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Geflügelwirtschaft fordert weniger Bürokratie und klare Kennzeichnung

In der deutschen Geflügelwirtschaft herrscht derzeit eine vergleichsweise positive Stimmung, insbesondere im Vergleich zu anderen Bereichen der Tierhaltung. Laut Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), ist die Nachfrage nach Geflügelfleisch stabil und zeigt sogar einen leichten Anstieg. Dies steht im Kontrast zur angespannten Situation bei Schweine- und Rinderhaltern.

Hürden für Investitionen und Exporthemmnisse

Trotz der positiven Nachfrageentwicklung sieht Schleicher erhebliche Herausforderungen für die Branche. Ein wesentlicher Punkt ist die Bürokratie, die vor allem durch langwierige Genehmigungsverfahren belastend wirkt. Zwar gibt es kleine Fortschritte in Richtung einer Vereinfachung vonseiten der Bundesregierung, doch die grundsätzlichen Probleme bleiben bestehen. Die ZDG fordert daher weniger bürokratische Hürden und schnellere Genehmigungsverfahren, um Investitionen in den Ausbau der Geflügelhaltung zu ermöglichen.

Ein weiteres bedeutendes Thema ist der Export von Geflügelfleisch. Schleicher unterstreicht, dass dieser kein Zusatzgeschäft darstellt, sondern eine Notwendigkeit für die Wertschöpfung ist. Bestimmte Fleischteile sind auf dem deutschen Markt kaum gefragt, finden jedoch in Asien großen Absatz. Aufgrund fehlender Marktzugänge entstehen jedoch jährlich Verluste in Millionenhöhe. Die aktuelle Regierung erkennt laut Schleicher die Bedeutung einer effektiven Exportpolitik an und arbeitet an Abkommen sowie dem Abbau technischer Handelshemmnisse.

Rechtsunsicherheit in der Putenhaltung

Kürzlich erging ein Gerichtsurteil zur Putenhaltung, das keine grundsätzliche Änderung oder ein Verbot mit sich brachte, jedoch eine Rechtsunsicherheit hervorruft. Schleicher betont die Gefahr eines Flickenteppichs unterschiedlicher Anforderungen durch individuell agierende Veterinärämter. Die ZDG fordert daher klar definierte und wissenschaftlich fundierte Standards auf EU-Ebene.

Die Herkunftskennzeichnung von Geflügelfleisch bleibt ein weiteres kontroverses Thema. Während im Einzelhandel klare Kennzeichnungen etabliert sind, fehlt diese Verpflichtung im Außer-Haus-Verzehr bislang vollständig. Schleicher plädiert für eine umfassende Kennzeichnungspflicht auch in Restaurants und Kantinen, um den Verbrauchern Transparenz über die Herkunft des verzehrten Fleisches zu bieten.

Zukunftsperspektive der deutschen Geflügelhaltung

Für die kommenden fünf Jahre hat Schleicher ein klares Ziel: mehr deutsches Geflügelfleisch auf den Tellern. Er sieht in einer starken heimischen Produktion nicht nur einen Garant für Ernährungssouveränität, sondern auch für mehr Tierwohl und Versorgungssicherheit. Eine entscheidende Frage bleibe jedoch: Will Deutschland weiterhin selbst produzieren oder sich stärker auf Importe verlassen? Für Schleicher steht fest, dass eine starke lokale Landwirtschaft unverzichtbar ist.

Die deutsche Geflügelwirtschaft will weiterhin hochwertige Lebensmittel liefern und setzt sich dafür ein, faire Rahmenbedingungen zu schaffen – nicht nur im Interesse der Branche selbst, sondern auch zum Nutzen der Verbraucher und des ländlichen Raums insgesamt.