Warmweiß, Kaltweiß, Rotlicht oder möglichst tageslichtähnliches Licht: Bei der Beleuchtung eines Hühnerstalls wird häufig zuerst über die Lichtfarbe gesprochen. Die Angabe auf einer LED-Leuchte in Kelvin beantwortet jedoch nur einen Teil der Frage. Hühner nehmen Licht anders wahr als Menschen und können unter anderem Wellenlängen im UV-A-Bereich sehen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind.

Für die Auswahl einer Stallbeleuchtung ist deshalb das gesamte Lichtspektrum wichtiger als die einfache Einteilung in warmweiß oder kaltweiß. Auch Nutzungsrichtung, Alter der Tiere, Beleuchtungsstärke und Lichtprogramm spielen eine Rolle. Eine Lichtfarbe, die für Legehennen in der Produktionsphase sinnvoll sein kann, muss nicht automatisch die beste Wahl für Junghennen oder Masthühner sein.
Die Lichtfarbe ist damit ein Baustein der Stallbeleuchtung für Hühner, aber kein isoliertes Auswahlkriterium.
Wie sehen Hühner Farben?
Menschen besitzen drei Typen von Zapfen für die Farbwahrnehmung und werden deshalb als Trichromaten bezeichnet. Hühner verfügen dagegen über mindestens vier verschiedene Zapfentypen. Neben Bereichen, die vereinfacht Blau, Grün und Rot entsprechen, können sie auch kurzwellige UV-A-Strahlung wahrnehmen.
Dadurch reicht der für Hühner sichtbare Bereich weiter in das kurzwellige Spektrum hinein als beim Menschen. Hinzu kommen besondere Öltröpfchen in den Fotorezeptoren sowie Doppelzapfen, die unter anderem mit der Wahrnehmung von Bewegung in Verbindung gebracht werden. Die visuelle Umwelt eines Huhns unterscheidet sich daher deutlich von dem Bild, das ein Mensch unter derselben Lampe sieht.
Das ist für die Stallbeleuchtung relevant, weil Futter, Gefieder, Haut, Einrichtungsgegenstände und andere Tiere unter verschiedenen Spektren unterschiedlich erscheinen können. Eine Lampe, die dem Menschen ein natürliches Weiß vermittelt, muss für das Huhn nicht dieselbe Farbwiedergabe erzeugen.
Was bedeutet Lichtfarbe bei einer LED?
Bei weißen LED-Leuchten wird die Lichtfarbe üblicherweise als Farbtemperatur in Kelvin angegeben. Niedrigere Werte stehen für ein wärmer wirkendes Licht mit stärkerem gelblich-rötlichem Eindruck, höhere Werte für ein kühleres, stärker bläulich wirkendes Weiß. Typische warmweiße LED liegen beispielsweise um 2.700 bis 3.000 Kelvin, neutralweiße häufig um 4.000 Kelvin und tageslichtweiße Varianten oberhalb von etwa 5.000 Kelvin.
Für Menschen ist diese Einteilung praktisch, um die optische Wirkung einer Beleuchtung zu beschreiben. Für Hühner reicht sie jedoch nicht aus. Zwei Leuchten mit derselben Farbtemperatur können ein deutlich unterschiedliches Spektrum besitzen und damit für die Tiere anders wirken.
Entscheidend ist also nicht nur, ob auf der Verpackung 3.000 oder 4.000 Kelvin steht. Wer eine Stallleuchte fachlich beurteilen möchte, benötigt Informationen darüber, welche Wellenlängen die Leuchte tatsächlich emittiert und wie stark die einzelnen Spektralbereiche vertreten sind.
Warmweiß oder Kaltweiß: Was ist besser für Hühner?
Eine allgemeingültige Regel, nach der Hühner grundsätzlich warmweißes oder grundsätzlich kaltweißes Licht bevorzugen, lässt sich aus der Forschung nicht ableiten. Die Reaktionen hängen unter anderem von Alter, Genetik, Nutzungsrichtung, Lichtintensität und dem konkreten Spektrum der verwendeten Leuchte ab. Ergebnisse aus Versuchen mit Masthühnern können daher nicht ohne Weiteres auf Legehennen übertragen werden.
