Rotlicht wird in Milchviehställen vor allem als Nacht- und Orientierungsbeleuchtung eingesetzt. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Der Landwirt soll Kühe, Laufgänge oder einen Melkroboter kontrollieren können, ohne den Stall mit hellem weißem Licht auszuleuchten. Rinder reagieren auf langwelliges rotes Licht anders als Menschen und weniger empfindlich als auf Teile des blau-grünen Spektrums. Daraus wird allerdings häufig eine zu einfache Aussage abgeleitet: Kühe könnten Rotlicht nicht sehen.

Das stimmt so nicht. Rotes Licht ist für Rinder nicht unsichtbar. Untersuchungen zeigen, dass Rinder langwellige Lichtreize wahrnehmen und zwischen unterschiedlichen Spektralbereichen unterscheiden können. Rotlicht kann deshalb für die Nachtbeleuchtung interessant sein, ersetzt aber keine echte Dunkelphase.
Wie Lichtfarbe, Farbtemperatur und Spektrum grundsätzlich auf Rinder wirken, erklären wir ausführlich unter Welche Lichtfarbe für Milchkühe?. Einen Überblick über das gesamte Lichtmanagement gibt der Beitrag Stallbeleuchtung für Rinder.
Warum wird Rotlicht im Kuhstall eingesetzt?
Für den Menschen entsteht bei roter Beleuchtung noch genügend visuelle Orientierung, während das Rinderauge auf langwellige Strahlung weniger empfindlich reagiert als auf andere Bereiche des sichtbaren Spektrums. Deshalb werden rote LEDs beispielsweise für nächtliche Kontrollgänge, Abkalbebuchten oder als Orientierungslicht an automatischen Melksystemen angeboten.
Das Grundprinzip ist also nicht falsch. Problematisch wird es erst, wenn daraus geschlossen wird, dass rotes Licht beliebig hell sein oder während der gesamten Nacht ohne Einfluss auf die Tiere brennen könne.
Für die biologische Wirkung von Licht sind mehrere Faktoren entscheidend:
- Spektrum beziehungsweise Wellenlänge,
- Beleuchtungsstärke,
- Lichtmenge am Auge,
- Dauer der Beleuchtung,
- Verteilung des Lichts,
- Zeitpunkt innerhalb des Tag-Nacht-Rhythmus.
Rot ist deshalb nur eine Eigenschaft der Beleuchtung.
Können Kühe rotes Licht sehen?
Ja. Die pauschale Behauptung, Kühe seien „rotblind“, ist irreführend.
Rinder sind Dichromaten. Ihr Farbsehen basiert auf zwei Typen von Zapfen, während Menschen normalerweise drei Zapfentypen besitzen. Das Wahrnehmungssystem des Rindes reagiert besonders empfindlich auf kürzere und mittlere Wellenlängen im blauen sowie grünlich-gelben Bereich. Die Empfindlichkeit nimmt zum langwelligen roten Bereich hin ab.
Weniger empfindlich bedeutet jedoch nicht unsichtbar.
In Versuchen konnten Rinder beziehungsweise Kälber langwellige Lichtreize von kürzeren und mittleren Wellenlängen unterscheiden. Auch Verhaltensuntersuchungen zeigen, dass Licht aus dem roten Spektralbereich vom Tier verarbeitet werden kann.
Für die Praxis sollte deshalb nicht mit der Aussage gearbeitet werden:
„Die Kuh sieht Rotlicht nicht.“
Präziser ist:
Rinder nehmen rotes Licht anders und unter bestimmten Bedingungen schwächer wahr als Menschen und als Licht aus anderen Spektralbereichen.
Warum reagieren Rinder auf Rotlicht anders?
Die Ursache liegt im Aufbau des Rinderauges.
Die spektrale Empfindlichkeit der Photorezeptoren ist nicht über den gesamten sichtbaren Bereich gleich. Das Rinderauge besitzt keine identische Farbwahrnehmung wie das menschliche Auge. Langwellige Lichtanteile lösen daher andere visuelle Reaktionen aus als beispielsweise blaues oder weißes Licht.
