Die jüngste Studie des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zeigt auf, dass Deutschland mit nur der Hälfte der derzeitigen EU-Agrarförderung in der Lage wäre, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig mehr für den Klima- und Naturschutz zu tun. Laut den Modellrechnungen des NABU könnte dies durch eine Umverteilung der Gelder von der Basisprämie hin zu ökologischen Regelungen und Maßnahmen im Bereich Agrarumwelt und Klimaschutz erreicht werden.
Umfassende Umstrukturierung der Agrarsubventionen
Der NABU schlägt vor, die Basisprämie schrittweise abzuschaffen. Stattdessen sollten Gelder verstärkt in Programme fließen, die ökologische Leistungen und die Pflege der Landschaft fördern. Die Analyse zeigt auch, dass Bodeneigentümer die größten finanziellen Einbußen hinnehmen müssten, da Pachten für Agrarflächen signifikant sinken könnten. Dies könnte eine Entlastung für aktive Landwirte bedeuten, die rund 60 Prozent der Flächen pachten.
Kritik an der bisherigen Nutzung der EU-Gelder
Der Umweltverband stellt infrage, wie die derzeitigen Subventionen genutzt werden. Laut NABU tragen die Direktzahlungen kaum zur Ernährungssicherheit bei, da sie nicht an konkrete Leistungen gekoppelt sind. Die Studie betont, dass eine Halbierung des Budgets die Nahrungsmittelversorgung nicht gefährden würde. Vielmehr sei es wichtig, gezielt Umweltleistungen und nachhaltige Produktion zu unterstützen.
Geringe Auswirkungen auf landwirtschaftliche Produktion
Mit Hilfe des CAPRI-Modells wurde prognostiziert, dass die Abschaffung der Basisprämie nur minimale Auswirkungen auf die Getreide- und Fleischproduktion hätte. Bis 2035 würde die Getreideproduktion um lediglich 2,8 Prozent zurückgehen, während die Milcherzeugung stabil bliebe. Die Ergebnisse widerlegen das Argument, dass Flächenprämien für die Sicherstellung der Ernährung unerlässlich sind.
Fokus auf Grünlandbewirtschaftung
Besonders große Veränderungen erwartet der NABU im Bereich des Grünlands. Fast neun Prozent des Dauergrünlands würden aktuell nur durch die Basisprämie bewirtschaftet. Der NABU empfiehlt daher eine Neuausrichtung der Fördermittel hin zur Grünlandbewirtschaftung. Eine Verdoppelung des Budgets für ökologische Regelungen innerhalb der GAP könnte hier zielführend sein.
Zukunftsperspektiven: Abbau von Direktzahlungen
Der Verband schlägt vor, ab 2028 mit einer schrittweisen Kappung und Degression der Direktzahlungen zu beginnen. Langfristig sollen pauschale Flächenprämien bis 2034 durch gezielte Förderprogramme ersetzt werden. Diese Programme sollen insbesondere biodiversitätsfördernde und klimaschützende Maßnahmen stärken.
Nationale Kofinanzierung reduzieren
NABU fordert zudem eine Senkung der nationalen Kofinanzierungen zugunsten einer stärkeren EU-Finanzierung von Maßnahmen ohne marktverzerrende Beihilfen. Gleichzeitig wird davor gewarnt, Mindeststandards für Flächenbewirtschaftung national zu renationalisieren.
