Inmitten hitziger Diskussionen über mögliche Unterstützungsmaßnahmen für von Dürre betroffene Betriebe hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer angekündigt, Gespräche mit den Bundesländern auf Basis offizieller Erntedaten zu führen. Diese sollen Ende August stattfinden. Im Mittelpunkt stehen dabei Überlegungen zur Erhöhung der EU-Düngerbeihilfen und das Vorziehen von Direktzahlungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).
Kritik an kurzfristigen Förderlösungen
Der Verein Landwirtschaft verbindet Deutschland (LSV Deutschland) hat in einem offenen Brief vom 21. August 2026 Bedenken geäußert, dass strukturelle Probleme der Landwirtschaft durch kurzfristige Programme nicht angemessen adressiert werden. Laut dem Schreiben möchte der Verein, dass Landwirte unabhängig von staatlichen Hilfen wirtschaftlich überleben können.
Insbesondere lehnt LSV Deutschland das Vorziehen von Geldern aus der kommenden GAP-Förderperiode ab. Die Autoren des Briefes argumentieren, dass diese Maßnahme keine nachhaltige Agrarpolitik darstelle und die bestehenden Probleme nur verschiebe. Sie befürchten, dass landwirtschaftliche Betriebe dadurch längerfristig von politischen Programmen abhängig bleiben.
Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen
LSV Deutschland fordert stattdessen verlässliche Rahmenbedingungen, die es den Betrieben ermöglichen, eigenständig und wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Der Wettbewerb sei ungleich verteilt, da deutsche Landwirte unter einer Vielzahl von Vorschriften und Kontrollen leiden. Der Verein kritisiert: Während ausländische Wettbewerber produzieren könnten, seien deutsche Bauern mit Dokumentationspflichten beschäftigt.
- Abbau landwirtschaftlicher Bürokratie
- Überprüfung bestehender Vorschriften auf Notwendigkeit
- Sichere politische Rahmenbedingungen
- Faire Bedingungen im Vergleich zu Importprodukten
- Stärkere Marktposition der Landwirte
- Verbindliche Verträge vor Produktionsbeginn
- Nachvollziehbare Preisbildungsmechanismen
- Wirtschaftlich tragfähige Erzeugerpreise
Laut dem Verein sind insbesondere verbindliche Vereinbarungen zu Mengen, Abnahmebedingungen und Preisen wichtig, bevor Landwirte in Vorleistung gehen.
Landwirtschaft als essenzielles Element der Krisenvorsorge
LSV Deutschland hebt hervor, dass die wirtschaftliche Stabilität der landwirtschaftlichen Betriebe entscheidend für die Widerstandsfähigkeit Deutschlands sei. Eine starke heimische Landwirtschaft trage zur Ernährungssicherheit, zur regionalen Wertschöpfung und zur Vitalität ländlicher Regionen bei. Zudem sind Landwirte oft entscheidend bei der Bewältigung von Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Waldbränden involviert.
Sollten landwirtschaftliche Betriebe langfristig wirtschaftlich geschwächt werden oder gar verschwinden, würde dies nicht nur den Verlust einzelner Höfe bedeuten. Es ginge auch um den Verlust von Produktionskapazitäten, Wissen und Infrastruktur sowie um eine Schwächung der Resilienz gegen Krisen.
Daher appelliert der Verein an die politischen Entscheidungsträger, nicht nur kurzfristige Hilfen zu gewähren, sondern nachhaltige Bedingungen zu schaffen, damit die Landwirtschaft wieder aus eigener Kraft wettbewerbsfähig bleibt und erfolgreich arbeiten kann.
