Die Preise für Stickstoffdünger bleiben im Jahr 2026 unter Druck. Mehrere Faktoren tragen zur angespannten Lage auf dem Markt bei, sodass eine Entspannung nicht in Sicht ist. Zu den treibenden Kräften zählen geopolitische Krisen und steigende Energiekosten.
Anhaltend hohe Energiepreise
Erdgas, ein zentraler Rohstoff für die Herstellung von Stickstoffdünger, hat sich aufgrund der USA-Iran-Krise erheblich verteuert. Im Februar 2026 lag der Preis bei 33,7 €/MWh und stieg bis Ende August auf über 70 €/MWh. Der Konflikt hat auch die Exporte aus der Golfregion beeinträchtigt, da die Straße von Hormus faktisch gesperrt ist. Ein Großteil der globalen Stickstoffdüngerproduktion stammt aus diesem Gebiet.
Versorgungslücken erschweren Handel
Die angespannte geopolitische Situation im Nahen Osten führt nicht nur zu höheren Erdgaspreisen, sondern beeinträchtigt auch die globale Schwefelversorgung, ein wesentlicher Bestandteil für Düngemittel wie DAP. Der Rückgang der Schwefelexporte aus China verschärft die Situation weiter. In Europa stammen wichtige Vorprodukte wie Ammoniak hauptsächlich aus anderen Regionen, was die Abhängigkeit von Importen erhöht.
Alternative Lieferwege reichen nicht aus
Während Nordafrika seine Exporte von Harnstoff erhöht hat, kann das Angebot aus Ägypten und Algerien den Ausfall aus dem Nahen Osten nicht vollständig kompensieren. Indien bleibt der Hauptabnehmer dieser afrikanischen Produkte, während europäische Länder weiterhin mit hohen Preisen konfrontiert sind. Die Alternative Handelsrouten können den Bedarf nicht decken, sondern lediglich ergänzen.
Logistikkosten steigen weiter
Zusätzlich zu den bereits bestehenden Engpässen verschärfen niedrige Wasserstände auf europäischen Flüssen die Lage der Düngermittellogistik. Dies betrifft besonders große Agrarunternehmen, die auf Wasserstraßen angewiesen sind. Die Alternativen Lkw und Bahn erweisen sich als kostspielig und ineffizient angesichts gestiegener Energiepreise.
Bauern zögern beim Einkauf
Anfang September war die Bereitschaft der Landwirte zur Einlagerung von Stickstoffdüngern gering. Lediglich 10 bis 30 % des Bedarfs wurden gedeckt, weit unter dem üblichen Niveau von 40 bis 45 %. Die hohen Preise schrecken viele ab: Anfang des Jahres lag Harnstoff bei etwa 530 €/t frei Hof, nun sind es rund 605 €/t. Der Einsatz von Ureaseinhibitoren treibt die Kosten weiter in die Höhe.
Strategien zur Risikominderung
Experten raten Landwirten dazu, Dünger in kleineren Mengen über Herbst und Winter verteilt zu kaufen und gleichzeitig Getreide auf Termin zu verkaufen. Diese Strategie soll helfen, finanzielle Risiken zu mindern und trotz unsicherer Marktbedingungen handlungsfähig zu bleiben.
