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LED-Beleuchtung im Kuhstall richtig planen

Eine gute LED-Beleuchtung im Kuhstall beginnt nicht mit der Frage, wie viele Watt eine Leuchte hat. Entscheidend ist, wie viel Licht dort ankommt, wo sich die Kühe aufhalten, wie gleichmäßig der Stall ausgeleuchtet wird und wie sich die Beleuchtung über den Tagesverlauf steuern lässt.
Für die Tagesphase gelten bei laktierenden Milchkühen rund 150 Lux im Tierbereich als wichtige Orientierungsgröße. Während der Dunkelphase sollte die Beleuchtungsstärke dagegen möglichst niedrig bleiben und etwa 10 Lux nicht überschreiten. Hinzu kommen andere Anforderungen für Melkstand, Behandlungsbereiche, Trockensteher und Kälber.
Wer LED-Stallbeleuchtung plant, muss deshalb Beleuchtungsstärke, Montagehöhe, Lichtverteilung, Farbtemperatur, Schutz vor Feuchtigkeit und Stallluft, Dimmung und Steuerung gemeinsam betrachten.

Foto: LEDLife

Einen Überblick über die Anforderungen der Tiere gibt unser Beitrag Stallbeleuchtung für Rinder. Konkrete Beleuchtungsstärken nach Stallbereich sind unter Wie viel Lux braucht ein Kuhstall? zusammengestellt.

Erst den Stall planen, dann die Leuchten auswählen

Ein häufiger Fehler besteht darin, zunächst eine bestimmte LED-Leuchte auszuwählen und anschließend zu berechnen, wie viele davon benötigt werden. Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge.

Zunächst müssen die Anforderungen des Stalls feststehen:

  • Welche Flächen müssen beleuchtet werden?
  • Wie hoch ist das Gebäude?
  • Wo befinden sich Fress-, Liege- und Laufbereiche?
  • Wie viel Tageslicht fällt ein?
  • Wo stehen Stützen, Ventilatoren und andere Einbauten?
  • Welche Tiergruppen befinden sich im Stall?
  • Gibt es einen Melkstand oder ein automatisches Melksystem?
  • Welche Bereiche benötigen zusätzliches Arbeitslicht?
  • Welche Lichtprogramme sollen gefahren werden?

Erst danach lässt sich entscheiden, welche Leuchtenart, Leistung, Optik und Stückzahl sinnvoll sind.

150 Lux im Tierbereich statt direkt unter der Lampe

Für laktierende Milchkühe werden während der Tagesphase ungefähr 150 Lux in wichtigen Aufenthaltsbereichen empfohlen. Entscheidend ist dabei der Zusatz „im Tierbereich“.

Eine Leuchte kann unmittelbar unter dem Dach hohe Lichtwerte erzeugen, während in Bodennähe wesentlich weniger ankommt. Genau deshalb ist die reine Lumenangabe eines LED-Strahlers für die Planung nicht ausreichend.
Montagehöhe, Abstrahlwinkel und Abstand zwischen den Leuchten bestimmen gemeinsam, welche Beleuchtungsstärke später am Fressgang, in der Liegebox oder auf dem Laufgang gemessen wird.

Die LfL empfiehlt für eine gute Stallbeleuchtung etwa 150 Lux in Bodennähe während der Tagphase und maximal 10 Lux in der Dunkelphase.

Gleichmäßige Ausleuchtung ist wichtiger als hohe Spitzenwerte

Ein Stall ist nicht gut beleuchtet, nur weil unmittelbar unter jeder Lampe 300 oder 400 Lux gemessen werden.

Wenn zwischen den Leuchten gleichzeitig nur 50 Lux vorhanden sind, entstehen starke Hell-Dunkel-Unterschiede. Rinder benötigen länger als Menschen, um ihre Augen an unterschiedliche Helligkeiten anzupassen. Solche Übergänge können den Kuhverkehr beeinflussen.

Problematisch sind beispielsweise:

  • dunkle Bereiche zwischen zwei Leuchten,
  • starke Schatten durch Stützen,
  • dunkle Treibwege vor einem hellen Melkstand,
  • helle Lichtinseln vor automatischen Melksystemen,
  • starke Schlagschatten auf Laufgängen.

