Die anhaltenden Hitzewellen in Deutschland haben die Getreide- und Rapsernte erheblich belastet, was zu erheblichen finanziellen Verlusten für Landwirte führte. Laut dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) summieren sich die Verluste auf über 600 Millionen Euro. Besonders betroffen sind die südlichen Regionen des Landes, wo die Erträge drastisch zurückgegangen sind.
Deutlicher Rückgang der Getreidemenge
Der DRV hat seine Prognose für die diesjährige Getreideernte auf nur noch 40,6 Millionen Tonnen gesenkt, ein Rückgang von mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als etwa 45 Millionen Tonnen geerntet wurden. Diese Menge liegt ebenfalls unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 42,5 Millionen Tonnen. Die Anbaufläche für Getreide ging im Vergleich zu 2025 um 1,6 Prozent auf knapp 5,90 Millionen Hektar zurück.
Nicht nur Weizen ist betroffen; der DRV erwartet bei dieser Getreidesorte eine Ernte von etwa 20,55 Millionen Tonnen, was einem Minus von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Roggen und Gerste zeigen ähnliche Rückgänge mit prognostizierten Erntemengen von 2,73 Millionen Tonnen beziehungsweise 10,71 Millionen Tonnen. Besonders dramatisch ist der Einbruch bei Hafer mit einer erwarteten Abnahme um rund 20 Prozent auf etwa 744.300 Tonnen.
Regionale Unterschiede in Deutschland
Die Auswirkungen der Hitze sind regional unterschiedlich ausgeprägt. Während in Schleswig-Holstein und Niedersachsen die Ernten relativ stabil blieben, verzeichnen Bundesländer wie Baden-Württemberg deutliche Einbußen. In diesem Bundesland sanken die Erträge um fast 20 Prozent.
Laut Guido Seedler vom DRV hatte die günstige Witterung im Frühjahr noch Schlimmeres verhindert. Doch das Zusammenspiel aus hohen Temperaturen und fehlender Bodenfeuchte führte schließlich zu den großen Verlusten.
Bedeutende Einbußen bei Raps und Körnermais
Trotz einer Ausweitung der Anbaufläche um 3,3 Prozent wird für Raps eine Ernte von nur noch 3,7 Millionen Tonnen erwartet – ein Rückgang im Vergleich zu den 4 Millionen Tonnen des Vorjahres. Besonders betroffen sind die südwestlichen Regionen Deutschlands wie Baden-Württemberg und Bayern.
Körnermais zeigt ebenfalls einen deutlichen Rückgang: Hier rechnet der DRV mit einer Ernte von rund 4,24 Millionen Tonnen, was einem Minus von 14,2 Prozent entspricht. Diese Kulturpflanze leidet besonders unter den extremen Wetterbedingungen.
Zunehmende Herausforderungen in Logistik und Versorgung
Niedrige Wasserstände auf wichtigen Wasserstraßen wie dem Rhein beeinträchtigen zusätzlich den Transport von Getreide innerhalb Europas. Dies könnte sich negativ auf die Versorgungssicherheit auswirken, warnt Philipp Spinne vom DRV. Auch wenn derzeit genug Lagerkapazitäten vorhanden sind, drohen Engpässe bei Weitertransporten und der Versorgung mit Düngemitteln.
Zwar hatten steigende Düngerpreise bisher keinen Einfluss auf die aktuelle Ernte, jedoch könnte sich das im Frühjahr 2027 ändern. Landwirte zögern bei Düngerkäufen aufgrund hoher Kosten, was potenzielle Risiken für zukünftige Ernten birgt.
