Der europäische Schweinemarkt steht unter erheblichem Druck durch die Konkurrenz aus Spanien, Dänemark, China und Brasilien. Dieser Druck wirkt sich spürbar auf deutsche Schweinehalter aus, wie beim jüngsten Treffen des Veredlungsausschusses des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) erörtert wurde.
Herausforderungen im Jahr 2026
Bisher gestaltet sich das Jahr 2026 für die Schweinebranche als besonders herausfordernd. Laut Michael Schulze Kalthoff, Vorstandsmitglied bei Westfleisch, hatte man mit einer solchen Entwicklung nicht gerechnet. Im Mittelpunkt der Schwierigkeiten stehen vor allem externe Faktoren. Ein intensiver Wettbewerb um Absatzmärkte in Europa führt dazu, dass große Mengen an Schweinefleisch auf den europäischen Binnenmarkt drängen, was den deutschen Schlachtunternehmen insbesondere in Ost- und Südeuropa Probleme bereitet.
Europäische Exporte unter Druck
Die Bedeutung des Exports in Drittländer für Länder wie Spanien und Dänemark wurde von Mathias Klahsen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hervorgehoben. Dänemark hat einen Selbstversorgungsgrad von etwa 330 %, während Spanien bei rund 170 % liegt. Beide Länder sind darauf angewiesen, ihre Produkte auf internationalen Märkten zu verkaufen. Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die Ende 2025 ausbrach, sind jedoch wichtige Exportmärkte für Spanien eingeschränkt. Gleichzeitig hat China seine Eigenproduktion erheblich gesteigert und tritt nun selbst als Exporteur auf, was den Markt zusätzlich beeinflusst.
Brasilien als wachsender Wettbewerber
Auch Brasilien spielt eine zunehmend bedeutende Rolle auf dem globalen Markt. Mit Produktionskosten zwischen 1,03 und 1,06 €/kg bietet Brasilien günstigere Alternativen und erschwert es dänischen Exporteuren zunehmend, ihre Produkte abzusetzen. Diese Entwicklungen setzen auch deutsche Schlachtunternehmen unter Druck, da ein wichtiges Absatzventil betroffen ist.
Finanzielle Belastungen für deutsche Landwirte
Während der deutschen Einzelhandel zwar große Mengen an Schweinefleisch abnimmt, müssen viele Überschüsse flexibel innerhalb Europas verkauft werden. Hierbei konkurrieren deutsche Anbieter direkt mit Anbietern aus Spanien, Dänemark und anderen Ländern wie den Niederlanden oder Polen. Für viele Betriebe bedeutet dies finanzielle Einbußen; der aktuelle Preis von 1,45 €/kg reicht oft nicht aus, um die Kosten zu decken.
Sorgen der Ferkelerzeuger
Auch Ferkelerzeuger stehen unter starkem Druck: Bei aktuellen Notierungen von rund 30 € pro Ferkel wird vielerorts über das Aufgeben nachgedacht. Die finanzielle Lage wird zudem durch bevorstehende Pacht- und Steuerzahlungen verschärft. WLV-Präsident Hubertus Beringmeier setzt sich beim Bundeslandwirtschaftsministerium für ein Sonderförderprogramm zur Unterstützung der Sauenhaltung ein.
Anpassungen bei der Preisbildung gefordert
Längerfristige Preisvereinbarungen wurden bereits mehrfach diskutiert, finden aber bislang wenig Zuspruch bei Schlachtunternehmen. Ausschussmitglieder fordern jedoch eine stärkere Vertrauensbasis zwischen Erzeugern und Schlachtbetrieben für solche Modelle. Mathias Klahsen betont dabei zwar die Vorteile hinsichtlich Planungssicherheit, weist aber darauf hin, dass solche Modelle keine finanziellen Wunder bewirken können.
Klahsen warnt zudem vor Versuchen einzelner Unternehmen, das bestehende Preisfindungssystem der VEZG zu schwächen – ein System um das Deutschland in Europa beneidet wird. Eine Dominanz einzelner Unternehmen wie in Dänemark sei aus seiner Sicht nicht wünschenswert.