Die LED-Beleuchtung sollte deshalb nicht auf möglichst hohe Spitzenwerte, sondern auf eine möglichst gleichmäßige Beleuchtungsstärke ausgelegt werden.

Eine Lichtberechnung ist bei größeren Ställen sinnvoll

Bei einem größeren Milchviehstall lässt sich die notwendige Leuchtenzahl kaum zuverlässig anhand von Quadratmetern und Lumen überschlagen.

Eine professionelle Lichtberechnung beziehungsweise Beleuchtungssimulation berücksichtigt unter anderem:

  • Stallabmessungen,
  • Montagehöhe,
  • Position der Leuchten,
  • Abstrahlcharakteristik,
  • Reflexionseigenschaften der Flächen,
  • gewünschte Beleuchtungsstärke,
  • Gleichmäßigkeit,
  • mögliche Verschattungen.

Die LfL empfiehlt, Anzahl und Position der Leuchten über eine Beleuchtungssimulation zu ermitteln.

Das ist besonders bei hohen Ställen sinnvoll. Eine falsche Positionierung lässt sich später nur mit zusätzlichem Aufwand korrigieren.

Welche LED-Leuchten eignen sich für niedrige und hohe Kuhställe?

Die Bauform der Leuchte hängt unter anderem von der Montagehöhe ab.

Die LfL unterscheidet als grobe Orientierung zwischen LED-Langfeldleuchten für niedrigere Ställe bis ungefähr fünf Meter Deckenhöhe und LED-Strahlern für höhere Ställe ab etwa fünf Meter.

Das ist keine starre Grenze. Entscheidend ist die Lichtverteilung der konkreten Leuchte.
Ein breit abstrahlendes System kann bei geringer Montagehöhe eine gleichmäßige Fläche erzeugen. Bei großen Höhen werden dagegen häufig leistungsstärkere Strahler mit angepasster Optik benötigt.

Je höher die Montageposition, desto wichtiger wird eine sorgfältige Lichtberechnung.

Montagehöhe beeinflusst die Beleuchtungsstärke stark

Eine Leuchte unter dem First eines hohen Milchviehstalls kann einen großen Lichtstrom erzeugen und trotzdem am Boden enttäuschende Luxwerte liefern.

Die DLG zeigt in ihren Planungsbeispielen, dass große Montagehöhen die Beleuchtungsstärke im Tierbereich deutlich reduzieren können.

Einfach alle Leuchten möglichst hoch unter das Dach zu setzen, ist deshalb nicht automatisch sinnvoll.
Andererseits können zu tief montierte Leuchten stärker verschmutzen, mechanisch gefährdet sein oder mit Fahrzeugen und technischen Einrichtungen kollidieren.

Gesucht wird deshalb eine Position, die Lichtverteilung, Reinigung, Schutz und Wartung miteinander verbindet.

Stützen und Ventilatoren bei der Lichtplanung berücksichtigen

Die theoretisch optimale Leuchtenposition kann im realen Stall bereits durch andere Bauteile belegt sein.

Typische Hindernisse sind:

  • Binder,
  • Sparren,
  • Stützen,
  • Ventilatoren,
  • Futterleitungen,
  • Rohrleitungen,
  • Kabeltrassen,
  • Futterstationen,
  • Tore und technische Anlagen.

Eine Lampe hinter einem großen Ventilator kann auf dem Papier ausreichend Lichtleistung besitzen, in der Realität jedoch starke Schatten erzeugen.

Die DLG bezeichnet solche Einbauten als konkurrierende Montagen. Sie sollten bereits in der Beleuchtungssimulation berücksichtigt werden und nicht erst, wenn der Elektriker mit der Montage beginnt.

Welche Farbtemperatur sollte eine LED im Kuhstall haben?

Für Stallleuchten wird häufig neutralweißes bis tageslichtweißes Licht eingesetzt.

Die LfL nennt für gute Stallbeleuchtung einen Bereich von etwa 4.500 bis 6.000 Kelvin. Gleichzeitig sollte die Farbtemperatur nicht zum alleinigen Auswahlkriterium werden.

