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Russland eskaliert Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen und Frachter

Die erneuten russischen Angriffe auf die ukrainischen Schwarzmeerhäfen und Getreidefrachter haben zu großer Besorgnis in Kiew geführt. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte kürzlich die Befürchtung, dass der Kreml alles daran setzen würde, die Getreidekorridore zu blockieren. Bereits am vorangegangenen Tag konnte kein Schiff den Schwarzmeerkorridor passieren, und eine Intensivierung der Angriffe scheint wahrscheinlich.

Russlands Angriffe auf zivile Schiffe

Seit Juli hat sich der Fokus der russischen Militäraktionen auf die Hafeninfrastruktur im Gebiet Odessa sowie auf zivile Frachtschiffe gerichtet. Am 14. Juli wurde ein Schiff unter der Flagge der Marshall Islands angegriffen, was zum Tod von zwei Besatzungsmitgliedern führte. Außenminister Andriy Sybiha berichtete, dass in den letzten Tagen mindestens drei zivile Frachtschiffe angegriffen wurden, wobei mehrere Dutzend Besatzungsmitglieder getötet oder verletzt wurden. Die Ukraine plant, den UN-Sicherheitsrat zu einer Sitzung am 27. Juli einzuberufen.

Aussetzung von Schiffsanläufen

Die jüngsten Vorfälle haben dazu geführt, dass Reedereien ihre Anläufe in den ukrainischen Schwarzmeerhäfen für landwirtschaftliche Fracht vorübergehend eingestellt haben. Der stellvertretende Landwirtschaftsminister Taras Vysotskyi erklärte, dass diese Entscheidung von den Schiffseignern getroffen wurde und nicht von staatlichen Beschränkungen beeinflusst sei. Die aktuelle Lage unterscheidet sich deutlich von den Einschränkungen zu Beginn des Krieges.

Das dänische Unternehmen Maersk hat bereits seine Getreidetransporte über den Hafen von Tschornomorsk südwestlich von Odessa ausgesetzt, da die dortige Infrastruktur unter Beschuss steht. Dennoch versichert das Kiewer Ministerium für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr, dass Tschornomorsk und weitere Häfen in Groß-Odessa weiterhin normal arbeiten.

Lagerkapazitäten und alternative Exportrouten

Vysotskyi zufolge verfügt die Ukraine derzeit über ausreichende Lagerkapazitäten im Vergleich zu den Jahren 2022 und 2023. Bei Bedarf könnte man sich erneut an Partnerländer wenden, um spezielle Getreidelagersäcke mit einer Kapazität von 10 bis 12 Millionen Tonnen anzufordern.

Zudem hat das Land alternative Exportwege aufgebaut und kann Getreide über Donauhäfen sowie mehr als 15 eisenbahnverbundene Trockenhäfen transportieren. Diese Routen werden momentan weit unter ihrer maximalen Kapazität genutzt. Vysotskyi rät Landwirten dazu, keine voreiligen Verkaufsentscheidungen zu treffen.

Wirtschaftliche Auswirkungen durch Blockaden

Prof. Oleg Nivievsky von der Kyiv School of Economics warnte davor, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erheblich sinken könnte, falls die Seehäfen vollständig blockiert werden. Seinen Berechnungen aus Februar 2022 zufolge verliert die Ukraine durch die Blockade täglich zwischen 25 und 170 Millionen Dollar (22 bis 150 Millionen Euro). Eine dreimonatige Blockade könnte – abhängig von der Fähigkeit zur Umleitung der Exportströme – bis zu 10 % des BIP kosten.