Die Europäische Union setzt sich weiterhin dafür ein, die Getreideexporte über das Schwarze Meer wieder sicherzustellen, um die globale Ernährungssicherheit zu verbessern. Kaja Kallas, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, betonte auf der UN-Generalversammlung in New York, dass ein Moratorium notwendig sei, um Angriffe auf die Infrastruktur zu verhindern. Ihr Hauptanliegen ist es, Risiken für zivile Schiffe und Häfen zu minimieren sowie sichere Bedingungen für den Export von landwirtschaftlichen Produkten zu schaffen. Alternative Routen seien dabei kein vollwertiger Ersatz für den traditionellen Seekorridor.
Internationale Bemühungen zur Überwindung der Blockade
Nicht nur die EU ist in diesen Bemühungen aktiv. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies darauf hin, dass auch Länder wie Ägypten, Indien und die Türkei Vorschläge zur Lösung der Blockade des Schwarzen Meeres unterbreitet haben. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte, dass Ankara seine diplomatischen Anstrengungen verstärkt habe und optimistisch sei, dass mit ausreichendem politischen Willen ein Kompromiss gefunden werden könne.
Herausforderungen durch polnische Zollvorschriften
Während Brüssel alternative Exportwege und den Ausbau von Lagerkapazitäten unterstützt, gibt es Unmut über Maßnahmen des polnischen Zolls. Die Ukrainische Getreidevereinigung (UGA) berichtet von einem mündlichen Verbot der Nutzung von Zolllagern und Silos zur Zwischenlagerung von ukrainischem Getreide. Das Getreide müsse demnach direkt von Zug zu Zug verladen werden, was erhebliche logistische Herausforderungen darstellt.
Laut UGA könnte diese Einschränkung den Export erheblich behindern. Das Umladen des Getreides aus Breitspurwagen in europäische Waggons ist zwingend erforderlich. Zolllager und Silos dienen als Puffer im Logistikprozess und sind entscheidend für die Synchronisation des Weitertransports an Abnehmer in der EU und anderen Märkten. Die UGA fordert einen Dialog zwischen den beteiligten Parteien zur Lösung dieses Problems.
Begrenzte Exportkapazitäten verschärfen Lage
In der Ukraine wird eine Ernte von 84,5 Millionen Tonnen erwartet, wobei das Exportziel bei mehr als 50 Millionen Tonnen liegt. Die aktuelle Exportsituation wird durch die späte Ernte weiter erschwert; darüber hinaus gibt es Bestände aus dem Vorjahr von fast 13 Millionen Tonnen. Die Donau und westliche Grenzübergänge sind derzeit die Hauptkorridore für den Export landwirtschaftlicher Produkte. Diese Routen sind jedoch stark ausgelastet, da sie vor der Blockade weniger als 10% des gesamten Exports bewältigten.