Eine höhere Kelvinzahl bedeutet nicht automatisch besseres Licht für Kühe und auch nicht automatisch mehr Helligkeit.

Für die Tiere sind zusätzlich Beleuchtungsstärke, Spektrum, Lichtdauer und Verteilung relevant. In Arbeitsbereichen kommen die Anforderungen des Menschen hinzu.
Die Unterschiede zwischen Warmweiß, Neutralweiß, Kaltweiß und biologisch wirksamen Spektralanteilen erklären wir ausführlicher unter Welche Lichtfarbe für Milchkühe?.

Auf die Farbwiedergabe achten

Neben Kelvin sollte im technischen Datenblatt der Farbwiedergabeindex Ra beziehungsweise CRI stehen.

Die LfL nennt mindestens Ra 80 als geeignete Größenordnung für Stallbeleuchtung. Besonders wichtig ist eine gute Farbwiedergabe in Arbeitsbereichen, in denen Mitarbeiter Tiere kontrollieren.

Im Melk- oder Behandlungsbereich müssen beispielsweise Veränderungen am Euter, Verschmutzungen, Verletzungen oder andere Auffälligkeiten erkennbar sein.

Eine Leuchte mit hoher Lichtleistung, aber schlechter Farbwiedergabe ist für solche Bereiche deshalb nicht automatisch geeignet.

IP65 ist im Rinderstall eine sinnvolle Mindestanforderung

Eine Stallleuchte arbeitet unter anderen Bedingungen als eine LED-Leuchte in einer Lagerhalle oder Werkstatt.

Im Kuhstall treten unter anderem auf:

  • Staub,
  • hohe Luftfeuchtigkeit,
  • Kondenswasser,
  • Spritzwasser,
  • Reinigungsmittel,
  • ammoniakhaltige Stallluft.

Die LfL nennt für robuste Stallleuchten mindestens IP65. Auch die DLG fordert im Melkbereich mindestens IP65 wegen Spritzwasser, Luftfeuchtigkeit und Reinigung.

IP65 bedeutet vereinfacht, dass das Gehäuse staubdicht ist und gegen Strahlwasser geschützt wird.

Das macht eine IP65-Leuchte jedoch nicht automatisch zu einer geeigneten Stallleuchte.

IP65 sagt nichts über Ammoniakbeständigkeit aus

Dieser Unterschied ist beim Kauf besonders wichtig.

Die IP-Schutzart beschreibt den Schutz gegen das Eindringen von Fremdkörpern und Wasser. Sie belegt nicht automatisch die Beständigkeit gegenüber ammoniakhaltiger Stallluft.

Ammoniak kann Materialien, Dichtungen, Elektronik und metallische Bauteile angreifen. Deshalb sollte bei Leuchten für Tierställe ausdrücklich geprüft werden, ob eine entsprechende Ammoniakbeständigkeit nachgewiesen wurde.

Die DLG führt eigene Prüfungen zur Ammoniakbeständigkeit von Stalltechnik und Leuchten durch. Dabei werden Produkte in einer Prüfkammer ammoniakhaltiger Stallluft ausgesetzt und anschließend auf Veränderungen untersucht.

Beim Produktvergleich ist deshalb eine konkrete Prüfung aussagekräftiger als eine allgemeine Werbeaussage wie „für Landwirtschaft geeignet“.

Auch Reinigung muss bei der Leuchtenwahl berücksichtigt werden

Stallleuchten verlieren mit zunehmender Verschmutzung Lichtleistung.

Staub, Spinnweben und Ablagerungen auf der Abdeckung reduzieren den Lichtstrom, der tatsächlich im Tierbereich ankommt. Gleichzeitig müssen die Leuchten regelmäßig gereinigt werden können.

Dabei kann wiederum Wasser mit erheblichem Druck zum Einsatz kommen.

Deshalb sollten nicht nur Schutzart und Ammoniakbeständigkeit geprüft werden, sondern auch die Reinigungsvorgaben des Herstellers. Bei geprüften Stallleuchten kann beispielsweise ein zulässiger Mindestabstand für die Hochdruckreinigung angegeben sein.

Leuchten sollten außerdem so montiert werden, dass sie erreichbar bleiben.

Eine schwer zugängliche Leuchte wird in der Praxis seltener gereinigt.

