Die deutschen Molkereien sehen sich gezwungen, die Preise für Frischmilchprodukte wie Trinkmilch, Joghurt und Quark zu erhöhen. Der Hintergrund ist ein historisch niedriger Milchpreis, der derzeit etwa 25 Prozent unter dem Wert des Vorjahres liegt. Dies geht aus Angaben des Milchindustrie-Verbands hervor. Parallel dazu bleibt die Nachfrage der Verbraucher stabil.
Einbrüche bei der Milchanlieferung durch Klimaveränderungen
Der Verband weist darauf hin, dass die sommerliche Dürre in Deutschland und Europa die Milchanlieferung in vielen Regionen erheblich beeinträchtigt hat. Experten warnen zudem vor den Auswirkungen des El-Niño-Klimaphänomens im tropischen Pazifik, das die globale Milchanlieferung weiter schwächen könnte. In wichtigen Exportregionen der Molkereibranche könnten dadurch Dürren verstärkt auftreten.
Weltmarkt und Export als entscheidende Faktoren
Fast die Hälfte der in Deutschland produzierten Milchprodukte wird exportiert, so der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Veränderungen im Weltmarkt wirken sich daher direkt auf den deutschen Milchpreis aus. Erste Anzeichen einer Preiserholung sind bei Butter zu beobachten: Nach einem Preisverfall Ende 2025 stieg der Preis für Eigenmarken-Butterpäckchen im September um 14 Cent auf 1,19 Euro. Auch bei Käse und Milchpulver gab es laut Deutscher Presse-Agentur steigende Erlöse, während Vollmilchpreise stabil blieben.
Proteinboom beeinflusst Molkepreise
Der aktuelle Boom bei Proteinen hat ebenfalls Auswirkungen auf den Markt. Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) erläuterte, dass Molkenproteinkonzentrate stark nachgefragt sind. Da Molke, ein Nebenprodukt der Käseherstellung, hierfür benötigt wird, ist sie derzeit knapp und teuer.
Bauern fordern gerechte Preisweitergabe
Karsten Schmal vom Deutschen Bauernverband betonte, dass eine mögliche Preiserholung schnell an die Erzeuger weitergegeben werden müsse. Die Landwirte leiden unter hohen Kosten für Dünger, Energie und Treibstoff. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter unterstützt diese Forderung angesichts sinkender Milchanlieferungen und einer gestiegenen Nachfrage nach Milcheiweiß.