Für Legehennen werden in der Praxis häufig warmweiße oder rotbetonte Beleuchtungssysteme eingesetzt. Längere Wellenlängen im orange-roten Bereich können die reproduktive Steuerung beeinflussen und werden deshalb in verschiedenen Lichtprogrammen für Legehennen genutzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ausschließlich rotes oder besonders warmes Licht für Legehennen optimal wäre.
Bei der Auswahl sollte deshalb nicht nach dem Prinzip „je wärmer, desto besser“ entschieden werden. Ein breites, ausgewogenes Spektrum, eine ausreichende Beleuchtungsstärke und eine für Hühner geeignete Lichtqualität sind wichtiger als eine möglichst niedrige Kelvinzahl.
Warum Rotanteile für Legehennen interessant sind
Licht wirkt bei Geflügel nicht ausschließlich über die Augen. Lichtreize können auch über tiefer liegende Fotorezeptoren Einfluss auf hormonelle Prozesse nehmen. Längere Wellenlängen im roten und orangefarbenen Bereich können Gewebe stärker durchdringen als kurzwelliges Licht und spielen deshalb bei der Fortpflanzungssteuerung eine besondere Rolle.
Mehrere Untersuchungen bringen rotbetonte Spektren bei Legehennen mit Veränderungen der Geschlechtsreife und der Legeleistung in Verbindung. In kommerziellen Lichtprogrammen wird dieser Zusammenhang genutzt, wobei Lichtfarbe, Tageslänge und Lichtintensität gemeinsam gesteuert werden.
Ein hoher Rotanteil ersetzt allerdings kein fachgerechtes Lichtprogramm für Legehennen. Wer lediglich eine rote Lampe installiert, ohne Alter, Photoperiode, Lichtintensität und Dunkelphase zu berücksichtigen, erhält dadurch noch kein sinnvolles Beleuchtungskonzept.
Ist rotes Licht für Hühner besser?
Rotes Licht ist nicht pauschal „besser“ als andere Lichtfarben. In Studien wurden sowohl positive als auch unerwünschte Wirkungen beschrieben, und die Ergebnisse unterscheiden sich zwischen Legehennen und Masthühnern. Besonders bei einfarbigem Licht lassen sich Versuchsergebnisse deshalb nur eingeschränkt auf normale Stallbeleuchtung mit weißem Mischlicht übertragen.
Bei Legehennen können längere Wellenlängen die reproduktive Aktivität unterstützen. Gleichzeitig beeinflusst Lichtfarbe auch Verhalten und Aktivität. Bei Masthühnern wurde unter rotem Licht in mehreren Untersuchungen beispielsweise eine höhere Aktivität beobachtet, während blaues oder grünes Licht teilweise mit ruhigerem Verhalten verbunden war.
Für die Praxis bedeutet das: Rot kann ein Bestandteil eines geeigneten Spektrums sein, sollte aber nicht automatisch zum alleinigen Stalllicht gemacht werden. Ein ausgewogenes weißes Licht mit passend zusammengesetztem Spektrum ermöglicht den Tieren eine differenziertere visuelle Wahrnehmung.
Können Hühner rotes Licht sehen?
Ja. Die verbreitete Vorstellung, Hühner könnten rotes Licht nicht wahrnehmen und eine rote Lampe sei für sie deshalb praktisch dunkel, ist falsch. Der für Hühner wahrnehmbare Spektralbereich reicht bis in den roten Bereich hinein.
Eine rote Lampe kann daher nicht einfach als Nachtlicht eingesetzt werden, ohne die Dunkelphase zu beeinflussen. Wird sichtbares Rotlicht während der gesamten Nacht verwendet, ist dies nicht mit einer echten Dunkelperiode gleichzusetzen.
