Brasilien steht vor einem bedeutenden Handelshemmnis, da es ab dem 3. September voraussichtlich kein Rindfleisch mehr in die Europäische Union exportieren darf. Der Grund liegt darin, dass das Land es nicht geschafft hat, den Nachweis zu erbringen, dass bei der Rinderzucht keine Reserveantibiotika verwendet werden. Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte gegenüber Agra Europe, dass bis zur letzten Augustwoche keine ausreichenden Belege eingereicht wurden.
Probleme bei Nachweisen und EU-Vorgaben
Der Hintergrund dieser Entscheidung ist eine veterinärrechtliche Regelung der EU aus dem Jahr 2023, die eine Übergangsfrist bis Anfang September vorsieht. Im Rahmen dieser Vorschrift müssen Länder nachweisen, dass ihre landwirtschaftlichen Produkte ohne den Einsatz bestimmter Antibiotika erzeugt werden. Brasilien konnte diesen Nachweis nicht für den gesamten Lebenszyklus der Masttiere erbringen, die meist mit zwei Jahren geschlachtet werden.
Mehrere Audits des brasilianischen Kontrollsystems brachten Mängel zutage. Erst wenn diese behoben sind, könnte die EU den Importstopp aufheben. Laut dem brasilianischen Branchenverband Abiec exportierte das Land im ersten Halbjahr 2026 rund 63.700 Tonnen Rindfleisch in die EU – ein Anstieg von 10 % im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr.
Zukunftsaussichten für Geflügelfleisch und Honig
Während der Import von Rindfleisch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt ist, gibt es Hoffnung für andere Agrarprodukte Brasiliens. Die erforderlichen Nachweise für Geflügel und Honig wurden laut EU-Kommission bereits eingereicht. Ein Team der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit plant ein Audit vor Ort, um die Einhaltung der Standards zu überprüfen.
Bevor diese Produkte jedoch in die EU importiert werden dürfen, muss der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) seine Zustimmung geben. Brasilien verhandelt derzeit intensiv über Marktzugangsmöglichkeiten für Geflügel- und Rindfleisch. Besonders bei Geflügelfleisch sind die Produktionszyklen kürzer als bei Rindfleisch, was möglicherweise eine schnellere Anpassung an die EU-Anforderungen ermöglicht.