Verschmutzung bei der Planung einkalkulieren

Eine frisch installierte Anlage erreicht normalerweise höhere Luxwerte als dieselbe Beleuchtung nach längerer Betriebszeit.

Die DLG weist darauf hin, dass Verschmutzung und Temperatureinflüsse die Lichtleistung im Stall deutlich reduzieren können.

Deshalb ist es riskant, eine Anlage so knapp auszulegen, dass unmittelbar nach der Installation gerade 150 Lux erreicht werden.

Eine sinnvolle Lichtplanung berücksichtigt einen Wartungs- beziehungsweise Verschmutzungsfaktor.

Das bedeutet jedoch nicht, einfach wesentlich stärkere Leuchten einzubauen. Besser ist eine Kombination aus ausreichender Reserve, geeigneter Leuchtenposition und regelmäßiger Reinigung.

LEDs produzieren ebenfalls Wärme

LED-Leuchten werden häufig als „kaltes Licht“ bezeichnet.

Das ist nur teilweise richtig. Die LED gibt im Lichtstrahl wesentlich weniger Wärme ab als viele ältere Leuchtmittel, doch auch LED-Systeme erzeugen Verlustwärme.

Diese Wärme muss über Gehäuse oder Kühlflächen abgeführt werden.

Eine schlechte Wärmeableitung kann die Elektronik belasten und die Lebensdauer reduzieren.
Deshalb sollte eine LED-Stallleuchte nicht vollständig mit Staub bedeckt sein oder so eingebaut werden, dass die vorgesehene Wärmeabgabe verhindert wird.

Auch sehr hohe Temperaturen unmittelbar unter dem Stalldach können bei der Positionierung berücksichtigt werden müssen.

Watt sagt wenig über die Qualität einer Stallleuchte aus

Zwei LED-Leuchten mit jeweils 100 Watt können eine sehr unterschiedliche Lichtleistung besitzen.

Für den Vergleich ist deshalb der Lichtstrom in Lumen wichtiger als die Wattzahl allein.

Noch aussagekräftiger ist die Lichtausbeute:

Lumen pro Watt (lm/W).

Sie beschreibt, wie viel Lichtstrom eine Leuchte im Verhältnis zur aufgenommenen elektrischen Leistung erzeugt.

Doch selbst eine sehr hohe Effizienz garantiert keine gute Stallbeleuchtung.
Wenn eine Leuchte schlecht positioniert ist oder einen ungeeigneten Abstrahlwinkel besitzt, kann viel Licht dort landen, wo es gar nicht benötigt wird.

Deshalb sollte die Reihenfolge lauten:

  1. benötigte Beleuchtungsstärke bestimmen,
  2. Lichtverteilung planen,
  3. geeignete Leuchte auswählen,
  4. anschließend Energieverbrauch vergleichen.

Dimmung spart Energie und verbessert die Steuerung

Eine LED-Anlage muss nicht den ganzen Tag mit 100 Prozent Leistung betrieben werden.

In vielen Milchviehställen liefert Tageslicht einen erheblichen Teil der Beleuchtung. Bei Sonnenschein wäre es unnötig, gleichzeitig alle LEDs mit maximaler Leistung laufen zu lassen.

Dimmfähige Leuchten ermöglichen eine bedarfsgerechte Ergänzung des Tageslichts.

Ein Lichtfühler kann beispielsweise erkennen, dass natürlich bereits 120 Lux im Stall vorhanden sind. Die LED-Anlage muss dann nur noch die Differenz bis zum gewünschten Niveau ergänzen.

Das spart Strom und verhindert unnötige Überbeleuchtung.

Zeitschaltuhr und Dämmerungssensor kombinieren

Für eine automatische Steuerung sind zwei Informationen relevant:

Wie spät ist es? Das bestimmt, ob sich der Stall grundsätzlich in der geplanten Tages- oder Nachtphase befindet.
Wie hell ist es aktuell? Das bestimmt, wie viel künstliches Licht innerhalb der Tagesphase benötigt wird.

Deshalb ist die Kombination aus Zeitschaltung und Helligkeitssensor sinnvoll.

