Die Kartoffelernte in Deutschland und weiten Teilen Nordwesteuropas zeigt in diesem Jahr ein uneinheitliches Bild. Während die Erträge im Süden Deutschlands deutlich zurückgegangen sind, bleibt die Marktlage dennoch stabil. Dies liegt vor allem an der geringeren Anbaufläche sowie den regionalen Unterschieden in der Ernteausbeute.
Erntebedingungen und regionale Unterschiede
Trotz starker Regenfälle schreitet die Kartoffelernte zügig voran. Die Ertragserwartungen variieren jedoch stark, abhängig von den jeweiligen Regionen. Einige Gebiete berichten von unterdurchschnittlichen Erträgen, während andere leicht über dem Durchschnitt liegen. Diese schwankenden Ergebnisse beeinflussen die Marktbedingungen, die derzeit ausgeglichen erscheinen.
Die Nachfrage nach Kartoffeln steigt saisonbedingt, was zu einem kontinuierlichen Absatz führt. Besonders die geringere Anbaufläche und schwache Erträge in den südlichen Bundesländern tragen zur Stabilität der Preise bei. Marktbeobachter von AMI berichten von ungewöhnlichen Warenströmen, da süddeutsche Händler vermehrt Kartoffeln aus dem Norden beziehen, um Engpässe auszugleichen.
Kartoffelpreise stabilisieren sich
Der aktuelle Markt wird durch stabile Preise geprägt, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen sind. Die AMI schätzt, dass die deutsche Kartoffelproduktion etwa 10,6 Millionen Tonnen beträgt, was einem Rückgang von rund 20 Prozent im Vergleich zu 2025 entspricht. In Rheinland-Pfalz beispielsweise liegen die Erzeugerpreise für festkochende Speisekartoffeln zwischen 32 und 35 Euro pro 100 Kilogramm.
In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen werden Preise von 31 bis 33 Euro je 100 Kilogramm gemeldet. Niedersachsen verzeichnet aktuell Preise zwischen 26,5 und 27,5 Euro pro 100 Kilogramm. Insgesamt sind die Preise für Kartoffeln im Vergleich zum Vorjahr um etwa 15 bis 16 Euro je 100 Kilogramm gestiegen.
Szenario in Nordwesteuropa
Auch in Nordwesteuropa ist mit einer deutlich kleineren Kartoffelernte zu rechnen. Die North-Western European Potato Growers (NEPG) berichten von einem Rückgang der Anbaufläche um etwa 13,7 Prozent auf nunmehr 521.500 Hektar. Die Erträge könnten ebenfalls unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen.
Besonders betroffen sind Regionen in Belgien und Frankreich, wo viele Landwirte möglicherweise ihre vertraglich zugesicherten Mengen nicht erfüllen können. Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten haben das Wachstum beeinträchtigt; selbst dort, wo bewässert wurde, blieben die Ergebnisse oftmals hinter den Erwartungen zurück.
Anpassung der Marktanforderungen gefordert
Angesichts der ungünstigen Bedingungen appelliert die NEPG an Händler und Verarbeiter, ihre Anforderungen an Produktspezifikationen anzupassen. Es sei wichtig, die Herausforderungen der Landwirte zu berücksichtigen und flexibel auf die aktuellen Gegebenheiten zu reagieren.
Diese Entwicklungen haben ebenfalls Auswirkungen auf den Preis für Pommes-frites-Kartoffeln zur industriellen Verarbeitung. Laut PotatoNL stieg deren Preis kürzlich leicht an: In Woche 36 wurden diese zwischen 22 und 27,50 Euro pro 100 Kilogramm gehandelt – ein Plus von etwa 0,50 Euro gegenüber der Vorwoche.
