Anzeige
 

Friedenshoffnungen drücken Weizenpreise – Düngemittel werden teurer

Die Aussicht auf neue Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine hat die Weizenpreise an den internationalen Terminbörsen deutlich unter Druck gesetzt. An der Pariser Euronext verlor der Dezemberkontrakt am Mittwoch 8,75 Euro je Tonne und fiel auf 232,75 Euro. Am Donnerstag beruhigte sich der Handel etwas. Gleichzeitig belasten niedrige Wasserstände auf deutschen Flüssen den Getreidetransport, während die Preise für Stickstoffdünger weiter steigen.

Über diese Entwicklungen diskutierten Händler und Vertreter der Futtermittelwirtschaft am 22. Oktober auf der Bremer Freimarktsbörse. Neben den politischen Nachrichten bestimmten vor allem die Aussichten auf größere Getreideernten und steigende Logistikkosten die Gespräche.

Weizenpreise reagieren auf mögliche Friedensgespräche

Die Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung zwischen Russland und der Ukraine löste am Mittwoch deutliche Kursverluste am Weizenmarkt aus. Marktteilnehmer rechnen offenbar damit, dass eine mögliche Entspannung des Konflikts den Getreidehandel über das Schwarze Meer erleichtern könnte.

Ob daraus tatsächlich zusätzliche Exportmengen entstehen, ist allerdings offen. Beide Länder gehören zu den bedeutenden Weizenexporteuren. Veränderungen bei ihren Liefermöglichkeiten wirken sich deshalb unmittelbar auf die Preisbildung am Weltmarkt aus.

Der Rückgang an der Euronext zeigt, wie empfindlich die Terminmärkte derzeit auf politische Nachrichten reagieren. Für deutsche Getreideerzeuger erschwert das die Vermarktungsplanung. Kurzfristige Kursschwankungen können die Erlöse erheblich verändern, während sich die Erzeugerpreise am regionalen Kassamarkt bislang teilweise stabiler entwickeln.

Argentinien erwartet 2,8 Millionen Tonnen mehr Weizen

Zusätzlichen Druck auf die Weizennotierungen bringt eine neue Ernteschätzung aus Südamerika. Die Getreidebörse Rosario hat ihre Prognose für die argentinische Weizenernte 2026/27 von bisher 21 Millionen auf 23,8 Millionen Tonnen angehoben.

Damit könnte Argentinien die zweitgrößte Weizenernte der vergangenen 17 Jahre einfahren. Die erwartete Produktion liegt allerdings weiterhin unter dem Rekordergebnis von 28,5 Millionen Tonnen aus der vorherigen Saison.

Grund für die höhere Schätzung sind bessere Ertragserwartungen in wichtigen Anbaugebieten. Für die laufende Vegetationsperiode bestehen dennoch Risiken. Ungewöhnlich niedrige Temperaturen, wenig Sonneneinstrahlung und regional fehlende Niederschläge könnten sich noch auf die Kornfüllung auswirken. Die Weizenernte beginnt in Argentinien im November.

Niedrigwasser auf dem Rhein verteuert Getreidetransporte

Während die internationalen Börsenpreise nachgeben, haben Getreidehändler in Deutschland mit steigenden Transportkosten zu kämpfen. Besonders kritisch ist die Situation auf dem Rhein, wo Binnenschiffe wegen des anhaltenden Niedrigwassers nur einen Teil ihrer üblichen Ladung transportieren können.

Am Pegel Kaub am Mittelrhein wurden am 22. Oktober lediglich 21 Zentimeter gemessen. Dabei handelt es sich um den Wasserstand über dem örtlichen Pegelnullpunkt, nicht um die tatsächliche Fahrrinnentiefe.

Für die Binnenschifffahrt bedeutet der niedrige Wasserstand erhebliche Einschränkungen. Um dieselbe Getreidemenge zu befördern, sind zusätzliche Fahrten oder Schiffe erforderlich. Teilweise müssen Transporte auf Lastwagen verlagert werden.

Auch auf der Elbe behindern niedrige Wasserstände die Schifffahrt. Besonders betroffen sind Unternehmen, deren Rohstoffversorgung auf regelmäßige Lieferungen über Binnenwasserstraßen angewiesen ist.

Rapsmarkt leidet unter guten Sojaaussichten

Bei den Ölsaaten begrenzen die internationalen Ernteaussichten derzeit die Möglichkeiten für steigende Preise. Die fortschreitende Sojabohnenernte in den USA und günstige Erwartungen für Südamerika belasten den Markt.

Für Raps wurden im Hamburger Großhandel zuletzt 554 Euro je Tonne genannt. Die weitere Preisentwicklung hängt unter anderem davon ab, wie sich das globale Angebot an Sojabohnen und Pflanzenölen entwickelt.

Die deutschen Kassamärkte zeigen dabei kein einheitliches Bild. Während schwächere internationale Börsenkurse die Stimmung belasten, können regionale Angebotsverhältnisse und die Nachfrage der Ölmühlen die örtlichen Rapspreise stützen.

Düngemittelpreise steigen weiter: KAS bei 470 Euro

Deutlich fester zeigt sich der Düngemittelmarkt. Kalkammonsalpeter (KAS) wird nach den vorliegenden Handelsangaben mit rund 470 Euro je Tonne bewertet. Das sind zehn Euro mehr als in der Vorwoche. Für granulierten Harnstoff werden etwa 640 Euro je Tonne frei Hof genannt.

Die höheren Preise hängen vor allem mit den gestiegenen Energie- und Transportkosten zusammen. Erdgas ist ein wichtiger Rohstoff für die Ammoniakproduktion und damit für die Herstellung von Stickstoffdüngern. Hohe Gaspreise belasten die europäischen Produzenten und verteuern die Herstellung.

Hinzu kommen die Einschränkungen bei der Binnenschifffahrt. Weil größere Düngemittelmengen nicht wie gewohnt über den Rhein transportiert werden können, müssen Händler auf teurere Transportwege ausweichen. Das wirkt sich auf die Lieferkosten und teilweise auch auf die Verfügbarkeit einzelner Produkte aus.

Nach Angaben des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen sind bestimmte Stickstoffdünger regional bereits schwer erhältlich. Lieferungen verzögern sich teilweise um mehrere Wochen. Auch auf der Bremer Freimarktsbörse äußerten Händler Bedenken hinsichtlich der Versorgung für die kommende Düngesaison.

Viele Landwirte haben ihren Düngemittelbedarf für das Frühjahr 2027 noch nicht vollständig gedeckt. Die niedrige Vorkaufsquote erhöht das Risiko, dass Betriebe bei weiter steigenden Preisen größere Mengen zu ungünstigeren Konditionen beschaffen müssen.

Quellen