Die Zeitschaltung legt die Photoperiode fest.
Der Sensor regelt innerhalb dieses Zeitfensters die LED-Leistung entsprechend dem vorhandenen Tageslicht.

Nachts darf der Sensor die Anlage nicht einfach wieder hochregeln, nur weil es draußen dunkel ist. Dann würde ausgerechnet während der gewünschten Dunkelphase die Beleuchtung eingeschaltet.

Wie lang die Licht- und Dunkelphasen für unterschiedliche Tiergruppen sein sollten, erläutert Wie lange brauchen Kühe Licht und Dunkelheit?.

Trockensteher brauchen einen eigenen Lichtkreis

Bei laktierenden Kühen und Trockenstehern unterscheiden sich die empfohlenen Lichtprogramme deutlich.

Für laktierende Tiere werden Langtagbedingungen genutzt. Trockensteher sollen dagegen möglichst eine kurze Lichtphase erhalten.

Stehen beide Gruppen unter derselben Beleuchtungsanlage, lässt sich diese Differenz kaum umsetzen.

Eine Beleuchtungssanierung ist deshalb ein guter Zeitpunkt, getrennte Schaltkreise einzurichten.

Beispielsweise können laktierende Kühe, Trockensteher, Melkbereich und Nachtbeleuchtung jeweils getrennt gesteuert werden.

Tages- und Nachtlicht technisch trennen

Eine gute LED-Anlage sollte mindestens zwischen Tages- und Nachtbetrieb unterscheiden können.

Praktisch können beispielsweise folgende Kreise entstehen:

LichtkreisAufgabe
TagesbeleuchtungFressen, Liegen, Laufen
Trockenstehereigenes Kurztagprogramm
MelkbereichArbeits- und Tierbeleuchtung
Nachtlichtsehr schwache Orientierung
Behandlungsbereichseparat zuschaltbares helles Arbeitslicht

Damit muss bei einer nächtlichen Tierkontrolle nicht die komplette Tagesbeleuchtung eingeschaltet werden.

Für eine Orientierungsbeleuchtung kann unter bestimmten Bedingungen auch schwaches rotes Licht verwendet werden. Die Grenzen dieses Ansatzes erklären wir unter Rotlicht im Kuhstall.

Flimmern bei LEDs nicht übersehen

LEDs können für das menschliche Auge scheinbar vollkommen ruhig leuchten und trotzdem schnelle Helligkeitsschwankungen erzeugen.

Die Ursache liegt häufig nicht in der LED selbst, sondern in:

  • Netzteilen,
  • Treibern,
  • Dimmern,
  • Pulsweitenmodulation,
  • schlechter Elektronik.

Rinder besitzen ein anderes zeitliches Auflösungsvermögen als Menschen. Deshalb sollte bei Stallleuchten auf geringe Flimmer- beziehungsweise Flickerwerte geachtet werden.

Vor allem bei gedimmten LEDs ist entscheidend, wie die Dimmung technisch umgesetzt wird.

Ein eigener Beitrag zur flimmerfreien LED-Beleuchtung folgt innerhalb dieses Themenclusters.

Retrofit-Lösungen kritisch prüfen

Beim Umbau älterer Stallanlagen erscheint es zunächst attraktiv, vorhandene Leuchtstoffröhren einfach gegen LED-Röhren auszutauschen.

Solche Retrofit-Lösungen sind jedoch nicht automatisch technisch gleichwertig mit einer für LED konstruierten Stallleuchte.

Die DLG weist unter anderem darauf hin, dass beim Einsatz nicht vorgesehener Ersatzleuchtmittel Fragen zu Zulassung, Wärmeentwicklung, Produkthaftung und Herstellergarantie entstehen können.

Bei einer größeren Sanierung sollte deshalb geprüft werden, ob der Austausch kompletter Leuchten technisch sinnvoller ist als lediglich der Wechsel des Leuchtmittels.

Hinzu kommt: Die bestehende Positionierung wurde häufig für ein anderes Leuchtmittel geplant. Eine neue LED mit anderer Lichtverteilung kann dort ein völlig anderes Ergebnis erzeugen.

Alte Leuchtenpositionen nicht automatisch übernehmen

Dass an einer bestimmten Stelle bereits seit 20 Jahren eine Lampe hängt, bedeutet nicht, dass diese Stelle auch für eine neue LED optimal ist.

