Der Einsatz von Flufenacet in der Landwirtschaft wird ab 2026 eingestellt, was Bauern und Agrarwissenschaftler dazu zwingt, nach alternativen Herbizidlösungen zu suchen. Diese Veränderung trifft auf eine bereits angespannte Situation: In diesem Jahr waren Ackerfuchsschwanz und Weidelgras auffallend häufig in deutschen Feldern vertreten. Die Mischverungrasungen wurden von Ackerfuchsschwanz dominiert, was die Herausforderung der Unkrautbekämpfung weiter verstärkte.
Resistenzen erschweren Unkrautbekämpfung
Die Resistenzproblematik bei Ackerfuchsschwanz hat sich deutschlandweit verschärft. Etwa ein Drittel der getesteten Proben zeigt multiple Resistenzen gegenüber verschiedenen Wirkstoffgruppen. Diese Populationen sind sowohl gegen ACCase- als auch ALS-Hemmer resistent, was die Wirksamkeit herkömmlicher Frühjahrsbehandlungen stark einschränkt. Daher wird empfohlen, den Fokus stärker auf Maßnahmen im Herbst zu legen.
Dr. Dirk Wolber von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen betont die Bedeutung einer strategischen Aussaatplanung: Herbizide sollten unmittelbar nach der Saat angewendet werden können, um ihre Effektivität voll auszuschöpfen. Dies erfordert, dass die Böden zum Zeitpunkt des Herbizideinsatzes ausreichend feucht sind. Zudem sollten Landwirte alternative Anbaupraktiken wie spätere Saattermine oder Blindstriegeln in Betracht ziehen.
Alternative Herbizidlösungen für Windhalm
Für die Bekämpfung von Windhalm sind frühzeitige Maßnahmen entscheidend. Die Behandlung sollte idealerweise vor dem Auflaufen des Unkrauts erfolgen. Dringend empfohlen wird der Einsatz von Wirkstoffkombinationen, um Resistenzen vorzubeugen, beispielsweise mit Diflufenican oder Pendimethalin. Eine Übersicht geeigneter Herbizide steht zur Verfügung.
Auf humusreichen Böden kann die Wirkung herkömmlicher Mittel durch Zugabe von 1,5 bis 2,0 l/ha Boxer verbessert werden. Allerdings erhöht sich dadurch das Risiko für Verträglichkeitsprobleme bei stärkeren Niederschlägen. Jura Max in Kombination mit Sunfire kann ebenfalls eingesetzt werden, um die Wirkung auf humusreichen Standorten zu unterstützen.
Strategien gegen Ackerfuchsschwanz und Weidelgräser
Ackerfuchsschwanz ohne Resistenz wird zunehmend seltener. Um Restbestände effektiv zu nutzen, sollten Herold SC oder Malibu nur noch in voller Menge angewendet werden. Falls diese Mittel nicht mehr ausreichen, ist eine Beimischung von Boxer im Weizen oder Roggen sinnvoll, obwohl dies zu Aufhellungen führt.
Laut aktuellen Forschungen sind zusätzliche Maßnahmen gegen schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz notwendig. Sollten Bodenherbizide nicht ausreichend wirken, empfiehlt sich eine Nachbehandlung mit Trinity im Spätherbst oder bei Bedarf Traxos.
Neue Hoffnung durch Cinmethylin
Eine bedeutende Innovation ist das Herbizid Luxinum mit dem Wirkstoff Cinmethylin, das kürzlich per Notfallzulassung genehmigt wurde. Dieser neue Wirkstoff gehört zur HRAC-Gruppe 30 und bietet einen neuen Mechanismus zur Bekämpfung resistenter Ungräser wie Ackerfuchsschwanz und Weidelgrasarten.
Cinmethylin wirkt primär als Bodenherbizid und zeigt stabile Ergebnisse selbst bei geringer Bodenfeuchte, was es von anderen Bodenherbiziden unterscheidet. Experimente haben gezeigt, dass Cinmethylin besonders gut bei Vorauflaufanwendungen abschneidet und in mehreren Getreidesorten verträglich ist.
Insgesamt zeigt sich trotz der Herausforderungen eine positive Perspektive für Landwirte durch innovative Lösungen und optimierte Anbaustrategien.