Das zeigt sich unter anderem an der Pupillenreaktion.
In einer Untersuchung mit roten, blauen und weißen LED-Lichtbedingungen wurde bei steigender Intensität von weißem und blauem Licht eine deutliche Verengung der Pupille gemessen. Bei der untersuchten roten Beleuchtung zeigte sich diese Reaktion nicht in vergleichbarem Umfang.
Das bedeutet jedoch nicht, dass kein rotes Licht die Netzhaut erreicht. Gerade deshalb ist die Pupillenreaktion allein kein Beweis dafür, dass rotes Licht für das Tier unsichtbar oder biologisch bedeutungslos wäre.
Stört Rotlicht Kühe nachts?
Das lässt sich nicht allein anhand der Farbe beantworten.
Eine sehr schwache rote Orientierungsbeleuchtung ist etwas anderes als ein intensiv rot ausgeleuchteter Stall. Ebenso macht es einen Unterschied, ob eine Lampe für fünf Minuten während eines Kontrollgangs eingeschaltet oder acht Stunden lang betrieben wird.
Für die Nacht gilt daher dieselbe Grundregel wie bei anderer Beleuchtung:
So wenig Licht wie möglich und nur so viel wie notwendig.
Die DLG empfiehlt während der eigentlichen Dunkelphase eine Beleuchtungsstärke von höchstens etwa 10 Lux. Diese Empfehlung bezieht sich unter anderem auf Orientierungsbeleuchtung und die Beleuchtung an automatischen Melksystemen.
Wie lange die Dunkelphase bei laktierenden Kühen und Trockenstehern dauern sollte, behandeln wir unter Wie lange brauchen Kühe Licht und Dunkelheit?.
Bedeutet rotes Licht automatisch weniger als 10 Lux?
Nein. Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke sind zwei unterschiedliche Eigenschaften.
Eine rote LED kann sehr schwach leuchten, aber auch eine hohe Lichtleistung besitzen. Dass eine Leuchte rot ist, sagt deshalb zunächst nichts darüber aus, wie intensiv sie betrieben wird.
Hinzu kommt ein messtechnisches Problem: Lux bewertet Licht entsprechend der spektralen Empfindlichkeit des menschlichen Auges. Die spektrale Empfindlichkeit des Rindes unterscheidet sich davon.
Gerade beim Vergleich verschiedenfarbiger Lichtquellen sollte ein Luxwert deshalb nicht als vollständiges Maß dafür verstanden werden, wie stark das Licht für eine Kuh wirkt.
Für die praktische Stallplanung bleibt Lux trotzdem eine wichtige Messgröße. Bei farbiger Beleuchtung sollte der Wert jedoch zusammen mit Spektrum, Leistung und Anwendung betrachtet werden.
Mehr zu dieser Problematik steht unter Wie viel Lux braucht ein Kuhstall?.
Brauchen Kühe nachts überhaupt Rotlicht?
Nicht zwingend.
Eine interessante Untersuchung aus Schweden prüfte, wie trockenstehende Kühe einen Hindernisparcours unter unterschiedlichen Lichtbedingungen bewältigten. Die Tiere wurden unter weißem und rotem Licht mit unterschiedlichen Intensitäten und unterschiedlicher Gleichmäßigkeit sowie bei Dunkelheit getestet.
Ein bemerkenswertes Ergebnis: Dunkelheit verringerte weder die Gehgeschwindigkeit noch die Schrittfrequenz der Tiere.
Die Kühe waren also grundsätzlich in der Lage, sich auch ohne künstliche Nachtbeleuchtung durch den Versuchsbereich mit Hindernissen zu bewegen.
Das passt zur Anatomie des Rinderauges. Rinder verfügen über ein gutes Dämmerungssehen und können mit wesentlich weniger Licht zurechtkommen als Menschen.
Rotlicht wird nachts daher oft weniger für die Kuh als für den Menschen benötigt.