Bei einer Sanierung sollten deshalb vorhandene Montagepunkte hinterfragt werden.

Eine moderne LED kann:

  • einen anderen Abstrahlwinkel besitzen,
  • mehr Licht erzeugen,
  • eine andere Lichtverteilung haben,
  • eine andere Montagehöhe benötigen.

Wer lediglich alte Leuchten eins zu eins ersetzt, verschenkt einen Teil der Möglichkeiten einer neuen Anlage.

Eine Beleuchtungssanierung sollte deshalb wie eine Neuplanung behandelt werden.

Vor dem Kauf eine Musterleuchte testen

Bei größeren Anlagen kann es sinnvoll sein, zunächst eine oder mehrere Musterleuchten im Stall zu installieren.

So lässt sich unter realen Bedingungen prüfen:

  • tatsächlicher Helligkeitseindruck,
  • Schattenbildung,
  • Blendung,
  • Lichtfarbe,
  • Montage,
  • Reinigungsmöglichkeit,
  • Dimmverhalten.

Eine solche Probe ersetzt keine Lichtberechnung, kann sie aber sinnvoll ergänzen.

Besonders bei einem Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Leuchtensystemen lassen sich damit Probleme erkennen, bevor der gesamte Stall ausgestattet ist.

Luxwerte nach der Installation kontrollieren

Nach Abschluss der Installation sollte geprüft werden, ob die geplanten Werte tatsächlich erreicht werden.

Dafür reicht eine Messung unmittelbar unter einer Leuchte nicht aus.

Gemessen werden sollte an mehreren Stellen, beispielsweise:

  • Fressgang,
  • Liegebereich,
  • Laufgang,
  • Randbereiche,
  • zwischen zwei Leuchten,
  • Übergang zum Melkstand.

Besonders interessant sind die schwächsten Messpunkte.

Wenn unter den Lampen 250 Lux und dazwischen nur 70 Lux gemessen werden, ist eine durchschnittliche Zahl wenig aussagekräftig.

Eine ausführliche Anleitung zur Bewertung der Beleuchtungsstärke gibt der Beitrag Wie viel Lux braucht ein Kuhstall?.

Tageslicht nicht verschenken

LED-Beleuchtung sollte vorhandenes Tageslicht ergänzen und nicht dagegen arbeiten.

Offene Seitenwände, Curtains, Lichtfirste und andere transparente Flächen können tagsüber große Lichtmengen in den Stall bringen.

Ein intelligentes System reduziert dann die LED-Leistung automatisch.

Dabei sollte auch der Zustand der Tageslichtflächen berücksichtigt werden. Verschmutzte Lichtplatten oder stark gealterte transparente Bauteile können den Tageslichteinfall deutlich reduzieren.

Manchmal kann deshalb bereits die Reinigung oder Sanierung vorhandener Lichtflächen einen Teil des Beleuchtungsproblems lösen.

Was beim Angebot für LED-Stallbeleuchtung stehen sollte

Ein Angebot sollte mehr enthalten als Stückzahl, Watt und Preis.

Für eine belastbare Beurteilung sind mindestens folgende Angaben hilfreich:

AngabeWarum wichtig?
Lichtstrom in Lumenerzeugte Lichtmenge
Lichtausbeute lm/WEnergieeffizienz
Farbtemperatur KelvinLichtfarbe
Ra/CRIFarbwiedergabe
Lichtverteilung/OptikAusleuchtung des Stalls
IP-SchutzartSchutz gegen Staub und Wasser
AmmoniakbeständigkeitWiderstand gegen Stallluft
Dimmbarkeitautomatische Lichtsteuerung
Flickerwertezeitliche Lichtqualität
zulässige UmgebungstemperaturEinsatzbedingungen
Garantiewirtschaftliches Risiko
Beleuchtungssimulationgeplante Luxverteilung

Zusätzlich sollte aus der Lichtplanung hervorgehen, welche Luxwerte an welchen Messpunkten beziehungsweise Bewertungsflächen erreicht werden sollen.

Nur so lassen sich zwei Angebote sinnvoll miteinander vergleichen.

