlagenhöhe kann beispielsweise den Schattenwurf verändern oder die Anforderungen an die Hinderniskennzeichnung für den Luftverkehr beeinflussen.
Höhe und Abstand zur Wohnbebauung
Bei der Planung spielt die Gesamthöhe auch für die Bewertung der Entfernung zwischen einer Windenergieanlage und Wohngebäuden eine Rolle.
Nach § 249 Absatz 10 Baugesetzbuch steht der öffentliche Belang einer optisch bedrängenden Wirkung einer Windenergieanlage in der Regel nicht entgegen, wenn der Abstand zur zulässigen Wohnnutzung mindestens der doppelten Gesamthöhe entspricht.
Für eine 250 Meter hohe Anlage wären das 500 Meter.
Diese Regel ist jedoch kein allgemeiner bundesweiter Mindestabstand. Weitere landesrechtliche Regelungen und die konkreten Umstände des Standorts können maßgeblich sein.
So sieht die Bayerische Bauordnung weiterhin besondere Abstandsbestimmungen für Windenergieanlagen vor. Für ausgewiesene Windenergiegebiete gelten allerdings wichtige Ausnahmen.
Windräder und Luftverkehr
Große Windenergieanlagen müssen bei der Planung auch hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf die Luftfahrt geprüft werden.
Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung werden Bauwerke ab 100 Metern über Grund in den Luftfahrtkarten berücksichtigt. Abhängig von Lage und Höhe können weitere Anforderungen entstehen, beispielsweise eine Kennzeichnung als Luftfahrthindernis.
Für entsprechend kennzeichnungspflichtige Windenergieanlagen besteht grundsätzlich die Pflicht zur bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung, soweit keine Ausnahme greift. Dabei wird die Nachtbefeuerung nur bei entsprechendem Bedarf aktiviert.
Die zulässige Bauhöhe kann außerdem durch die Nähe zu Flugplätzen oder andere luftfahrtbezogene Belange begrenzt werden.
Welche Rolle spielt die Höhe bei Windrädern auf landwirtschaftlichen Flächen?
Viele Onshore-Windenergieanlagen stehen auf oder in unmittelbarer Nähe landwirtschaftlicher Nutzflächen.
Für die Bewirtschaftung ist die Gesamthöhe der Anlage normalerweise weniger entscheidend als die tatsächliche Flächeninanspruchnahme durch Fundament, Zuwegung, Kranstellfläche und weitere Betriebseinrichtungen.
Ackerbau und Grünlandnutzung können auf angrenzenden Flächen grundsätzlich fortgesetzt werden. Die Rotorblätter bewegen sich bei modernen Großanlagen weit oberhalb der üblichen Arbeitshöhen landwirtschaftlicher Maschinen.
Allerdings entstehen durch Fundamente und dauerhaft befestigte Wege Flächen, die nicht mehr regulär bewirtschaftet werden können. Weitere Einschränkungen können sich aus der Grundstücksgestaltung und dem Betrieb der Anlage ergeben.
Für landwirtschaftliche Grundstückseigentümer sind deshalb neben den technischen Abmessungen insbesondere die Lage der benötigten Flächen, vertragliche Nutzungsrechte, Entschädigungen und Regelungen zum späteren Rückbau von Bedeutung.
Die Höhe kann außerdem die Standortplanung beeinflussen. Wird ein kleineres älteres Windrad durch eine wesentlich größere Anlage ersetzt, müssen die Abmessungen und Auswirkungen des neuen Anlagentyps erneut berücksichtigt werden.
Repowering: Warum ersetzen größere Windräder mehrere alte Anlagen?
Beim sogenannten Repowering werden bestehende Windenergieanlagen durch neuere, leistungsfähigere Modelle ersetzt.
Die Ersatzanlagen sind häufig deutlich höher und besitzen wesentlich größere Rotoren.
Ein praktisches Beispiel bietet der Windpark Warburg II in Nordrhein-Westfalen. Dort ist der Ersatz älterer Vestas-V80-Anlagen durch moderne Vestas-V162-Anlagen vorgesehen.
Die älteren Anlagen verfügen über eine Nabenhöhe von 100 Metern und einen Rotordurchmesser von 80 Metern. Ihre Gesamthöhe beträgt 140 Meter.
Die neuen V162-Anlagen sollen dagegen 250 Meter hoch sein und eine Nabenhöhe von 169 Metern erreichen.
Gleichzeitig soll die Anzahl der Windenergieanlagen von 16 auf sechs sinken.
Dieser Vergleich zeigt, weshalb größere Windräder trotz einer geringeren Anlagenzahl eine erheblich höhere installierte Leistung ermöglichen können. Wie sich der tatsächliche Jahresstromertrag verändert, hängt zusätzlich von der Standortqualität und der Auslegung des Windparks ab.
Wie lässt sich die Höhe eines bestimmten Windrads herausfinden?
Wer wissen möchte, wie hoch eine Windenergieanlage in der eigenen Umgebung ist, kann die technischen Angaben im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur recherchieren.
Das Register enthält unter anderem Angaben zum Standort, Hersteller, Anlagentyp, zur Nabenhöhe und zum Rotordurchmesser.
Aus diesen beiden Höhenangaben lässt sich die Gesamthöhe berechnen.
Ergänzende Informationen finden sich häufig in öffentlichen Genehmigungsunterlagen der zuständigen Behörden oder in den Projektbeschreibungen der Windparkbetreiber.
Besonders bei älteren Windenergieanlagen ist die genaue Typenbezeichnung hilfreich, da unterschiedliche Turmvarianten desselben Modells deutlich voneinander abweichende Gesamthöhen erreichen können.
Häufige Fragen zur Höhe von Windrädern
Wie hoch ist ein normales Windrad?