Ungleichmäßiges Rotlicht kann die Bewegung beeinflussen
Die gleiche Untersuchung zeigt jedoch noch einen zweiten wichtigen Punkt.
Unter einer bestimmten ungleichmäßig verteilten roten Beleuchtung bewegten sich die Kühe langsamer als bei gleichmäßigem roten oder weißen Licht.
Das ist für die Stallplanung mindestens ebenso interessant wie die Frage nach der Farbe.
Eine einzelne rote Lampe, die einen kleinen Bereich stark beleuchtet und daneben tiefe Schatten erzeugt, ist deshalb nicht automatisch eine gute Nachtbeleuchtung.
Rinder passen sich langsamer an starke Helligkeitsunterschiede an. Besonders auf Laufwegen sollte deshalb vermieden werden, dass sich helle Lichtinseln und sehr dunkle Bereiche abwechseln.
Wenn Nachtlicht notwendig ist, sollte es möglichst:
- schwach,
- gleichmäßig,
- blendfrei,
- ohne harte Schatten
eingesetzt werden.
Rotlicht oder vollständige Dunkelheit?
Wenn aus betrieblicher Sicht nachts keine Beleuchtung benötigt wird, gibt es keinen Grund, allein für die Kühe permanent Rotlicht einzuschalten.
Die Tiere benötigen eine Dunkelphase für ihren circadianen Rhythmus. Unter Dunkelheit steigt normalerweise die Melatoninkonzentration an, während Licht die Melatoninbildung beeinflussen kann.
Für laktierende Milchkühe wird häufig ein Lichtprogramm von ungefähr 16 Stunden Licht und 8 Stunden Dunkelheit untersucht. Trockensteher werden dagegen häufig mit einem Kurztag von etwa 8 Stunden Licht und 16 Stunden Dunkelheit gehalten.
Permanent eingeschaltetes Rotlicht sollte deshalb nicht automatisch als Dunkelheit betrachtet werden.
Wo völlige Dunkelheit betrieblich möglich ist, ist sie die klarste Form einer Dunkelphase.
Wann kann Rotlicht im Kuhstall sinnvoll sein?
Ein sinnvoller Einsatzbereich sind Situationen, in denen Menschen nachts eine gewisse Orientierung benötigen, eine normale weiße Stallbeleuchtung aber unnötig hell wäre.
Typische Beispiele sind:
Nächtliche Kontrollgänge:
Der Tierhalter kann Tiere und Laufwege erkennen, ohne die komplette Tagesbeleuchtung einzuschalten.
Abkalbebereich:
Eine schwache Grundbeleuchtung kann nächtliche Kontrollen erleichtern. Für eine Geburtshilfe oder Untersuchung sollte zusätzlich eine ausreichende Arbeitsbeleuchtung verfügbar sein.
Melkroboter:
Ein sehr schwaches Orientierungslicht kann die Kontrolle des AMS erleichtern. Dabei sollte die Dunkelphase der übrigen Stallbereiche erhalten bleiben.
Verbindungs- und Laufwege:
Falls eine Beleuchtung aus betrieblichen oder sicherheitstechnischen Gründen notwendig ist, kann schwaches Licht die Orientierung für Menschen verbessern.
Rotlicht sollte dabei nicht die einzige Beleuchtung im jeweiligen Bereich sein. Für Behandlungen, Reinigung und genaue Tierkontrollen wird weiterhin ausreichend helles weißes Arbeitslicht benötigt.
Rotlicht am Melkroboter
Bei automatischen Melksystemen ist die Nachtbeleuchtung besonders interessant, weil Tiere den Bereich grundsätzlich rund um die Uhr aufsuchen können.
Eine häufig anzutreffende Lösung besteht darin, die normale Stallbeleuchtung während der Dunkelphase auszuschalten und am AMS nur eine schwache Orientierungsbeleuchtung zu betreiben.
Dabei sollte vermieden werden, rund um den Roboter eine sehr helle Lichtinsel zu erzeugen. Die DLG nennt für Orientierungslicht am AMS während der Dunkelphase maximal etwa 10 Lux.