Das ist insbesondere bei Wärmeleuchten zu berücksichtigen. Benötigen Küken oder andere Tiere zusätzliche Wärme, sollte die Wärmeversorgung möglichst so geplant werden, dass sie nicht zwangsläufig mit einer dauerhaften sichtbaren Beleuchtung verbunden ist.
Was bewirkt blaues Licht bei Hühnern?
Blaues Licht gehört zu den kurzwelligen sichtbaren Spektralbereichen und wurde besonders intensiv bei Masthühnern untersucht. In mehreren Versuchen waren Tiere unter blauem oder blau-grünem Licht weniger aktiv oder zeigten vermehrt Ruheverhalten. Teilweise wurden auch geringere Furchtreaktionen oder Veränderungen beim Wachstum beobachtet.
Solche Ergebnisse führen gelegentlich zu der Empfehlung, Masthühner grundsätzlich blau zu beleuchten. Das wäre jedoch zu weitgehend. Viele Studien verwenden nahezu monochromatisches Licht unter kontrollierten Versuchsbedingungen, während in einem realen Stall Lichtintensität, Tagesdauer, Genetik, Alter und andere Umweltfaktoren gleichzeitig wirken.
Hinzu kommt, dass Ergebnisse zur Lichtfarbe nicht immer übereinstimmen. Die Lichtintensität kann beispielsweise beeinflussen, wie stark sich eine bestimmte Wellenlänge auf das Verhalten auswirkt. Blaues Licht ist deshalb kein allgemeines Beruhigungsmittel für Geflügel.
Welche Wirkung hat grünes Licht?
Auch grünes Licht wurde vor allem bei Broilern und Jungtieren untersucht. Verschiedene Versuche zeigen Zusammenhänge mit Wachstum, Aktivität und bestimmten Verhaltensmerkmalen. Insbesondere in frühen Entwicklungsphasen wurden teilweise positive Auswirkungen kurzwelligeren grünen Lichts auf Wachstum und Muskelentwicklung beschrieben.
Für eine praktische Stallbeleuchtung bedeutet das jedoch nicht, dass Hühner ausschließlich unter grünem Licht gehalten werden sollten. Monochromatische Versuchsanordnungen dienen dazu, bestimmte physiologische Reaktionen auf einzelne Wellenlängen zu untersuchen. Eine artgerechte visuelle Umwelt muss darüber hinaus ermöglichen, Futter, Artgenossen und die Umgebung differenziert wahrzunehmen.
Grün kann deshalb Teil eines breiten Spektrums sein. Eine pauschale Empfehlung für dauerhaft ausschließlich grünes Stalllicht lässt sich daraus nicht ableiten.
Brauchen Hühner UV-Licht?
Hühner können UV-A-Strahlung wahrnehmen. Dieser Bereich reicht ungefähr von 315 bis 400 Nanometern und gehört damit zu einem Spektrum, das für Menschen weitgehend unsichtbar ist. UV-A kann bei Vögeln unter anderem für Orientierung, Futtersuche und soziale Signale relevant sein.
Die DLG empfiehlt vor diesem Hintergrund für Geflügel ein ausgewogenes Spektrum mit UV-A-Anteil. Fehlt dieser Bereich vollständig, können Farben und Oberflächen für Hühner anders erscheinen als unter natürlichem Licht. Gerade bei Tieren, die später Zugang zu Wintergarten oder Freiland erhalten, ist deshalb auch der Wechsel zwischen künstlichem Licht und Tageslicht relevant.
Das bedeutet allerdings nicht, dass beliebige UV-Lampen in einen Hühnerstall eingebaut werden sollten. Wellenlänge, Intensität, Expositionsdauer und die Sicherheit für Tiere und Beschäftigte müssen berücksichtigt werden. UV-A, UV-B und UV-C haben zudem sehr unterschiedliche biologische Eigenschaften und dürfen nicht einfach unter dem Begriff „UV-Licht“ zusammengefasst werden.