Ein durchschnittliches neues Windrad an Land erreichte in Deutschland 2025 eine Gesamthöhe von 222 Metern. Bei konkreten modernen Anlagen sind etwa 200 bis 270 Meter verbreitete Größenordnungen. Ältere Bestandsanlagen können deutlich niedriger sein.
Wie hoch ist ein Windrad ohne Rotorblätter?
Ohne Berücksichtigung der Rotorblätter wird häufig die Nabenhöhe genannt. Bei neuen Windenergieanlagen in Deutschland betrug sie 2025 durchschnittlich 146 Meter. Die tatsächliche Höhe des Turms beziehungsweise der Gondel kann konstruktionsbedingt etwas davon abweichen.
Wie lang sind die Rotorblätter eines Windrads?
Bei einem Rotordurchmesser von 160 Metern beträgt der Rotorradius 80 Meter. Die tatsächliche Rotorblattlänge weicht aufgrund der Rotornabe geringfügig davon ab. Große Offshore-Windenergieanlagen besitzen inzwischen Rotorblätter von mehr als 100 Metern Länge.
Wie hoch sind Windräder mit 5 Megawatt Leistung?
Die elektrische Nennleistung allein bestimmt die Höhe nicht. Eine Windenergieanlage mit einer Nennleistung von ungefähr 5 MW kann je nach Hersteller, Turmkonfiguration und Rotordurchmesser unterschiedliche Gesamthöhen erreichen. Viele moderne Anlagen dieser Leistungsklasse liegen in einer Größenordnung von etwa 200 bis 250 Metern.
Sind Offshore-Windräder höher als Windräder an Land?
Bei neu errichteten Anlagen können Offshore-Windräder höher sein und größere Rotoren besitzen. Im Jahr 2025 betrug die rechnerische mittlere Gesamthöhe neuer Offshore-Windkraftanlagen in Deutschland etwa 249 Meter, gegenüber durchschnittlich 222 Metern bei neuen Onshore-Anlagen. Der ältere Offshore-Anlagenbestand weist allerdings deutlich geringere mittlere Abmessungen auf.
Wie hoch ist das höchste Windrad der Welt?
Der GICON-Höhenwindturm in Schipkau in Brandenburg erreichte am 28. September 2026 eine Gesamthöhe von 365 Metern. Seine Nabenhöhe beträgt 300 Meter. Nach Angaben des Projektauftraggebers SPRIND handelt es sich um die höchste Windenergieanlage der Welt. Die Inbetriebnahme war für November 2026 vorgesehen.
Warum haben Windräder drei Rotorblätter?
Bei großen modernen Windenergieanlagen hat sich die Bauweise mit drei Rotorblättern etabliert. Sie bietet einen technisch günstigen Kompromiss zwischen Energieausbeute, mechanischer Belastung, Laufruhe und Materialbedarf. Die Anzahl der Rotorblätter bestimmt die Gesamthöhe nicht unmittelbar.
Können Windräder noch höher als 365 Meter werden?
Technisch sind weitere Höhensteigerungen denkbar. Ob solche Anlagen gebaut werden, hängt von ihrer Wirtschaftlichkeit, der technischen Auslegung und den jeweiligen Genehmigungsbedingungen ab. Der Höhenwindturm in Schipkau dient auch dazu, die Nutzung stärkerer Windströmungen in größeren Höhen praktisch zu erproben.
Wie groß sind kleine Windräder für den Eigenverbrauch?
Kleinwindkraftanlagen können nur wenige Meter hoch sein. Größere Modelle erreichen mehrere Dutzend Meter Gesamthöhe. Für Anlagen unterhalb von 50 Metern gelten in Deutschland andere genehmigungsrechtliche Rahmenbedingungen als für große Windenergieanlagen. Welche baurechtlichen Anforderungen im Einzelnen bestehen, richtet sich nach dem jeweiligen Bundesland.
Wo kann man die Höhe eines Windrads nachschauen?
Die Nabenhöhe und der Rotordurchmesser vieler Anlagen sind im öffentlich zugänglichen Marktstammdatenregister verzeichnet. Außerdem enthalten Genehmigungsbescheide, Umweltverträglichkeitsunterlagen und Herstellerinformationen häufig genaue Höhenangaben.
Quellen
Die technischen und statistischen Angaben basieren insbesondere auf folgenden Veröffentlichungen:
- Deutsche WindGuard / Bundesverband WindEnergie: Status des Windenergieausbaus an Land in Deutschland im Jahr 2025, veröffentlicht im Januar 2026.
- Deutsche WindGuard: Windenergie-Statistik 2025 einschließlich Offshore-Entwicklung.
- Umweltbundesamt: Windenergie an Land – Funktionsweise, Ertrag und Umweltauswirkungen.
- SPRIND: World’s Tallest Wind Turbine – Höhenwindturm Schipkau, 29. September 2026.
- Max Bögl: Windenergieprojekt Winnberg mit 199 Metern Nabenhöhe, 8. September 2026.
- Vestas: Technische Daten der Offshore-Windenergieanlage V236-15.0 MW.
- Bundesnetzagentur: Marktstammdatenregister.
- Bundesministerium der Justiz: § 249 Baugesetzbuch – Sonderregelungen für Windenergieanlagen.
- Deutsche Flugsicherung: Windenergie und Luftverkehr.
- Bundesverband Kleinwindanlagen: Rechtliche Rahmenbedingungen für Kleinwindenergieanlagen.
Stand: 8. Oktober 2026. Statistische Mittelwerte beziehen sich auf die jeweils angegebenen Erhebungsjahre. Rekordangaben unterscheiden zwischen errichteten Pilotanlagen, seriengefertigten Anlagen und bereits in Betrieb genommenen Windkraftanlagen.