Noch wichtiger kann eine gleichmäßige Gestaltung der Übergangsbereiche sein. Eine Kuh, die von einem sehr dunklen Laufgang unmittelbar in einen stark beleuchteten Roboterbereich tritt, muss sich an den Helligkeitsunterschied anpassen.
Das Thema wird deshalb im eigenen Beitrag Beleuchtung am Melkroboter ausführlicher behandelt.
Kann Rotlicht die Milchleistung erhöhen?
Für ein pauschales Leistungsversprechen gibt es keine ausreichende Grundlage.
Eine Untersuchung verglich rote, blaue und weiße LED-Lichtbedingungen bei Milchkühen. Die Forscher untersuchten unter anderem Pupillenreaktion, Melatonin, Aktivität und Milchproduktion.
Bei der Milchleistung und Aktivität zeigten sich keine Ergebnisse, aus denen sich eine einfache Empfehlung ableiten ließe, rote Beleuchtung führe generell zu mehr Milch.
Die Autoren kamen vielmehr zu dem Schluss, dass die spektrale Zusammensetzung gegenüber Dauer und Intensität des Lichts eine untergeordnete Rolle spielen kann.
Für die Praxis ist das eine wichtige Einordnung.
Wer seine Stallbeleuchtung verbessern möchte, sollte zuerst sicherstellen, dass:
- während der Tagesphase ausreichend Licht vorhanden ist,
- die Beleuchtung gleichmäßig verteilt wird,
- eine echte Dunkelphase besteht,
- die Lichtdauer zur Tiergruppe passt,
- unnötiges Flimmern vermieden wird.
Erst danach stellt sich die Frage nach speziellen Farbspektren.
Ist Rotlicht für die Tagesbeleuchtung geeignet?
Für die normale Tagesbeleuchtung eines Milchviehstalls spricht wenig dafür, ausschließlich rotes Licht einzusetzen.
Die DLG weist darauf hin, dass die wahrgenommene Helligkeit bei Rindern im Blau-Grün-Bereich besonders hoch ist und im roten Bereich geringer ausfällt. Lichtquellen mit stark ausgeprägtem Rotanteil werden deshalb für die normale Beleuchtung des Rinderbereichs nicht empfohlen.
Tagsüber geht es darum, eine deutliche helle Phase zu erzeugen und den Tieren eine gute visuelle Orientierung zu ermöglichen.
Dafür ist weißes Licht mit geeignetem Spektrum sinnvoller als eine rein rote Beleuchtung.
Rotlicht ist daher in erster Linie ein Thema für spezielle Nacht- und Orientierungssituationen, nicht für die allgemeine Tagesbeleuchtung.
Ist Rotlicht besser als warmweißes Nachtlicht?
Das lässt sich nicht allein anhand der Farbe entscheiden.
Warmweißes Licht besitzt normalerweise einen geringeren Blauanteil als kaltweißes Licht. Trotzdem bleibt auch warmweißes Licht biologisch wirksames Licht, wenn die Beleuchtungsstärke ausreichend hoch ist.
Eine warmweiße Stallbeleuchtung mit 100 Lux wird nicht zu einer geeigneten Dunkelphase, nur weil sie 3.000 Kelvin besitzt.
Dasselbe gilt für rotes Licht.
Eine schwache rote Orientierungsleuchte kann sinnvoll sein. Ein Stall mit kräftigen roten Strahlern ist deshalb aber nicht automatisch „dunkel“.
Für die Nacht sollten immer mindestens drei Fragen beantwortet werden:
Wie hell ist es tatsächlich?
Wie lange brennt das Licht?
Wo benötigen wir es überhaupt?
Wie hell sollte Rotlicht im Kuhstall sein?
Eine allgemeingültige optimale Luxzahl speziell für rotes Nachtlicht lässt sich aus der derzeitigen Forschung nicht ableiten.
Deshalb sollte nicht mit einem vermeintlich perfekten Wert geplant werden.