Typische Fehler bei LED-Beleuchtung im Kuhstall

Viele Fehler lassen sich bereits vor der Montage vermeiden.

Nur Watt vergleichen: Eine höhere elektrische Leistung bedeutet nicht automatisch eine bessere Ausleuchtung.
Nur Lumen vergleichen: Viel Licht bringt wenig, wenn es an der falschen Stelle landet.
Zu wenige starke Strahler einsetzen: Dadurch entstehen helle Inseln und dunkle Zwischenräume.
Montagehöhe ignorieren: Bei großen Höhen kann am Tier deutlich weniger Licht ankommen.
IP65 mit Stallbeständigkeit gleichsetzen: Ammoniakbeständigkeit muss separat betrachtet werden.
Tageslicht ignorieren: LEDs brennen unnötig mit voller Leistung.
Alle Tiergruppen gemeinsam schalten: Trockensteher erhalten dann möglicherweise dasselbe Lichtprogramm wie laktierende Kühe.
Keine Dunkelphase planen: Eine gute Tagesbeleuchtung allein ergibt noch kein gutes Lichtmanagement.
Flimmern nicht prüfen: Gerade bei LED-Treibern und Dimmung kann dies relevant sein.
Keine Kontrollmessung durchführen: Planwerte und tatsächliche Beleuchtung können voneinander abweichen.

LED-Stallbeleuchtung Schritt für Schritt planen

Für einen Neubau oder eine Sanierung ergibt sich damit eine sinnvolle Reihenfolge:

1. Stallbereiche erfassen. Fressen, Liegen, Laufen, Melken, Behandeln, Kälber und Trockensteher getrennt betrachten.
2. Zielwerte festlegen. Benötigte Luxwerte und Lichtzeiten für jeden Bereich bestimmen.
3. Tageslicht erfassen. Fenster, offene Seiten und Lichtflächen berücksichtigen.
4. Leuchten auswählen. Lichtstrom, Optik, Farbtemperatur, Farbwiedergabe und Stallbeständigkeit vergleichen.
5. Beleuchtung simulieren. Stückzahl, Position und Montagehöhe festlegen.
6. Lichtkreise planen. Tages-, Nacht-, Arbeits- und Tiergruppenbeleuchtung voneinander trennen.
7. Steuerung festlegen. Zeitschaltung, Tageslichtsensor und Dimmung kombinieren.
8. Montage durchführen. Verschattung durch Bauteile und Technik vermeiden.
9. Lux messen. Nach der Installation an mehreren Stellen kontrollieren.
10. Wartung einplanen. Leuchten regelmäßig reinigen und Funktion sowie Lichtleistung kontrollieren.

Eine LED-Beleuchtung im Kuhstall sollte damit nicht als einfacher Lampentausch verstanden werden. Erst das Zusammenspiel aus geeigneter Leuchte, richtiger Position, gleichmäßiger Ausleuchtung und passender Steuerung macht aus LEDs ein funktionierendes Stallbeleuchtungssystem.


Quellen

  • DLG – Merkblatt 415: Beleuchtung und Beleuchtungstechnik im Rinderstall. Grundlagen zu Beleuchtungsstärke, Lichtverteilung, Montage, IP-Schutz, Lichtsteuerung und technischen Anforderungen im Milchviehstall.
    DLG-Merkblatt 415 öffnen
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Licht im Milchviehstall. Empfehlungen zu LED-Langfeldleuchten und Strahlern nach Stallhöhe, 150 Lux am Tag, maximal 10 Lux nachts, mindestens IP65, Farbwiedergabe, Farbtemperatur und automatischer Steuerung.
    LfL: Licht im Milchviehstall öffnen
  • DLG – Prüfung LEDVANCE DAMP PROOF SPECIAL. Beispiel für die getrennte Prüfung von Ammoniakbeständigkeit und Reinigungsabstand bei einer Stallleuchte.
    DLG-Prüfbericht öffnen
  • DLG – Prüfung Schuch LUXANO 2 LW. Beispiel einer Stallleuchtenprüfung mit Ammoniakbeständigkeit, Lichtstromerhalt und Reinigungsabstand.
    DLG-Prüfbericht öffnen