Die Gerstenausfuhren der Europäischen Union sind zum Start des Wirtschaftsjahres 2026/27 deutlich gesunken. Vom 1. Juli bis zum 20. September exportierten die EU-Staaten nach vorläufigen Daten der Europäischen Kommission rund 1,78 Mio. t Gerste. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 3,02 Mio. t. Das entspricht einem Rückgang um 41 Prozent.
Hauptgrund für die schwächeren Ausfuhren ist die stark gesunkene Nachfrage aus China. Während chinesische Käufer im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch mehr als 872.000 t EU-Gerste abnahmen, waren es in der laufenden Saison bislang weniger als 94.000 t.
Teilweise ausgeglichen wurde dieser Einbruch durch deutlich höhere Lieferungen nach Saudi-Arabien. Das Land hat sich in den ersten zwölf Wochen der Saison zum mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für Gerste aus der EU entwickelt.
EU exportiert 1,24 Mio. t weniger Gerste
In absoluten Zahlen verringerte sich der Gersteexport gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 1,24 Mio. t. Unter den im bisherigen Saisonverlauf ausgewiesenen Getreidearten ist dies der größte mengenmäßige Rückgang.
Der Vergleich mit dem ungewöhnlich schwachen Start der Saison 2024/25 relativiert die Entwicklung allerdings etwas. Damals hatte die EU im vergleichbaren Zeitraum rund 1,52 Mio. t Gerste ausgeführt. Die aktuellen 1,78 Mio. t liegen damit rund 17 Prozent höher.
Die Exportentwicklung stellt sich somit je nach Vergleichsjahr unterschiedlich dar. Gegenüber 2025/26 ist ein deutlicher Rückgang festzustellen, gegenüber dem Saisonstart 2024/25 liegen die Ausfuhren dagegen höher.
Besonders auffällig ist dabei weniger das gesamte Exportvolumen als die starke Verschiebung zwischen den wichtigsten Zielländern.
China kauft fast 90 Prozent weniger EU-Gerste
China war in der vergangenen Saison noch einer der wichtigsten Käufer europäischer Gerste. Vom 1. Juli bis zum entsprechenden September-Stichtag 2025 importierte das Land nach den vorliegenden Daten rund 872.110 t aus der EU.
Im laufenden Wirtschaftsjahr sind es bislang lediglich 93.650 t.
Damit gingen die Lieferungen nach China um rund 778.000 t oder etwa 89 Prozent zurück. Allein dieser Rückgang entspricht knapp 63 Prozent des gesamten Minus beim EU-Gersteexport.
Noch deutlicher zeigt sich die Veränderung beim Anteil Chinas an den gesamten Ausfuhren. Im Vorjahreszeitraum gingen rund 28,8 Prozent der exportierten EU-Gerste auf den chinesischen Markt. In der laufenden Saison beträgt dieser Anteil nur noch 5,3 Prozent.
Innerhalb eines Jahres sank der Anteil damit um 23,5 Prozentpunkte.
Für den europäischen Gerstenmarkt ist diese Entwicklung besonders relevant, weil China große Mengen aufnimmt, wenn europäische Ware preislich und qualitativ konkurrenzfähig ist. Fällt ein Käufer dieser Größenordnung aus, müssen erhebliche Mengen auf anderen Märkten untergebracht werden.
Saudi-Arabien wird wichtigster Absatzmarkt
Parallel zum Einbruch der chinesischen Nachfrage haben die Lieferungen nach Saudi-Arabien kräftig zugelegt.
Bis zum 20. September importierte Saudi-Arabien rund 970.830 t Gerste aus der EU. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 620.250 t.
Damit stiegen die Lieferungen um rund 350.600 t beziehungsweise 56,5 Prozent.
Saudi-Arabien nahm somit bereits mehr als die Hälfte der gesamten bisher exportierten EU-Gerste auf. Der Anteil am EU-Export erhöhte sich von 20,5 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 54,4 Prozent in der laufenden Saison.
Mehr als jede zweite Tonne Gerste, die die EU seit Anfang Juli in Drittländer exportiert hat, ging demnach nach Saudi-Arabien.