UV-A ist nicht dasselbe wie UV-B oder UV-C
UV-A liegt dem sichtbaren Spektrum am nächsten und kann von Hühnern visuell wahrgenommen werden. UV-B besitzt kürzere Wellenlängen und hat andere biologische Wirkungen, unter anderem auf die Vitamin-D-Synthese. UV-C ist nochmals kurzwelliger und wird beispielsweise zur Desinfektion eingesetzt, ist aber keine Komponente, die einfach zur normalen Stallbeleuchtung hinzugefügt werden sollte.
Für eine Leuchte, die mit „UV“ beworben wird, reicht diese Angabe deshalb nicht aus. Der Hersteller sollte konkret ausweisen, welcher Wellenlängenbereich emittiert wird und welche Strahlungsleistung bei der vorgesehenen Montage und Betriebsdauer erreicht wird.
Auch Abdeckungen können eine Rolle spielen. Bestimmte Kunststoffe oder Gläser absorbieren UV-A, sodass eine LED zwar theoretisch UV-A erzeugt, davon aber nach der Leuchtenabdeckung deutlich weniger im Tierbereich ankommt.
Ist Vollspektrumlicht für Hühner besser?
Der Begriff Vollspektrum klingt eindeutig, ist aber nicht einheitlich genug, um allein daraus die Eignung einer Leuchte abzuleiten. Hersteller können unterschiedliche spektrale Zusammensetzungen unter dieser Bezeichnung anbieten. Deshalb sollte geprüft werden, welche Wellenlängen tatsächlich vorhanden sind und ob insbesondere ein sinnvoller UV-A-Anteil enthalten ist.
Aus Sicht der Geflügelwahrnehmung spricht viel dafür, künstliches Licht stärker an einem breiten natürlichen Spektrum auszurichten als ausschließlich an der menschlichen Wahrnehmung. Die DLG empfiehlt ein ausgeglichenes Spektrum einschließlich UV-A und weist darauf hin, dass Hühner ihre Umwelt bereits in der Aufzucht unter den vorhandenen Lichtbedingungen kennenlernen.
Vollspektrum bedeutet dennoch nicht automatisch „optimale Leuchte“. Auch eine spektral geeignete Lampe kann ungeeignet sein, wenn sie flimmert, schlecht dimmbar ist, zu wenig Licht liefert oder den Stall sehr ungleichmäßig ausleuchtet.
Warum Tageslicht für die Farbwahrnehmung wichtig ist
Natürliches Tageslicht enthält ein wesentlich breiteres Spektrum als viele einfache künstliche Lichtquellen. Seine Zusammensetzung bleibt allerdings ebenfalls nicht konstant, sondern verändert sich mit Sonnenstand, Bewölkung, Jahreszeit, Vegetation und dem Weg des Lichts durch Fenster oder andere Bauteile.
Der Vorfahre des Haushuhns, das Bankivahuhn beziehungsweise Rote Dschungelhuhn, lebt in bewachsenen Lebensräumen Südostasiens. Dort wird das Sonnenlicht durch Vegetation gefiltert. Die Vorstellung, für Hühner müsse künstliches Licht einfach möglichst exakt einer offenen Mittagssonne entsprechen, wäre deshalb ebenfalls zu einfach.
Bei Tieren mit Zugang zu Freiland oder Wintergarten ist vor allem der Übergang zwischen den Lichtumwelten interessant. Die DLG empfiehlt, Tiere möglichst bereits während der Aufzucht an natürliches Licht zu gewöhnen, wenn sie später regelmäßig Tageslicht erhalten sollen. Mehr zur Nutzung von Fenstern und Lichtöffnungen behandelt unser Artikel Tageslicht im Hühnerstall: Fenster, Lichtverteilung und Schatten.
Welche Lichtfarbe für Legehennen?
