Die deutsche Milchindustrie steht vor herausfordernden Zeiten. Nach einem der besten Jahre für Milchpreise im Jahr 2025, in dem die Preise durchschnittlich über 52 Cent pro Kilogramm lagen, erleben Landwirte jetzt ein Fünf-Jahrestief mit einem Rückgang der Einnahmen um 25 Prozent. Gleichzeitig sind die Betriebskosten, insbesondere für Energie, Diesel und Dünger, um etwa 20 Prozent gestiegen. Diese Entwicklungen führen zu erheblichen finanziellen Belastungen auf den Milchviehbetrieben.
Überangebot drückt die Milchpreise
Der Hauptgrund für die derzeit niedrigen Milchpreise ist das Überangebot an Milch. Im Jahr 2026 lag die Anlieferungsmenge im Durchschnitt fünf Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Diese Entwicklung überrascht angesichts des fortschreitenden Strukturwandels in der Branche. Die Mai-Zählung des Jahres 2026 zeigt einen deutlichen Rückgang der Betriebe auf nur noch 47.157 mit insgesamt 3,6 Millionen Kühen.
Detlef Latka, Vorsitzender des Milchindustrieverbandes (MIV), betont die Notwendigkeit höherer Preise für Milchprodukte im Handel, damit Landwirte wirtschaftlich bestehen können. Er hofft auf positive Ergebnisse aus den laufenden Verhandlungen zur Preisfestsetzung von Trinkmilch und anderen Produkten.
Mögliche positive Marktentwicklungen
Der Verband sieht vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Die mildernden Faktoren sind eine sinkende Milchmenge aufgrund schlechter Ernten infolge von Dürreperioden und günstige Exportmöglichkeiten. Diese Entwicklungen könnten es ermöglichen, dem Handel bessere Argumente für Preissteigerungen zu liefern. Positiv wirken zudem stabile bis steigende Preise für Magermilchpulver und Butter sowie eine hohe Nachfrage nach Käse und proteinreichen Frischprodukten im Inland.
Pflanzliche Alternativen kein Risiko
Der MIV sieht pflanzliche Milchalternativen nicht als Bedrohung für die traditionelle Milchwirtschaft. Das Wachstum dieser Produkte hat sich verlangsamt und konkurriert laut Verband nicht direkt mit dem Konsum von Milchprodukten. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Agora Agrar und anderen Institutionen teilt diese Einschätzung jedoch nicht vollständig. Dennoch bleibt die Nachfrage nach traditionellen Milchprodukten wie Trinkmilch und Quark stark.
Konzentration in der Molkereibranche
Nicht nur die Preissituation bewegt die Branche: Fusionen wie zwischen Arla und DMK sowie Übernahmen wie die der Molkerei Rücker durch Meggle zeigen eine zunehmende Konzentration innerhalb der Molkereibranche. Der Verband erkennt diesen Trend an und sieht Zusammenschlüsse als Mittel gegen steigenden Kostendruck.
Latka verweist darauf, dass nur vier große Handelsgruppen fast 90 Prozent des Marktes kontrollieren, was den Molkereien einen Anreiz bietet, durch Kooperationen ihre Verhandlungsmacht zu stärken.
Bürokratische Hürden belasten zusätzlich
Zusätzlich wird die Branche durch umfangreiche bürokratische Anforderungen belastet. Der MIV-Vorsitzende fordert daher von der Politik einen stärkeren Abbau dieser Hindernisse. Unter Landwirtschaftsminister Alois Rainer gibt es zwar Fortschritte, doch diese erfolgen nach Ansicht des Verbands zu langsam. Ein Beispiel für unnötige Bürokratie ist die Zuckergetränkesteuer – ein Problemfeld, das nun durch Diskussionen über eine mögliche Plastiksteuer weiter verschärft werden könnte.