Als übergeordnete Orientierung für die Dunkelphase gilt, den Bereich von etwa 10 Lux nicht zu überschreiten. Wenn weniger Licht ausreicht, sollte auch weniger eingesetzt werden.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Lux auf das menschliche Sehen abgestimmt ist. Gerade bei rotem Licht ist ein einfacher Vergleich mit weißem Licht deshalb nur eingeschränkt möglich.
Praktisch bedeutet das: Nachtbeleuchtung zunächst so niedrig wie möglich einstellen und anschließend prüfen,
- ob Mitarbeiter sicher arbeiten können,
- ob die Beleuchtung gleichmäßig ist,
- ob Blendung entsteht,
- ob unnötige Bereiche beleuchtet werden,
- ob eine helle Lichtinsel entsteht.
Eine dimmbare Lösung ist dafür meist besser geeignet als eine fest mit voller Leistung betriebene Leuchte.
Welche Wellenlänge sollte eine rote Stallleuchte haben?
Hersteller geben bei roten LEDs häufig eine dominante oder zentrale Wellenlänge in Nanometern an.
Allein daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Empfehlung für den Kuhstall ableiten.
Entscheidend ist nicht nur die nominelle Wellenlänge, sondern auch:
- tatsächliches Spektrum,
- Lichtintensität,
- Abstrahlung,
- Betriebsdauer,
- Montageposition,
- Fläche, die beleuchtet wird.
Eine Produktbeschreibung wie „rotes Tierlicht“ oder „Cow Night Light“ reicht deshalb nicht aus, um die Eignung einer Leuchte fachlich zu beurteilen.
Hersteller sollten ein technisches Datenblatt bereitstellen, aus dem zumindest die relevanten lichttechnischen Eigenschaften hervorgehen.
Rotlicht sollte separat schaltbar sein
Für einen neuen oder sanierten Stall ist es sinnvoll, Nacht- und Tagesbeleuchtung technisch voneinander zu trennen.
Eine mögliche Aufteilung besteht aus:
Tageslichtkreis: weiße Stallbeleuchtung für Fress-, Liege- und Laufbereiche.
Nachtlichtkreis: sehr schwache Orientierung, gegebenenfalls mit roten LEDs.
Arbeitslichtkreis: helles weißes Licht für Behandlungen, Abkalbung, Reinigung oder Reparaturen.
Damit muss nachts nicht die gesamte Tagesbeleuchtung eingeschaltet werden, nur weil eine Kuh kontrolliert werden soll.
Bei einer geplanten LED-Beleuchtung im Kuhstall sollten solche Lichtkreise bereits vor Auswahl und Montage der Leuchten berücksichtigt werden.
Bewegungsmelder statt Dauerlicht?
Für manche Bereiche kann ein Bewegungsmelder eine Alternative zur dauerhaft betriebenen Nachtbeleuchtung sein.
Dabei muss allerdings unterschieden werden, wer den Bewegungsmelder auslösen soll.
Ein System, das bei jeder Bewegung einer Kuh plötzlich helles weißes Licht einschaltet, wäre für die Dunkelphase kaum sinnvoll. In Bereichen, die ausschließlich Menschen betreten, kann eine bedarfsgesteuerte Arbeitsbeleuchtung dagegen Energie sparen und Dauerlicht vermeiden.
Eine mögliche Kombination wäre:
- schwaches oder kein dauerhaftes Nachtlicht,
- separat einschaltbares Arbeitslicht,
- Bewegungsmelder nur in geeigneten Arbeits- und Nebenbereichen.
Im Tierbereich sollte außerdem ein abruptes Wechseln zwischen sehr hell und sehr dunkel vermieden werden.
Rotlicht ersetzt keine gute Lichtplanung
Rotlicht wird häufig als einzelnes Produktmerkmal vermarktet. Für die Qualität einer Stallbeleuchtung ist es jedoch nur ein Baustein.