Bei Legehennen sollte die Beleuchtung sowohl die visuelle Wahrnehmung als auch die reproduktive Wirkung des Lichts berücksichtigen. Rot- und orangebetonte längere Wellenlängen spielen bei der hormonellen Steuerung eine besondere Rolle, weshalb verschiedene Legehennenprogramme warmweiße beziehungsweise rotbetonte Beleuchtung einsetzen.
Eine einzelne Kelvinzahl lässt sich trotzdem nicht als universeller Optimalwert nennen. Der konkrete Effekt hängt vom Spektrum der Leuchte, der Beleuchtungsstärke und vom Lichtprogramm ab. Auch das Alter der Tiere und die Lichtbedingungen während der Junghennenaufzucht müssen berücksichtigt werden.
Wer eine neue Leuchte auswählt, sollte deshalb statt ausschließlich nach „warmweiß“ nach einem dokumentierten Spektrum fragen. Interessant sind insbesondere die Verteilung im sichtbaren Bereich, ein gegebenenfalls vorhandener UV-A-Anteil sowie die Eignung für Dimmung und Stallbetrieb.
Welche Lichtfarbe für Masthühner?
Bei Masthühnern wurde besonders viel mit blauen und grünen Wellenlängen experimentiert. Studien berichten teilweise über geringere Aktivität, weniger Furchtreaktionen oder Veränderungen bei Wachstum und Futterverwertung unter kurzwelliger Beleuchtung. Andere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Ergebnisse stark von Versuchsaufbau, Alter, Intensität und Genetik abhängen.
Die gesetzlichen Anforderungen an Masthühner konzentrieren sich deshalb nicht auf eine bestimmte Lichtfarbe. Wesentlich sind unter anderem mindestens 20 Lux während der Lichtstunden auf dem vorgeschriebenen Anteil der Nutzfläche sowie ein angemessener Tag-Nacht-Rhythmus.
Für den praktischen Stall ist ein ausgewogenes und gut dokumentiertes Spektrum deshalb meist die belastbarere Ausgangsbasis als die pauschale Entscheidung für eine einzelne Farbe. Die notwendige Helligkeit erklären wir im Beitrag Wie viel Lux brauchen Hühner im Stall?.
Ändert sich die geeignete Lichtfarbe mit dem Alter?
Hühner reagieren nicht in jeder Entwicklungsphase gleich auf Licht. In der Forschung werden bei jungen Broilern teilweise stärkere Reaktionen auf grüne beziehungsweise kurzwellige Bereiche beschrieben, während längere Wellenlängen mit zunehmender Geschlechtsreife eine größere Bedeutung für die Fortpflanzungssteuerung bekommen können.
Bei Legehennen ist zusätzlich entscheidend, dass die Lichtumwelt zwischen Aufzucht und Produktionsstall nicht unnötig stark verändert wird. Junghennen lernen ihre Umwelt bereits unter den Lichtbedingungen kennen, unter denen sie Futter, Wasser, Artgenossen und Einrichtungsgegenstände wahrnehmen.
Ein abrupter Wechsel zu einem deutlich anderen Spektrum kann die visuelle Umwelt der Tiere verändern. Bei der Planung von Aufzucht und Legephase sollte deshalb nicht nur die Zahl der Lichtstunden, sondern auch die verwendete Lichttechnik berücksichtigt werden.
Was bedeutet 2.700, 3.000 oder 4.000 Kelvin für Hühner?
Eine Leuchte mit 2.700 Kelvin erscheint Menschen warm und besitzt typischerweise einen stärkeren Anteil in längeren sichtbaren Wellenlängen als eine kaltweiße Lampe. Bei 4.000 Kelvin wirkt das Licht neutraler, bei mehr als 5.000 Kelvin zunehmend tageslicht- beziehungsweise kaltweiß. Diese Angaben beschreiben jedoch eine menschliche Farbwahrnehmung und keine vollständige spektrale Analyse.
