Die aktuellen Spannungen im Getreideexport zwischen Russland und der Ukraine könnten beide Länder vor ernsthafte wirtschaftliche Herausforderungen stellen. Experten zufolge besteht die Gefahr, dass Russland und die Ukraine wichtige Märkte in Afrika, dem Nahen Osten und Asien an andere globale Getreideproduzenten wie Australien, Argentinien, die USA, Kanada und Länder der Europäischen Union verlieren.
Schwierige Monate für Schwarzmeer-Exporte
Insbesondere die kommenden Monate gelten als kritisch, da typischerweise von August bis Dezember große Mengen an Getreide über das Schwarze Meer exportiert werden. Mit dem baldigen Eintreffen neuer Ernten aus Australien und Argentinien könnten diese Länder verstärkt in den traditionellen Absatzmärkten der beiden osteuropäischen Staaten Fuß fassen. Ein solcher Verlust wäre für Russland und die Ukraine schwer zu kompensieren.
Infolge der Exportbeschränkungen steigen in beiden Ländern die Lagerbestände, was insbesondere für kleinere Betriebe ohne ausreichende Lagermöglichkeiten problematisch ist. Währenddessen könnte das verringerte Angebot aus dem Schwarzmeerraum die weltweiten Weizenpreise erhöhen, was wiederum große Importeure finanziell belasten würde.
Massive finanzielle Verluste drohen
Laut dem Ukrainischen Agribusiness Club (UCAB) wird erwartet, dass die Ukraine zwischen August und Oktober aufgrund der Exporthindernisse Verluste von rund 9 Millionen Tonnen bei verschiedenen Agrarprodukten erleiden könnte. Der Großteil dieser Menge entfällt auf Weizen und Mais. Die finanziellen Einbußen könnten sich unter konservativen Annahmen auf etwa 1,9 Milliarden US-Dollar belaufen; bei höheren Preisannahmen könnten sie sogar 2,8 Milliarden US-Dollar erreichen.
Der polnische Landwirtschaftsminister Stefan Krajewski betonte hingegen, dass er gegen eine Aufhebung des EU-Embargos auf ukrainisches Getreide ist. Er legte Wert darauf, dass ukrainisches Getreide ausschließlich an Drittländer exportiert werden sollte, um mögliche Störungen auf dem europäischen Markt zu vermeiden. Die Hilfe für die Ukraine sollte nicht zulasten polnischer Landwirte erfolgen.
Russlands Reaktion auf die Exportkrise
Um den heimischen Landwirten zu helfen, plant Russland staatliche Eingriffe in den Getreidemarkt. Das Moskauer Landwirtschaftsministerium erwägt Interventionskäufe von Getreide aus künftigen Ernten, um Überschüsse zu reduzieren und Preisschwankungen zu minimieren. Zusätzlich wurde die United Grain Company beauftragt, nach verfügbaren Lagerkapazitäten Ausschau zu halten.
