In den Niederlanden wird im Jahr 2027 eine spürbare Erhöhung der Beiträge zum Tiergesundheitsfonds für Geflügelhalter erwartet. Grund dafür sind vor allem die gestiegenen Kosten im Zusammenhang mit der Vogelgrippe. Das Agrarmagazin Boerderij berichtet, dass die Abgaben mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2026 ausfallen werden und um etwa 25 % über denen von 2025 liegen.
Kostenexplosion durch Vogelgrippe
Das Budget des Tiergesundheitsfonds für 2027 ist auf insgesamt 43,1 Millionen Euro angesetzt, was einem Anstieg von 5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Ein zentraler Faktor dafür ist die Vogelgrippe, deren Bekämpfungsausgaben sich nahezu vervierfacht haben: Von 2,6 Millionen Euro auf nunmehr 8,5 Millionen Euro. Diese Erhöhung ist auf zahlreiche Ausbrüche seit Ende des letzten Jahres zurückzuführen.
Der Fonds teilt seine Mittel in verschiedene Bereiche auf: So fließen 22,9 Millionen Euro in Basis-Monitoring und spezifische Überwachungsprogramme. Für Krisenvorsorge und Impfstoffreserven sind 7 Millionen Euro vorgesehen. Weitere 10,8 Millionen Euro werden für Verdachtsfälle und Maßnahmen zur Bekämpfung bereitgestellt, während 2,3 Millionen Euro für sonstige Kosten eingeplant sind. Die Finanzierung erfolgt teils durch das Landwirtschaftsministerium, das 13,6 Millionen Euro beisteuert, während die Branche selbst mit Abgaben in Höhe von 29,5 Millionen Euro belastet wird.
Ausgleich vergangener Defizite
Nicht nur aktuelle Kosten beeinflussen die Abgabesätze; auch Defizite der vergangenen Jahre spielen eine entscheidende Rolle. Besonders Geflügel- und Rinderhalter müssen höhere Beiträge leisten. Der Geflügelsektor zahlt über 10,7 Millionen Euro zur Kompensation früherer Fehlbeträge, während der Rindersektor mit rund 3,6 Millionen Euro belastet wird. Die Berechnung des pro Tier zu zahlenden Beitrags erfolgt anhand der Gesamtkosten geteilt durch die Anzahl der Tiere im Sektor – sinkt die Anzahl der gehaltenen Tiere wie bei Schafen, steigen folglich die Pro-Kopf-Kosten.
Kritik von Bio-Geflügelhaltern
Trotz öffentlicher Konsultationen bleibt Kritik bestehen: Der Verband der Bio-Geflügelhalter fordert niedrigere Sätze für ihre Mitglieder. Sie argumentieren damit, dass Bio-Betriebe eine höhere Anzahl an Tieren pro Arbeitskraft betreuen und somit ein Arbeitsaufwand vergleichbar mit Freilandhaltungssystemen entstünde. Die niederländische Landwirtschaftsorganisation LVVN hat diese Kritik jedoch nicht berücksichtigt und den Satz von 1,33 Euro pro Tier beibehalten. Der höhere Satz ergibt sich laut LVVN daraus, dass Legehennen aus biologischer Produktion einen größeren Marktwert haben und somit im Keulungsfall eine höhere Entschädigung gezahlt werden müsse.