Für Hühner kann insbesondere entscheidend sein, was zwischen und außerhalb dieser für Menschen sichtbaren Farbbereiche passiert. Zwei 3.000-Kelvin-Leuchten können unterschiedliche Rot-, Blau- oder UV-Anteile besitzen. Auch die Qualität der Farbwiedergabe lässt sich nicht allein aus der Farbtemperatur ablesen.
Deshalb ist es nicht sinnvoll, eine Geflügelleuchte nur nach Kelvin auszuwählen. Die Farbtemperatur kann Bestandteil der technischen Beschreibung sein, sollte aber gemeinsam mit Spektralkurve, Flimmerverhalten, Beleuchtungsstärke und Lichtverteilung betrachtet werden.
Ist tageslichtweißes Licht automatisch natürlich?
Nein. Die Bezeichnung „Tageslichtweiß“ beschreibt bei LED-Leuchten vor allem eine hohe Farbtemperatur aus menschlicher Sicht. Sie bedeutet nicht automatisch, dass das Spektrum natürlichem Sonnenlicht entspricht oder einen UV-A-Anteil enthält.
Eine LED mit beispielsweise 6.000 Kelvin kann für Menschen sehr tageslichtähnlich wirken und trotzdem nur aus bestimmten sichtbaren Spektralanteilen zusammengesetzt sein. Natürliches Tageslicht besitzt dagegen ein kontinuierlicheres und wesentlich breiteres Spektrum, dessen Zusammensetzung sich im Tagesverlauf verändert.
Wer eine möglichst naturnahe Lichtumgebung anstrebt, sollte deshalb nicht lediglich nach einer hohen Kelvinzahl suchen. Ein dokumentiertes breites Spektrum und die konkrete Anwendung im Stall sind wichtiger.
Spielt der Farbwiedergabeindex eine Rolle?
Der Farbwiedergabeindex Ra beziehungsweise CRI beschreibt, wie natürlich Farben für das menschliche Auge unter einer künstlichen Lichtquelle erscheinen. Für Hühner bildet dieser Wert die Farbwahrnehmung nur eingeschränkt ab, weil die Berechnung nicht auf dem tetrachromatischen Sehsystem von Vögeln basiert und UV-A nicht entsprechend ihrer Wahrnehmung bewertet.
Trotzdem ist eine gute Farbwiedergabe im Stall für die Menschen wichtig. Tierhalter müssen beispielsweise Veränderungen an Haut, Gefieder, Ausscheidungen oder Verletzungen zuverlässig erkennen können. Die DLG empfiehlt deshalb für die Arbeit im Geflügelstall Leuchten mit einem Farbwiedergabeindex von mindestens Ra 80.
Die Anforderungen des Menschen und die Anforderungen des Huhns müssen somit gleichzeitig berücksichtigt werden. Eine für Tiere interessante Spektralkurve ist wenig hilfreich, wenn Betreuungspersonal unter dem Licht Veränderungen an den Tieren nur schlecht erkennen kann.
Lichtfarbe und Federpicken: Gibt es einen Zusammenhang?
Beleuchtung kann das Verhalten der Tiere beeinflussen und damit auch bei Federpicken oder Kannibalismus eine Rolle spielen. Lichtintensität und Spektrum wurden in verschiedenen Untersuchungen als mögliche Einflussfaktoren beschrieben. Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, dass sich Federpicken durch die Wahl einer bestimmten Lichtfarbe zuverlässig verhindern lässt.
Federpicken ist ein multifaktorielles Problem. Fütterung, Beschäftigung, Einstreu, Genetik, Besatz, Tiergesundheit, Aufzuchtbedingungen und Stallmanagement können beteiligt sein. Eine Veränderung der Beleuchtung ist deshalb nur ein möglicher Managementbaustein.
Rotes oder gedimmtes Licht wurde teilweise kurzfristig eingesetzt, um bei akutem Pickgeschehen die Sichtbarkeit verletzter Haut beziehungsweise von Blut zu reduzieren. Als dauerhafte Standardlösung ist eine stark veränderte oder sehr dunkle Lichtumgebung deshalb nicht automatisch geeignet.