Die gestiegenen Lieferungen in das Königreich konnten den Rückgang im Chinageschäft jedoch nur teilweise kompensieren. Während die Exporte nach China gegenüber dem Vorjahr um rund 778.000 t zurückgingen, nahm Saudi-Arabien rund 351.000 t mehr ab.
Rechnerisch gleichen die zusätzlichen saudischen Käufe damit weniger als die Hälfte des Rückgangs bei den chinesischen Lieferungen aus.
Exportstruktur hat sich innerhalb eines Jahres gedreht
Die Zahlen zeigen eine deutliche Verschiebung innerhalb der Absatzstruktur. China und Saudi-Arabien kamen im Vorjahreszeitraum zusammen auf knapp die Hälfte der EU-Gersteexporte. Ihre relative Bedeutung war dabei noch wesentlich gleichmäßiger verteilt.
China erreichte damals einen Anteil von 28,8 Prozent, Saudi-Arabien 20,5 Prozent.
2026/27 hat sich dieses Verhältnis vollständig verändert. Saudi-Arabien steht mit 54,4 Prozent klar an erster Stelle, während China nur noch 5,3 Prozent erreicht.
Für Exporteure bedeutet diese Konzentration eine stärkere Abhängigkeit von einem einzelnen Absatzmarkt. Veränderungen bei saudischer Nachfrage, Einkaufspolitik oder Importpreisen können deshalb einen größeren Einfluss auf den europäischen Exportmarkt haben als in einer Saison mit breiter verteilten Lieferströmen.
Aus den bislang vorliegenden Zahlen lässt sich allerdings noch nicht ableiten, ob diese Struktur über das gesamte Wirtschaftsjahr bestehen bleibt. Der betrachtete Zeitraum umfasst lediglich die ersten zwölf Wochen der Saison.
Chinas Rückzug bestimmt die Gesamtbilanz
Dass die europäischen Gersteexporte um 41 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, ist vor allem auf China zurückzuführen.
Ohne den Rückgang der chinesischen Käufe würde die Exportbilanz deutlich anders aussehen. Die Differenz von rund 778.000 t zwischen beiden Jahren macht fast zwei Drittel des gesamten EU-Exportrückgangs von 1,24 Mio. t aus.
Der chinesische Markt besitzt aufgrund seiner potenziell großen Importmengen erheblichen Einfluss auf internationale Gerstenströme. Änderungen bei der Beschaffung können deshalb kurzfristig auch die Absatzmöglichkeiten anderer Exportregionen beeinflussen.
Für europäische Anbieter kommt es darauf an, welche Märkte die fehlenden chinesischen Mengen aufnehmen können. Saudi-Arabien hat im bisherigen Saisonverlauf einen erheblichen Teil übernommen. Vollständig reicht dieser zusätzliche Absatz jedoch nicht aus.
Andere Absatzmärkte müssten weitere Mengen aufnehmen, damit sich der Abstand zum hohen Exportniveau des Vorjahres verringert.
EU-Gerste konkurriert auf mehreren Exportmärkten
Der internationale Gerstenhandel wird von vergleichsweise wenigen großen Exporteuren und Importeuren geprägt. Neben der EU gehören unter anderem Australien und die Schwarzmeerregion zu den wichtigen Anbietern.
Für Käufer entscheiden neben Qualität und Verfügbarkeit vor allem der Exportpreis und die Frachtkosten über die Herkunft der Ware. Dadurch können sich Handelsströme innerhalb einer Saison deutlich verschieben.
Das gilt besonders für Futtergerste. Große Importländer können ihre Beschaffung abhängig von Preisrelationen zwischen verschiedenen Herkünften anpassen. Änderungen der Nachfrage eines einzelnen Großkäufers schlagen sich deshalb vergleichsweise schnell in den Exportzahlen der Anbieter nieder.
Die Entwicklung der EU-Ausfuhren 2026/27 zeigt diesen Effekt deutlich: Ein kräftiger Nachfrageanstieg aus Saudi-Arabien reicht bislang nicht aus, um den Rückgang bei den chinesischen Käufen vollständig aufzufangen.
Gersteexporte steigen gegenüber der Vorwoche
Trotz des deutlichen Rückstands gegenüber dem Vorjahr hat sich der Export zuletzt etwas beschleunigt.
