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Geflügelkonsum boomt: Junge Menschen und Muslime treiben Trend an

In Deutschland ist der Konsum von Geflügelfleisch in den letzten zwei Jahrzehnten stark angestiegen und macht mittlerweile ein Drittel des gesamten Fleischverzehrs aus. Dr. Ingo Stryck, Marketingverantwortlicher bei Wiesenhof, erläuterte beim Broiler-Symposium der Agravis in Holdorf die wesentlichen Treiber dieses Trends.

Junge Generation bevorzugt Hähnchenfleisch

Besonders bei der jüngeren Bevölkerungsgruppe erfreut sich Hähnchenfleisch zunehmender Beliebtheit. Diese Zielgruppe legt großen Wert auf eine gesunde und proteinreiche Ernährung und greift daher oft zu Geflügel. Convenience-Produkte, die eine schnelle und einfache Zubereitung ermöglichen, sind ebenfalls gefragt. Dies berichtete Dr. Stryck beim Symposium.

Migrationshintergrund als Einflussfaktor

Ein weiterer Faktor für den wachsenden Geflügelkonsum ist die zunehmende Zahl von Muslimen in Deutschland, die mittlerweile etwa 5,6 Millionen Menschen umfasst. Diese Gruppe ist im Durchschnitt jünger und hat oft größere Familien, was den Pro-Kopf-Verzehr weiter erhöht.

Nachhaltigkeit durch die Planetary Health Diet

Viele Händler orientieren sich an der „Planetary Health Diet“ (PHD), so Stryck. Diese Ernährungsform zielt darauf ab, die globale Bevölkerung gesund zu ernähren und gleichzeitig die Umweltbelastungen zu minimieren. Obwohl die PHD einen geringeren Konsum tierischer Produkte empfiehlt, wird Geflügelfleisch aufgrund seiner ressourcenschonenden Produktion bevorzugt. Im Vergleich zu Rind- und Schweinefleisch verbraucht es weniger Wasser und Land und verursacht einen geringeren CO₂-Ausstoß.

Veränderungen durch neue Trends

Stryck zufolge beeinflusst auch die sogenannte „Abnehmspritze“ das Konsumverhalten in den USA erheblich. Sie führt zu einem Rückgang bei Restaurantbesuchen und einer Reduzierung fettreicher Lebensmittel in der Ernährung. Stryck erwartet, dass dieser Trend auch nach Deutschland kommen wird und den Geflügelkonsum weiter ankurbeln könnte.

Bedeutung der Systemgastronomie

Die Systemgastronomie trägt ebenfalls zur steigenden Nachfrage bei Hähnchenfleisch bei. Fast-Food-Ketten wie McDonald’s bieten zahlreiche Hähnchenprodukte an, während Schweinefleisch kaum eine Rolle spielt. Burger King verzichtet sogar komplett auf Schweinefleisch im deutschen Markt.

Psychologische Aspekte des Fleischkonsums

Laut einer von Wiesenhof beauftragten Studie zeigt sich beim Fleischkonsum ein ambivalentes Verhalten: Die Freude am Fleischgenuss steht dem Schuldbewusstsein wegen des Tiersterbens gegenüber. Bei Geflügelfleisch ist dieses Gefühl weniger ausgeprägt als bei Säugetieren, so Stryck. Viele Menschen empfinden Geflügel als weniger sympathisch oder distanziert, da es kein Fell hat und nicht gestreichelt werden kann.