Ist Rotlicht bei Federpicken sinnvoll?
Rotlicht kann in bestimmten Situationen eine kurzfristige Managementmaßnahme sein. Durch die veränderte Farbwahrnehmung können rote Hautstellen und Blut weniger kontrastreich erscheinen. Gleichzeitig verändert eine solche Beleuchtung jedoch auch die gesamte visuelle Umwelt der Tiere.
Eine dauerhaft ausschließlich rote Beleuchtung sollte deshalb nicht ohne konkreten Grund als Standard gewählt werden. Wenn Federpicken auftritt, müssen die zugrunde liegenden Faktoren untersucht werden, statt lediglich das Stalllicht umzufärben.
Ähnliches gilt für das starke Herunterdimmen der Beleuchtung. Eine niedrigere Lichtintensität kann zwar bestimmte Verhaltensweisen beeinflussen, darf aber nicht dazu führen, dass die Tiere ihre Umgebung nicht mehr ausreichend wahrnehmen können oder vorgeschriebene Beleuchtungsstärken unterschritten werden.
Lichtfarbe und Lux dürfen nicht getrennt betrachtet werden
Ein häufiger Fehler bei Versuchen zur Lichtfarbe besteht darin, zwei Spektren mit demselben für Menschen gemessenen Luxwert zu vergleichen. Weil Lux nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges gewichtet wird, müssen 20 Lux unter einer blauen und 20 Lux unter einer roten Lichtquelle für ein Huhn nicht gleich hell erscheinen.
Auch wissenschaftliche Studien weisen deshalb darauf hin, dass sich Wirkungen von Wellenlänge und wahrgenommener Intensität überlagern können. Ein vermeintlicher „Farbeffekt“ kann teilweise auch daraus entstehen, dass die Tiere ein Spektrum heller oder dunkler wahrnehmen.
Für die Praxis folgt daraus, dass Beleuchtungsstärke im Hühnerstall und Spektrum gemeinsam beurteilt werden sollten. Eine bestimmte Lichtfarbe kann nicht unabhängig von ihrer Intensität bewertet werden.
Warum Flimmern wichtiger sein kann als Warmweiß oder Kaltweiß
Bei der Auswahl einer neuen LED wird häufig viel über 3.000 oder 4.000 Kelvin diskutiert, während die elektrische Qualität der Leuchte weniger Beachtung erhält. Für Hühner kann jedoch ein ungeeignetes Flimmerverhalten wesentlich problematischer sein als ein moderater Unterschied in der Farbtemperatur.
Geflügel kann schnelle Lichtschwankungen anders wahrnehmen als Menschen. Eine vermeintlich ruhige LED kann deshalb flimmern, insbesondere wenn Treiber und Dimmer nicht aufeinander abgestimmt sind. Die deutsche Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verlangt für Geflügel künstliches Licht, das entsprechend dem tierartspezifischen Wahrnehmungsvermögen flackerfrei ist.
Wer zwischen zwei Leuchten mit leicht unterschiedlicher Farbtemperatur wählen muss, sollte deshalb nicht allein auf die Kelvinzahl schauen. Flimmerverhalten, Spektrum, Lichtverteilung und Stallfestigkeit sind mindestens ebenso relevant. Diese technischen Fragen behandeln wir ausführlich unter LED-Beleuchtung im Hühnerstall: Worauf kommt es an?.
Welche Lichtfarbe ist im Winter sinnvoll?
Im Winter gelten grundsätzlich dieselben Anforderungen an das Spektrum wie während der übrigen Jahreszeit. Wird Kunstlicht eingesetzt, um die natürliche Tageslänge zu ergänzen, sollten sich künstliches und natürliches Licht jedoch möglichst sinnvoll ergänzen. Ein abrupter Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Lichtumgebungen ist wenig wünschenswert.
