Die aktuellen Entwicklungen auf dem Kartoffelmarkt im Jahr 2026 zeichnen ein durchwachsenes Bild. Nach den Preistiefs der letzten Saison haben sich die Preise für Kartoffeln wieder erholt, was maßgeblich auf die klimatischen Herausforderungen zurückzuführen ist. Diese neue Dynamik steht im Zentrum des Interesses beim Weuthen Kartoffeltag 2026, an dem zahlreiche Fachleute und Interessierte teilnahmen.
Anstieg der Kartoffelpreise nach schwieriger Vorsaison
Im vergangenen Jahr führten ein Überangebot und ein damit verbundener Preisverfall zu erheblichen Verlusten für viele Landwirte. Auf dem Kassamarkt lagen die Preise auf einem extrem niedrigen Niveau, das für viele Erzeuger kaum kostendeckend war. Im Gegensatz dazu konnten sich Anbauer mit festen Preisvereinbarungen besser behaupten und ihre Verluste minimieren.
Ferdi Buffen, Geschäftsführer der Wilhelm Weuthen GmbH & Co. KG, betonte bei der Veranstaltung die Abhängigkeit der europäischen Verarbeitungsindustrie von Exportmärkten für Fertigprodukte. Der Konkurrenzkampf um Marktanteile sei hart, und es mangele an Rohstoffen in ausreichender Qualität. Die Produktion von langen Pommes beispielsweise erfordere größere Kartoffeln, die aktuell schwer zu finden sind.
Klimatische Einflüsse reduzieren Ernteerträge
Die Aussichten auf eine rentabele Kartoffelproduktion schienen zunächst vielversprechend, doch die Realität sieht anders aus. Hitzewellen und langanhaltende Dürreperioden haben erhebliche Schäden in vielen Kartoffelfeldern verursacht. Dies führte zu einer Reduzierung des Angebots. Die Anbaufläche für Frühkartoffeln wurde um mehr als 20 % verkleinert, was dazu führte, dass Erzeugnisse aus dem Vorjahr länger genutzt werden mussten.
Laut Buffen seien Proberodungen sehr uneinheitlich verlaufen, insbesondere in Regionen ohne Bewässerung wie Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland. In einigen Bereichen sowie in Betrieben mit Bewässerungstechnik könnten jedoch noch normale Erträge erreicht werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer Anpassung von Sortenwahl und Produktionstechniken an die veränderten Klimabedingungen.
Zukunftsprognosen und Marktentwicklung
Buffen prognostiziert eine geringe Erntemenge in diesem Jahr. Für Deutschland rechnet er mit 9 bis 10 Millionen Tonnen, während für die EU4-Länder (Frankreich, Belgien, Niederlande und Deutschland) insgesamt 19,5 bis 20,5 Millionen Tonnen erwartet werden. Angesichts dieser Zahlen wird die europäische Kartoffelindustrie voraussichtlich Marktanteile im Export verlieren müssen.
Trotz des begrenzten Angebots sieht Buffen Chancen auf Kassanotierungen oberhalb der vertraglich vereinbarten Niveaus. Allerdings sei dies nur bei ausreichender Qualität der gelieferten Rohstoffe möglich. Die Verarbeitungsindustrie hat ihre Kapazitäten in den letzten Jahren erweitert und ist nun darauf angewiesen, dass diese auch ausgelastet werden können.
Blick auf 2027: Zusammenarbeit entscheidend
Für das kommende Jahr sieht Buffen positive Perspektiven für Speisefrühkartoffelanbauer und fordert eine konsequente Vertragstreue sowohl seitens der Anbauer als auch der Verarbeiter hinsichtlich Mengen und Lieferterminen. Eine verlässliche Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette sei entscheidend für den Erfolg aller Beteiligten.