Auch eine hochwertige rote LED löst keine Probleme durch:
- falsche Lichtdauer,
- zu hohe Nachtbeleuchtung,
- starke Hell-Dunkel-Kontraste,
- schlecht positionierte Leuchten,
- Blendung,
- Flimmern,
- fehlende Trennung der Tiergruppen.
Gerade die Untersuchung zur Orientierung von Kühen zeigt, dass die Gleichmäßigkeit des Lichts eine praktische Rolle spielen kann.
Bei der Planung sollte deshalb zuerst der gesamte Stall betrachtet und anschließend entschieden werden, an welchen wenigen Stellen Nachtlicht tatsächlich notwendig ist.
Worauf beim Kauf von Rotlicht für den Kuhstall achten?
Eine rote Stallleuchte sollte nicht allein nach Wattzahl und Farbe gekauft werden. Sinnvoll sind Angaben zu:
- Spektrum beziehungsweise Wellenlänge,
- Lichtleistung,
- Abstrahlcharakteristik,
- Dimmbarkeit,
- Flimmerverhalten,
- Schutzart,
- Feuchtigkeitsbeständigkeit,
- Eignung für ammoniakhaltige Stallluft,
- Reinigungsbeständigkeit.
Zusätzlich ist entscheidend, wo die Leuchte montiert wird.
Ein schwacher Strahler direkt über einem Laufgang kann lokal eine völlig andere Lichtumgebung erzeugen als dieselbe Leuchte in größerer Montagehöhe.
Vor einer größeren Installation ist deshalb eine Lichtplanung oder zumindest ein praktischer Test im betreffenden Stallbereich sinnvoll.
Rotlicht im Kuhstall: sinnvoll, aber kein unsichtbares Licht
Rotlicht kann für nächtliche Kontroll- und Orientierungsaufgaben im Milchviehstall sinnvoll sein. Rinder reagieren auf langwellige rote Strahlung anders als auf blaues, grünes oder weißes Licht, und ihre visuelle Empfindlichkeit ist im roten Bereich geringer.
Daraus darf jedoch nicht die Aussage werden, Kühe könnten rotes Licht überhaupt nicht sehen.
Versuche zeigen, dass Rinder langwellige Lichtreize unterscheiden können. Auch ihre Bewegung kann durch die Art und Verteilung roter Beleuchtung beeinflusst werden. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass Kühe selbst in Dunkelheit gut genug sehen können, um sich in einem Versuchsbereich mit Hindernissen zu orientieren.
Die praktische Konsequenz ist einfach: Rotlicht dort einsetzen, wo es nachts einen konkreten Nutzen hat, und so schwach wie möglich betreiben. Wo kein Licht erforderlich ist, bleibt Dunkelheit die eindeutigste Nachtbedingung.
Für eine funktionierende Stallbeleuchtung sind Lichtdauer, Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit mindestens ebenso wichtig wie die Farbe der LED.
Quellen
- DLG – Merkblatt 415: Beleuchtung und Beleuchtungstechnik im Rinderstall. Grundlagen zur Farbwahrnehmung von Rindern, Beleuchtungsstärke, Dunkelphase und Orientierung am automatischen Melksystem. DLG-Merkblatt 415 öffnen
- Lindkvist et al., 2021 – Effects of achromatic and chromatic lights on pupillary response, endocrinology, activity, and milk production in dairy cows. Untersuchung zu rotem, blauem und weißem LED-Licht, Pupillenreaktion, Melatonin, Aktivität und Milchproduktion. Studie bei PubMed öffnen
- Lindkvist et al., 2023 – Effect of light intensity, spectrum, and uniformity on the ability of dairy cows to navigate through an obstacle course. Untersuchung zur Orientierung von Kühen bei Dunkelheit sowie unter roter und weißer Beleuchtung. Studie bei PubMed öffnen
- Phillips & Lomas – The perception of color by cattle and its influence on behavior. Verhaltensversuche zur Unterscheidung kurzer, mittlerer und langer Wellenlängen durch Rinder. Studie bei PubMed öffnen