Bei professionellen Legehennen ist das Licht im Winter Bestandteil des gesamten Lichtprogramms. Hier sollte nicht saisonal willkürlich zwischen verschiedenen Lichtfarben gewechselt werden. In kleinen Hühnerhaltungen ist ebenfalls ein konstantes System sinnvoller als das regelmäßige Austauschen von Leuchten nach Jahreszeit.
Die Frage, wann im Winter überhaupt künstliches Licht erforderlich ist und ob morgens oder abends ergänzt werden sollte, behandeln wir im Beitrag Hühnerstall im Winter beleuchten: Ist Kunstlicht nötig?.
Welche Lampe sollte man für Hühner wählen?
Eine geeignete Leuchte für einen Hühnerstall sollte ein dokumentiertes und zur Nutzungsrichtung passendes Spektrum besitzen. Ein breites weißes Spektrum mit geeignetem UV-A-Anteil kann die visuelle Umwelt natürlicher abbilden als eine einfache LED, deren technische Angaben sich auf Watt, Lumen und Kelvin beschränken. Gleichzeitig muss die Leuchte die notwendige Beleuchtungsstärke in den relevanten Stallbereichen erreichen.
Ebenso wichtig sind Flimmerfreiheit, Dimmbarkeit und Beständigkeit gegenüber Staub, Feuchtigkeit, Reinigung und Stallluft. Eine gute Spektralkurve nützt wenig, wenn die Leuchte nach kurzer Zeit verschmutzt, korrodiert oder mit der eingesetzten Steuerung sichtbar pulsiert.
Bei der Auswahl sollte deshalb möglichst ein technisches Datenblatt vorliegen. Interessant sind neben Leistung und Lichtstrom insbesondere Spektralkurve, Farbtemperatur, Farbwiedergabe, UV-A-Anteil, Flimmerkennwerte, Schutzart und Angaben zur Ammoniakbeständigkeit.
Was ist nun besser: Warmweiß, Kaltweiß oder Vollspektrum?
Für einen normalen Hühnerstall lässt sich keine seriöse Empfehlung nach dem Muster „immer 3.000 Kelvin“ oder „immer kaltweiß“ geben. Die Kelvinzahl beschreibt nur, wie weißes Licht für den Menschen wirkt, während Hühner einen erweiterten Spektralbereich wahrnehmen. Warmweiß kann insbesondere bei Legehennen sinnvoll sein, weil längere Wellenlängen eine Bedeutung für die Reproduktionssteuerung haben, aber auch hier entscheidet das tatsächliche Spektrum.
Ein breit zusammengesetztes Licht mit geeignetem UV-A-Anteil bildet die Wahrnehmungsmöglichkeiten der Tiere besser ab als eine ausschließlich nach menschlicher Farbtemperatur ausgewählte Lichtquelle. Dabei müssen aber immer auch Lichtintensität, Flimmerfreiheit, Lichtprogramm und Stallbereich berücksichtigt werden.
Die praktisch wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur „Welche Lichtfarbe mögen Hühner?“, sondern welches Spektrum bietet den Tieren in ihrem jeweiligen Haltungssystem eine geeignete visuelle Umwelt. Genau diese Unterscheidung verhindert, dass die Auswahl einer Geflügelleuchte auf eine einzige Kelvinzahl reduziert wird.
Quellen
- DLG-Merkblatt 438: Beleuchtung und Beleuchtungstechnik im Geflügelstall
- Frontiers in Animal Science: Application of Ultraviolet Light for Poultry Production
- Poultry Science: Light regimen on health and growth of broilers – an update review
- Animals: Effects of Key Farm Management Practices on Pullets Welfare – A Review
- Animals: Influence of Different Light Spectrums on Behaviour and Welfare in Laying Hens
- Frontiers in Physiology: Light Color and the Commercial Broiler – Effect on Ocular Health and Visual Acuity
- Poultry Science: Light color and the commercial broiler – effect on behavior, fear, and stress
- Poultry Science: Impact of light spectrum electromagnetic radiation variations on performance and hormonal profiles in laying hens