Nach Angaben der Europäischen Kommission lagen die EU-Gersteexporte bis zum 20. September bei 1,78 Mio. t. Eine Woche zuvor waren es rund 1,70 Mio. t.
Innerhalb einer Woche kamen damit etwa 80.000 t hinzu.
Für die weitere Saison wird entscheidend sein, ob dieses Tempo zunimmt und zusätzliche Käufer größere Mengen übernehmen. Der derzeitige Abstand zum Vorjahr ist mit 1,24 Mio. t weiterhin erheblich.
Ein vollständiger Vergleich des Wirtschaftsjahres ist zu diesem frühen Zeitpunkt allerdings noch nicht möglich. Die Exportströme können sich im weiteren Saisonverlauf durch Ernten auf der Südhalbkugel, Preisbewegungen, Frachtkosten und die Nachfrage großer Importländer verändern.
Weizenexporte entwickeln sich deutlich besser
Die schwachen Gersteausfuhren stehen zudem nicht für eine allgemein rückläufige Getreideexportentwicklung der EU.
Bei Weichweizen ergibt sich für denselben Zeitraum ein anderes Bild. Die EU hatte bis zum 20. September rund 6,30 Mio. t Weichweizen exportiert. Das waren rund 2 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Damit unterscheiden sich die Entwicklungen der beiden Getreidearten deutlich. Während der Weichweizenexport leicht über dem Vorjahresniveau liegt, fehlen bei Gerste mehr als 1,2 Mio. t.
Dies unterstreicht, wie stark produktspezifische Absatzmärkte die Exportbilanz beeinflussen können. Der Einbruch der Gerstenlieferungen nach China lässt sich nicht auf den gesamten europäischen Getreidehandel übertragen.
Exportstatistik weist Datenlücken auf
Bei der Bewertung der Zahlen ist allerdings eine Einschränkung zu berücksichtigen. Die von der Europäischen Kommission veröffentlichten Getreidehandelsdaten sind für mehrere Mitgliedstaaten nicht vollständig.
Insbesondere Frankreich meldet seit Anfang 2024 keine vollständigen Exportdaten. Auch für Bulgarien und Irland bestehen seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2023/24 Lücken. Für Griechenland fehlen seit Januar 2026 vollständige Angaben.
Die aktuellen Werte sind deshalb als operative beziehungsweise vorläufige Exportdaten zu verstehen. Spätere Ergänzungen können die Gesamtmengen noch verändern.
Gerade Frankreich besitzt als bedeutender Getreideproduzent und -exporteur genügend Gewicht, um die EU-Gesamtbilanz zu beeinflussen. Der ausgewiesene Rückgang von 41 Prozent sollte daher unter Berücksichtigung dieser Datenlücken betrachtet werden.
Am grundlegenden Bild der stark gesunkenen chinesischen Nachfrage ändert dieser statistische Vorbehalt jedoch nichts: Nach den derzeit verfügbaren Zahlen liegen die Lieferungen nach China rund 778.000 t unter dem Vorjahresniveau, während Saudi-Arabien rund 351.000 t mehr EU-Gerste importiert hat.
Weitere Saison hängt stark von den Absatzmärkten ab
Nach zwölf Wochen des Wirtschaftsjahres 2026/27 hat sich die Absatzstruktur für europäische Gerste deutlich verändert. Der Gesamtwert von 1,78 Mio. t liegt 41 Prozent unter dem Vorjahresniveau, aber noch 17 Prozent über dem schwachen Start der Saison 2024/25.
Entscheidend ist dabei die Verschiebung zwischen den beiden größten Abnehmern. China reduzierte seine Käufe von rund 872.000 auf knapp 94.000 t. Saudi-Arabien steigerte seine Importe dagegen von rund 620.000 auf knapp 971.000 t.
Damit hat Saudi-Arabien China als wichtigsten Absatzmarkt für EU-Gerste deutlich abgelöst. Ob andere Importländer in den kommenden Monaten zusätzliche Mengen aufnehmen und den Rückstand gegenüber 2025/26 verkleinern können, wird für die weitere Exportbilanz der EU-Gerstenwirtschaft entscheidend sein.
