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Deutsche Zuckerproduktion bricht ein: Erhebliche Ernteverluste drohen

Die europäische Zuckerindustrie steht vor großen Herausforderungen, da die Zuckerpreise in der EU nach zwei Jahren hoher Erträge und gestiegener Vorräte einen deutlichen Rückgang verzeichnet haben. Zu Beginn der Kampagne 2026/27 ist aufgrund von Trockenheit und Krankheitsdruck ein erheblicher Rückgang der Ernteerträge zu erwarten. Ob dies den derzeitigen Preisverfall stoppen wird, bleibt jedoch ungewiss.

Weniger Anbaufläche und schwächere Erträge belasten deutsche Produktion

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) prognostiziert für Deutschland im Jahr 2026 eine Zuckerproduktion von nur noch knapp 3,4 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von etwa 1 Million Tonnen im Vergleich zur vorherigen Kampagne entspricht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Anbaufläche für Zuckerrüben ist um mehr als 48.000 Hektar auf nunmehr 300.069 Hektar gesunken. Zudem sind die Flächenerträge mit durchschnittlich 71,3 Tonnen pro Hektar deutlich niedriger als in der Vergangenheit.

Besonders Trockenheit und Krankheiten wie SBR und Stolbur, die durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragen werden, setzen den Beständen erheblich zu. Der Zuckergehalt der Rüben liegt mit 17,8% zwar leicht über dem Vorjahreswert, kann die geringeren Erntemengen jedoch nicht ausgleichen.

Zuckerpreise erreichen Tiefststand seit Jahren

Der Preis für Weißzucker in der EU fiel bis Juni 2026 auf 501 Euro pro Tonne, den niedrigsten Stand seit August 2022. Dieser Rückgang um weitere 0,7% gegenüber dem Vormonat ist vor allem auf hohe Bestände zurückzuführen, die im September auf über 3 Millionen Tonnen angewachsen sein dürften. Für das kommende Jahr erwartet die EU-Kommission eine Verknappung des Angebots auf rund 13,4 Millionen Tonnen Zucker — ein Rückgang von etwa 19% im Vergleich zum Vorjahr.

Importabhängigkeit der EU steigt

Mit einer erwarteten Produktion von nur noch durchschnittlich 10,9 Tonnen Zucker pro Hektar und einem vergleichsweise hohen Anfangsbestand von rund 3,1 Millionen Tonnen wird die EU zunehmend auf Importe angewiesen sein. Es wird erwartet, dass die Zuckerimporte von derzeit etwa 880.000 Tonnen auf rund 1,5 Millionen Tonnen steigen könnten. Gleichzeitig dürften die Exporte erheblich sinken.

Die EU-Kommission rechnet damit, dass trotz hoher Anfangsbestände die Endbestände bis September 2027 auf etwa 2,32 Millionen Tonnen sinken könnten. Während der EU-Zuckerverbrauch stabil bei rund 13,4 Millionen Tonnen bleibt, bleibt abzuwarten, ob sich diese Entwicklungen in steigenden Preisen niederschlagen werden.

Globale Marktlage verschärft sich

Auch global wird eine Verknappung des Zuckerangebots erwartet. Während die International Sugar Organization (ISO) für das Jahr 2026/27 ein Defizit von rund 200.000 Tonnen prognostiziert, rechnen andere Analysten sogar mit einem Defizit von bis zu 3,2 Millionen Tonnen.

  • Indien: Eine schwache Monsunzeit hat die Produktion beeinträchtigt; das Land hat zollfreie Importe genehmigt.
  • Brasilien: Wetterbedingte Ausfälle und hohe Rohölpreise führen zu einer Umstellung auf Ethanolproduktion.
  • Thailand: Unterdurchschnittliche Regenfälle und Abwanderungen zu profitablerem Anbau belasten die Ernteaussichten.

An den internationalen Börsen führte diese Unsicherheit bereits zu einem Preisanstieg: Der Weißzucker-Kontrakt in London erhöhte sich um fast 20%, während der Rohzucker-Kontrakt in New York ähnliche Zuwächse verzeichnete. Ob sich diese Entwicklungen auch auf den europäischen Markt auswirken werden, bleibt offen.