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Österreichische Molkereien erobern deutschen Markt mit HF 3-Milch

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel hat sich Milch aus der Haltungsform Stufe 3 (HF 3) in den Regalen etabliert. Laut aktuellen Daten erfüllt mittlerweile fast jeder dritte verkaufte Liter die Kriterien dieses Systems. Für die Milcherzeuger bedeutet dies Zuschläge von 1 bis 3 Cent pro Kilogramm Milch. Nach vier Jahren seit der Einführung der Haltungsformen zeigt sich eine Erfolgsgeschichte im Bereich Trinkmilch.

Österreichische Molkereien mischen mit

Österreichische Molkereien haben sich einen bedeutenden Anteil am Markt für HF 3-Milch in Deutschland gesichert. Sie liefern nicht nur Markenprodukte, sondern auch HF 3-Milch für Eigenmarken großer Supermarktketten wie Rewe und Edeka. Um international wettbewerbsfähig zu sein, setzten sie auf zwei freiwillige Tierwohl-Labels für ihre Lieferanten. So konnten sie ihre Marktanteile nach eigenen Angaben erfolgreich ausbauen.

Marktsättigung und Exportstrategien

Hinter den Kulissen zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab. Experten zufolge ist der Markt für HF 3-Milch bereits gesättigt, was es schwierig macht, die Zuschläge zu rechtfertigen. Molkereivertreter wie Dr. Johann Meier von den Milchwerken Schwaben befürchten, dass der Wettbewerb um Marktanteile in diesem Segment weiter zunehmen wird. Die Preise auf dem Markt sind zwar attraktiv, doch ist der Absatz auf den heimischen Markt beschränkt, da im Ausland wenig Interesse an deutscher Tierwohl-Milch besteht.

Entgegen dieser Annahme haben große österreichische Molkereien wie Berglandmilch und SalzburgMilch eine starke Präsenz auf dem deutschen Markt aufgebaut. Fast die Hälfte ihrer Exporte geht nach Deutschland, was etwa 850.000 Litern jährlich entspricht. Johann Költringer vom Milchverband Österreich unterstreicht die Bedeutung des deutschen Marktes für die heimische Milchwirtschaft.

Kritik und Anpassungen

Trotz anfänglicher Kritik an den neuen Labels haben viele Betriebe inzwischen erkannt, dass die Anpassung an das deutsche Haltungsform-System notwendig war, um auf internationalen Märkten bestehen zu können. Ein Tiroler Milcherzeuger erklärt, dass es unerlässlich sei, sich den neuen Bedingungen anzupassen.

Laut Agrarmarkt Austria wurden rund 65% der österreichischen Milchproduktion im Jahr 2024 gemäß den neuen Kriterien produziert. Das AMA-Gütesiegel „Tierhaltung plus“ entspricht dabei den Anforderungen der Haltungsform Stufe 2.

Preisgestaltung und Herausforderungen

Die Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Wie kann man bei höheren Produktionskosten konkurrenzfähig bleiben? Trotz aller Bemühungen wurde HF 2-Milch im Herbst 2025 zum gleichen Preis angeboten wie HF 3-Trinkmilch – ein Umstand, der laut Experten vorhersehbar war und nicht rückgängig gemacht werden kann.

Michael Wöckinger von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich betont, dass trotz sinkender Preise und hoher Milchanlieferungen ein gewisser Abstand zur reinen Verwertung erreicht werden kann, was hilft, Preistäler zu überbrücken.

Insgesamt bleibt die Situation herausfordernd: Während die Exporteure von ihrer Strategie profitieren, müssen sie weiterhin in einem preissensiblen Markt bestehen.